Inhaltsverzeichnis:
- Die Biologie hinter dem Steuer: Wie sich Adrenalin auf das Fahrverhalten auswirkt
- Herausforderungen für das Fuhrparkmanagement im BOS-Bereich
- Lösungsansätze: Prävention und Best Practices
Das Wichtigste in Kürze
- Adrenalin sorgt für einen Tunnelblick und Risikokompensation, was die Unfallgefahr bei Einsatzfahrten erhöhen kann.
- Neben der Sicherheit der Kollegen gilt es, das Fahrzeug rechtzeitig und ohne Zwischenfall zum Einsatzort zu bekommen.
- Das richtige Verhalten kann hohe Ausfallzeiten und Reparaturkosten durch Unfälle bei Spezialfahrzeugen minimieren.
- Sonderrechte entbinden nicht von der Sorgfaltspflicht und Halterhaftung– eine rechtssichere Fahrerunterweisung ist Pflicht.
- Ein Mix aus technischer Unterstützung, organisatorischen Maßnahmen und einem regelmäßigen Fahrsicherheitstraining minimiert das Risiko und schützt Ihre Mitarbeiter.
Die Biologie hinter dem Steuer: Wie sich Adrenalin auf das Fahrverhalten auswirkt
Warum passieren Unfälle während einer Einsatzfahrt trotz erfahrenem Fahrpersonal? Die Antwort liegt in unserer Biologie. Sobald der Alarm für eine Einsatzfahrt ausgelöst wird, versetzt der Körper den Fahrer, trotz aller Routine in einen physiologisch angespannten Zustand. Adrenalin wird ausgeschüttet, der Herzschlag beschleunigt sich, die Muskeln spannen sich an. Der mit dem Einsatz verbundene Stress kann sich durch Zeitdruck, Staus oder das aggressive Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer erhöhen und den Puls zusätzlich in die Höhe treiben. Stress am Steuer ist dabei nicht nur ungesund, sondern hat auch Auswirkungen auf das Fahrverhalten:
- Tunnelblick: Extremer Stress kann das periphere Sehen einschränken. Gefahren, die von der Seite kommen (z. B. an Kreuzungen), werden dadurch mitunter deutlich später wahrgenommen.
- Risikokompensation: Eingeschaltetes Blaulicht und Martinshorn können unbewusst ein Gefühl der Unverwundbarkeit erzeugen. Fahrer verlassen sich darauf, dass andere Verkehrsteilnehmer sofort Platz machen – oft eine fatale Fehleinschätzung.
- Reaktionszeit: Anders als angenommen reagieren Menschen bei Reizüberflutung durch Funk, Lärm oder Verkehrsdichte oft langsamer und fehlerhafter.
Herausforderungen für das Fuhrparkmanagement im BOS-Bereich
Als Fuhrparkmanager in Behörden oder Unternehmen, die mit Sicherheitsaufgaben (BOS) betraut sind, stehen Sie in einem ständigen Spannungsfeld. Die Fahrzeuge müssen schnellstmöglich am Einsatzort sein, aber die Sicherheit der Fahrer und Fahrzeuge darf nicht gefährdet werden.
Das Risiko für Unfälle auf Einsatzfahrten mit einem Schaden von über 1.500 € ist bei Fahrten mit Sonder- und Wegerechten 17-mal höher als bei regulären Fahrten. Das ist allein schon der Tatsache geschuldet, dass Sonder- und Wegerechte von der Einhaltung der StVO, unter Berücksichtigung der Sorgfaltspflichten, befreien. Dies hat direkte Konsequenzen für das Fuhrparkmanagement:
- Sicherstellen der Einsatzbereitschaft: Ein verunfallter Rettungswagen oder ein beschädigtes Löschfahrzeug steht nicht mehr zur Verfügung. Ersatzbeschaffungen sind bei Spezialfahrzeugen langwierig, Reparaturen können schnell sehr teuer werden.
- Wirtschaftliche Schäden: Neben Personenschäden belasten Kaskoschäden und steigende Versicherungsprämien das Fuhrpark-Budget.
- Halterhaftung: Fuhrparkverantwortliche tragen die Verantwortung dafür, dass die Fahrer geeignet und unterwiesen sind. Außerdem dürfen die Fahrzeuge keine Mängel aufweisen. Dafür müssen sie regelmäßig auf Schäden geprüft und im Rahmen der UVV-Fahrzeugprüfung kontrolliert werden Ein proaktives Risikomanagement ist daher kein „Nice-to-have“, sondern essenziell für Ihre Absicherung.
Lösungsansätze: Prävention und Best Practices
Wie bekommen Sie nun den Stressfaktor Blaulicht am besten in den Griff? Die Stress-Situation, die mit dem Einsatz entsteht, kann im ersten Moment nicht geändert werden. Durch gezielte Maßnahmen können Sie Ihre Fahrer allerdings darauf vorbereiten, mit Stresssituationen besser umzugehen.
Die Grundlage hierfür bilden die Bereiche Prävention, technische Unterstützung und gezieltes Training.
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Prävention
Schadenmanagement beginnt bereits, bevor es überhaupt zu einem Unfall gekommen ist. Ein strukturiertes Risk Management hilft Fuhrparkverantwortlichen, Risiken frühzeitig zu erkennen und durch gezielte Präventionsmaßnahmen Kosten nachhaltig zu senken.
- Schaffen Sie klare Strukturen im Fuhrpark: Wer fährt das Fahrzeug? Wer bedient den Funk und das Navigationssystem? Eine klare Rollenverteilung nimmt den Druck vom Fahrer, so kann sich dieser vollkommen auf den Straßenverkehr konzentrieren.
- Offene Fehlerkultur: Der offene Austausch im Team nach einem Einsatz ist besonders wichtig. Kritische Situationen sollten ohne Sanktionen zu fürchten besprochen werden können. So können alle Beteiligten lernen und potenzielle Risiken auf zukünftigen Einsatzfahrten vermeiden.
- Regelmäßige Schulungen und Unterweisungen: Mit einer Fahrerunterweisung für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen oder einem Modul zu Sonder- und Wegerechten kann den Einsatzfahrern grundlegendes Wissen zum sicheren Umgang mit dem Fahrzeug vermittelt werden. Wissen, dass sich verfestigt hat, ist leichter abrufbar und trägt dazu bei, dass die Fahrer in Extremsituationen sicherer agieren können.
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Technische Unterstützung
Fahrerassistenzsysteme sind ein Mittel für mehr Sicherheit und auch bei Spezialfahrzeugen sind sie echte Lebensretter. Mit integrierten Abbiegeassistenten, 360-Grad-Kameras und Notbremssystemen können menschliche Fehler abgemildert und Gefahren reduziert werden.
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Gezieltes Training und Simulation
Nichts ersetzt die Praxis, insbesondere wenn es um den richtigen Umgang mit einem Spezialfahrzeug geht.
- Fahrsicherheitstrainings sind im BOS-Bereich unverzichtbar: Regelmäßiges Fahrsicherheitstraining ist mehr als ein spannendes Event für das Team. Hier lernen Ihre Mitarbeiter, wie Sie in kritischen Situationen am besten mit dem Fahrzeug umgehen und reagieren. Das Üben von Bremsmanövern und Kurvenfahrten unter extremen Bedingungen (z. B. mit höherer Geschwindigkeit, nasser Fahrbahn) schult die Fahrzeugbeherrschung. Die Vorteile des Fahrsicherheitstrainings liegen auf der Hand: Es senkt Unfallquoten, reduziert Verschleiß und motiviert die Mitarbeiter.
- Stressige Situationen muss man üben: Um den Stressfaktor „Blaulicht“ realitätsnah zu üben, bieten sich außerdem moderne Fahrsimulatoren an. Hier können Gefahrensituationen, wie Kreuzungen und die Reizüberflutung durch Funk, Lärm und Verkehrsdichte trainiert werden. Der Vorteil ist, dass keine echten Einsatzfahrzeuge verschlissen werden und kein Unfallrisiko besteht.
- Ablenkung ist eine der häufigsten Unfallursachen: Daher ist es für Fahrer in Einsatzfahrzeugen besonders wichtig zu wissen, wie Sie sich im Fahrbetrieb ausschließlich auf die Straße konzentrieren können. Ablenkungsquellen sollten auf ein Minimum reduziert werden, um das Risiko für Unfälle zu senken.
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