Sicherheitsgerechtes Verhalten: Grundlagen, Motivation und Umsetzung

Wie funktioniert sicherheitsgerechtes Verhalten im Unternehmen, welche gesetzlichen Grundlagen gelten und wer ist wofür zuständig? Im Beitrag beleuchten wir neben dem Arbeitsschutzgesetz konkrete Umsetzungsmöglichkeiten des Arbeitsschutzes im Unternehmen an zwei Beispielen.

Seit 1996 ist das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) oder auch das Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit in Deutschland gültig. Es beschäftigt sich mit der Vorgehensweise im Arbeits- und Gesundheitsschutz - insofern ist die Arbeitssicherheit nur ein Teil des Arbeitsschutzes. Das Gesetz schafft einheitliche und verbindliche Regelungen für den Arbeitsschutz und betrifft gemäß Paragraf 2 ArbSchG Abs. 2:

  • „(…) Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer,
  • die zu ihrer Berufsbildung Beschäftigten,
  • arbeitnehmerähnliche Personen im Sinne des 5 Abs. 1 des Arbeitsgerichtsgesetzes, ausgenommen die in Heimarbeit beschäftigten und die ihnen Gleichgestellten,
  • Beamtinnen und Beamte,
  • Richterinnern und Richter,
  • Soldatinnen und Soldaten,
  • die in Werkstätten für Behinderte Beschäftigten.“

Ausgenommen von diesem Gesetz sind Personen, die in einem Privathaushalt beschäftigt sind oder die auf einem Segelschiff eingesetzt werden und auch Personen, deren Arbeitgeber dem Bundesberggesetz unterliegt.

Fakt ist: Sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer haben Pflichten im Sinne des Arbeits- und Gesundheitsschutzes zu erfüllen.

Wofür der Arbeitgeber Sorge zu tragen hat

Im Arbeitsschutzgesetz ist unter anderem geregelt, dass die Arbeit human gestaltet sein muss, um dem Arbeitnehmer nicht zu schaden. Hier spielt auch die Pflicht zur Gefährdungsbeurteilung hinein, welche in Paragraf 5 des ArbSchG definiert ist. Gefahren am Arbeitsplatz müssen identifiziert werden, um sie im nächsten Schritt, wenn möglich, zu beseitigen und die Arbeitnehmer müssen generell für diese Gefahren sensibilisiert werden. Damit ist es jedoch nicht getan: Der Arbeitgeber muss regelmäßig prüfen, ob die aufgestellten Arbeitsschutzmaßnahmen sinnvoll und zielführend sind und sich die Arbeitnehmer auch daran halten. Aufgrund der Position bestimmter Mitarbeiter (Führungskräfte, Vorgesetzte) kann der Arbeitgeber Verantwortlichkeiten delegieren, da sie zur Verantwortungsübernahme verpflichtet sind. Darunter fallen laut Paragraf 13 Abs. 1 des ArbSchG

  • „(…) sein gesetzlicher Vertreter,
  • das vertretungsberechtigte Organ einer juristischen Person,
  • der vertretungsberechtigte Gesellschafter einer Personenhandelsgesellschaft,
  • Personen, die mit der Leitung eines Unternehmens oder eines Betriebes beauftragt sind, im Rahmen der ihnen übertragenen Aufgaben und Befugnisse,
  • sonstige nach Absatz 2 oder nach einer auf Grund dieses Gesetzes erlassenen Rechtsverordnung oder nach einer Unfallverhütungsvorschrift verpflichtete Personen im Rahmen ihrer Aufgaben und Befugnisse.“

Die aktiven Arbeitsschutzmaßnahmen betreffen auch den Arbeitnehmer

Auch die Arbeitnehmer sind verpflichtet auf ihre Sicherheit am Arbeitsplatz zu achten und haben dem Arbeitgeber gegenüber Unterstützungspflichten (§ 15 ArbSchG). Der Arbeitgeber hat zum Beispiel dafür zu sorgen, dass die Erste Hilfe im Unternehmen gewährleistet ist. In diesem Fall greift eine Unterstützungspflicht seitens der Arbeitnehmer:

„Die Beschäftigten haben gemeinsam mit dem Betriebsarzt und der Fachkraft für Arbeitssicherheit den Arbeitgeber darin zu unterstützen, die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Beschäftigten bei der Arbeit zu gewährleisten und seine Pflichten entsprechend den behördlichen Auflagen zu erfüllen.“ (§ 16 Abs. 2 ArbSchG)

Mitarbeiter können sich zu Ersthelfern ausbilden lassen. Sie müssen ihre Fähigkeiten und Kenntnisse regelmäßig auffrischen und sind dann die offiziellen Ersthelfer im Unternehmen. Am besten wird ein Aushang erstellt, damit alle im Notfall wissen, wer Erste Hilfe leisten kann – was natürlich niemanden davon entbindet, der nicht offizieller Ersthelfer ist, zu helfen. Neben den Pflichten haben die Mitarbeiter auch Rechte. So dürfen sie „(…) dem Arbeitgeber Vorschläge zu allen Fragen der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes bei der Arbeit (machen).“ (§ 17 Abs. 1 ArbSchG) Reichen die vom Arbeitnehmer getroffenen Maßnahmen zur Arbeitssicherheit und -gesundheit begründeter Weise nicht aus, können (und sollen ) die Mitarbeiter sich an den Arbeitgeber wenden. Ist dieser nicht einsichtig, können die Mitarbeiter sich an die zuständige Behörde wenden (§ 17 Abs. 2 ArbSchG).

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Bußgelder bei Missachtung des Arbeitsschutzes

Hier sind einige Beispiele, welche Bußgelder bei Missachtung des Arbeitsschutzes drohen:

Missachtung des Arbeitsschutzes

Bußgeld

Eine unmittelbare beachtliche Gefahr tritt auf und der Arbeitgeber lässt das Arbeiten nicht einstellen.

5.000 €

Die Gefährdungsbeurteilung wurde nicht korrekt, vollständig oder rechtzeitig gemacht.

3.000 €

Der Notausgang oder der Fluchtweg besitzt keine Sicherheitskennzeichnung oder die vorhandene Kennzeichnung reicht nicht aus.

2.000 €

Es wird kein Erste Hilfe-Material zur Verfügung gestellt.

1.000 €

Es sind keine Toiletten vorhanden oder die vorhandenen WCs sind nicht nutzbar.

600 €


Mitarbeiter zu sicherheitsgerechtem Verhalten motivieren

Das Arbeitsschutzgesetz nimmt Mitarbeiter ebenfalls mit in die Pflicht, doch kann der Arbeitgeber sie zusätzlich motivieren, sich sicherheitsgerecht zu verhalten, indem er ihnen die Wichtigkeit dieser Thematik greifbar macht. Immerhin entstehen viele Pflichten im Rahmen der Schutzmaßnahmen, da kann man leicht den Überblick verlieren. Regelmäßige Erinnerungen und eine aktive Wissensvermittlung sowie Feedback sind daher sehr sinnvoll. Wir zeigen am Beispiel der IT-Sicherheit auf, wie man diesbezüglich vorgehen könnte.

Beispiel: Cybersecurity

Im ersten Beispiel schauen wir uns das Thema Cybersecurity an. Schulen Sie Ihre Mitarbeiter im Bereich IT-Sicherheit oder auch Cybersecurity so, dass sie ein Bewusstsein für sicherheitsgerechtes Verhalten erlangen und zur Sicherheit im Unternehmen beitragen. Ihre Mitarbeiter sind im besten Fall in der Lage selbst frühzeitig Risiken für die Cybersicherheit erkennen zu können und auch zu verstehen, wieso es sich um Risiken handelt. Dann können sie ihr Verhalten anpassen und der Datenschutz kann zu einem Bestandteil der Unternehmenskultur werden.

Bereits am ersten Arbeitstag sollte eine Einweisung in die IT-Sicherheit (und eben die Pflichten eines jeden Mitarbeiters) erfolgen. Auch ist ein Datenschutzaudit heutzutage wichtig, um den aktuellen Stand der Sicherheit im Unternehmen zu erfassen, Sicherheitslücken zu identifizieren und zu schließen. Durch diese Maßnahmen können Verhaltensmuster langfristig angepasst werden. Die Sicherheitsregeln können als Broschüre ausgelegt oder online abrufbar gemacht werden, um alle Personen im Unternehmen zu sensibilisieren und zu erinnern.

Erstellen Sie Richtlinien für Ihre diversen Kommunikationskanäle wie E-Mail, Telefon, Social Media: Welche Informationen sind relevant für den externen Kommunikationspartner? Schaffen Sie eine zielgruppengerechte Informationsweitergabe und legen Sie einen Ansprechpartner (und eine Vertretung) für externe Kommunikationspartner fest.

Beispiel: Fahrerunterweisung - Mit der regelmäßigen Unterweisung zum Arbeitsschutz beitragen

Hat ein Unternehmen Pool- und/oder Dienstwagen, muss im Sinne des Arbeitsschutzes auch hier eine Unterweisung der Mitarbeiter stattfinden. Denn diese fällt, wie auch die aufgeführten Maßnahmen zur IT-Sicherheit, zu den konkreten Arbeitsschutzmaßnahmen. Bei der Fahrerunterweisung, die mindestens einmal jährlich erfolgen muss, wird den Dienstwagenfahrern vermittelt, wie der sichere Umgang mit dem Fahrzeug funktioniert. Die Unterweisung kann via E-Learning oder im Rahmen einer Präsenzveranstaltung geschehen. Sie beinhaltet unter anderem die Themen Ladungssicherung, Verhalten während der Fahrt und bei Unfällen sowie Regeln des Straßenverkehrsgesetzes. Ziele der Unterweisung sind, dass der Mitarbeiter das Fahrzeug vor Fahrtantritt auf dessen betriebssicheren Zustand untersuchen, es richtig beladen sowie auf Vorfälle während der Fahrt adäquat reagieren kann. Was ein Mitarbeiter bezüglich der Betriebssicherheit unter anderem vor Fahrtantritt prüfen muss, haben wir im Beitrag zum DGUV Grundsatz zur Prüfung von Fahrzeugen zusammengefasst.

 

Fahrerunterweisung im Fuhrpark  Im Rahmen von Unfallverhütungs- und Arbeitssicherheitsmaßnahmen ist der  Arbeitgeber gesetzlich dazu verpflichtet, Mitarbeiter, die einen Dienstwagen  nutzen, zu unterweisen. Diese Fahrerunterweisung nach UVV muss mindestens  einmal im Jahr erfolgen. Mitarbeiter werden dabei im richtigen Umgang mit  Dienstfahrzeugen geschult.  Sie haben Fragen zur Fahrerunterweisung nach UVV oder benötigen Hilfe bei der  Durchführung?Dann schreiben Sie uns gerne.

 

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