Inhaltsverzeichnis:
- Was bedeuten die TCO in Bezug auf E-Autos?
- Warum fallen Wartungskosten geringer aus?
- Wie beeinflussen Steuervorteile die TCO bei E-Autos?
- Welche Rolle spielt der reale Restwert?
- Ab welcher Laufleistung lohnt sich ein E-Auto im Fuhrpark?
- Welche versteckten Verwaltungskosten fallen bei E-Autos an?
- Wie wirken sich Heimladen und neue gesetzliche Ladevorgaben auf die TCO aus?
- Unterscheiden sich die Versicherungstarife für E-Autos und Verbrenner?
Auf einen Blick:
- Dass die TCO für E-Autos sehr viel höher ausfallen als bei herkömmlichen Dienstwagen, ist ein Vorurteil. Die Realität sieht anders aus.
- E‑Fahrzeuge sind in der Anschaffung teurer als normale Verbrenner. Die geringeren Betriebskosten gleichen die Differenz jedoch aus.
- Im Vergleich mit anderen Antriebsarten genießen E-Fahrzeuge Steuervorteile. Diese senken die laufenden Betriebskosten, wie z. B. der Erlass der Kfz-Steuer.
- Durch einen noch nicht voll etablierten Gebrauchtwagenmarkt für E-Fahrzeuge ist der Restwert schlechter zu kalkulieren. Daher gilt: Vorsicht vor zu hohen Kalkulationen.
Was bedeuten die TCO in Bezug auf E-Autos?
Die Total Cost of Ownership (TCO) im Fuhrpark bezeichnet die Gesamtkosten eines Fahrzeugs über die gesamte Nutzungsdauer. Sie umfasst neben den Anschaffungskosten (CAPEX) alle operativen Betriebskosten (OPEX) eines E-Fahrzeugs z.B.:
- Strom,
- Wartung,
- Steuern,
- Ladeinfrastruktur und
Für Fuhrparkmanager bildet die TCO die zwingende Entscheidungsgrundlage bei der Beschaffung.
Wenn Sie die Wirtschaftlichkeit einer Flottenumstellung auf E-Autos bewerten, reicht der Blick auf den reinen Listenpreis nicht aus. Gerade bei E-Autos ist dies kein realistischer Wert, da dieser im Vergleich zu normalen Verbrennern nur eine systematisch schlechtere Bewertung zulässt.
Die grundlegende Kostenstruktur zeigt jedoch:
Elektroautos weisen in der Regel zwar höhere Anschaffungskosten auf. Allerdings entstehen circa 60% bis 75% der gesamten TCO durch die Betriebskosten. Die anfängliche Differenz der Anschaffungskosten zu herkömmlichen Verbrennern wird also durch die geringere Betriebskosten von E-Autos im Alltag über die Haltedauer ausgeglichen.
Achtung: Auch wenn E-Fahrzeuge kostentechnisch mit den gängigen Verbrennermotoren mithalten können, muss gerade bei gekauften Elektrofahrzeugen auch der Wiederverkaufswert berücksichtigt werden. Bei Leasing-Modellen ist das hingegen weniger ein Problem und hat einen geringeren Einfluss auf die Gesamtkosten.
Warum fallen Wartungskosten geringer aus?
Allgemein gilt, dass Elektroautos geringere Werkstattkosten verursachen und laut einer Statistik des ADAC 4,4 Prozent weniger Pannen als Benzin- oder Diesel-Fahrzeuge aufweisen. Das liegt daran, dass Elektromotoren im Vergleich zu Verbrennern viel weniger bewegliche Verschleißteile besitzen. Die Wartungsintensität von E-Autos sinkt dadurch, laut einer Studie von eurelectric, um 20% bis 40%. Die Routinemäßige Wartungsarbeiten wie Ölwechsel, Zündkerzentausch oder der Austausch von Zahnriemen und Abgasanlagen entfallen komplett.
Auch der Verschleiß der Bremsanlage ist tendenziell geringer, da E-Autos einen Großteil der Bremsenergie über die Rekuperation (Motorbremse) zurückgewinnen. Das kann die Bremsbeläge schonen. Alle diese Faktoren senken die Kosten und reduzieren mögliche Ausfallzeiten (Downtime) in der Flotte.
Box:
Ein großes Plus: Die Kosten für die E-Auto Batterien fallen stetig. Dies liegt u.a. daran, dass Rohstoffpreise wie z.B für Lithium fallen und die Produktionskosten durch Massenproduktion erheblich sinken. Außerdem gibt es immer günstigere alternative Batterietechnologien wie LFP-Akkus (Lithium-Eisenphosphat) oder Natrium-Ionen-Akkus, da sie ohne teure Rohstoffe auskommen.
Wie beeinflussen Steuervorteile die TCO bei E-Autos?
Nach Abschaffung des Umweltbonuses 2023, sind Steuervorteile der wichtigste Hebel für die TCO im Fuhrpark bei Elektrofahrzeugen. Die Kfz-Steuerbefreiung bis 2035 und vor allem die 0,25-Prozent-Regelung bei der Dienstwagenbesteuerung kompensieren höhere Listenpreise und machen E-Mobilität im Fuhrpark zu einer echten Alternative.
Mit dem Wachstumschancengesetz wurde 2024 die Grenze für die vergünstigte 0,25-Prozent-Versteuerung das erste mal definiert. Mittlerweile liegt die Obergrenze bei 100.000 Euro Bruttolistenpreis (Stand 2026). Dies macht E-Autos der Mittel- und oberen Mittelklasse für Mitarbeiter wieder attraktiv.
Welche Rolle spielt der reale Restwert?
Eine große Herausforderung bei den TCO für E-Fahrzeuge ist der nur schwer zu kalkulierende Restwert. Die Entwicklung von E-Autos geht immer noch in großen Schritten voran daher fehlen teilweise noch Vergleichswerte und empirische Daten oder sie sind nicht aussagekräftig genug, weil es zu wenige sind. Daher schwanken die Preise auf dem Gebrauchtwagenmarkt stark.
Die Praxis birgt daher folgende Risiken: Da ein etablierter Gebrauchtwagenmarkt noch fehlt, basierten frühere TCO-Berechnungen oft auf zu optimistischen Restwert-Prognosen. Die Realität zeigt, dass Leasinggesellschaften das Risiko von Wertverlust durch neue Technologie-Generationen aktuell in höhere Raten einpreisen.
Ab welcher Laufleistung lohnt sich ein E-Auto im Fuhrpark?
Ein E-Auto rechnet sich besonders schnell, wenn die jährliche Fahrleistung hoch und planbar ist. Da die variablen Energiekosten pro Kilometer bei Stromern niedriger ausfallen, amortisiert sich der höhere Kaufpreis bei Vielfahrern schneller. Die Stadtwerke München haben in einem Kostenvergleich festgestellt, dass sich bei einem E-Auto mit 1.000 km Fahrleistung pro Monat im Vergleich zu einem Benziner zwischen 45 bis 72 Euro, je nach Ladesituation, einsparen lassen.
Grundvoraussetzung ist, dass das Fahrzeug bzw. die Batteriekapazität zum Streckenprofil passt. Daher ist es wichtig, sich im Vorfeld über die passenden Fahrzeuge zu informieren.
Welche versteckten Verwaltungskosten fallen bei E-Autos an?
Viele TCO-Rechnungen ignorieren die Kosten für das Change Management, also Ausgaben für die Umrüstung der betriebseigenen Infrastruktur:
- Fahrerunterweisungen zur E-Mobilität für Mitarbeiter
- rechtssichere Anpassung der internen Fuhrparkrichtlinien (Car Policy für E-Autos)
- Etablieren von Lademöglichkeiten (Wallboxen zu Hause & Lademöglichkeiten im Büro)
- neue Integration von Softwarelösungen fürs Lademanagement
Oft werden Systemumstellungskosten ausgeklammert, da Teile dieser Kosten nicht dauerhaft sondern nur einmal anfallen. Für Fuhrparkmanager sind diese "versteckten" Betriebskosten jedoch zentral. Dies bindet personelle und finanzielle Ressourcen.
Wie wirken sich Heimladen und neue gesetzliche Ladevorgaben auf die TCO aus?
Laden Mitarbeiter zu Hause, entstehen zusätzliche TCO-Faktoren: Wer trägt die Kosten für die Wallbox, und wie wird der Strom abgerechnet? Viele TCO-Modelle gehen fälschlicherweise nur vom günstigen Laden am Unternehmensstandort aus.
Die Realität sieht hingegen anders aus: In großen Flotten laden Mitarbeiter ihre Dienstwagen häufig am eigenen Wohnort via Wallbox. Die richtige Abrechnung dieser Stromkosten erfordert die nötige Hardware und Backend-Software, was ggf. zusätzliche monatliche Gebühren verursachen kann. Beziehen Sie diese Infrastrukturkosten zwingend in Ihre Kalkulation ein.
Box: Eine Wallbox ist ein geldwerter Vorteil. Je nach Absprache muss der Fahrer diese steuerrechtlich geltend machen und wie den Firmenwagen auch in der Steuererklärung angeben.
Unterscheiden sich die Versicherungstarife für E-Autos und Verbrenner?
Waren die Versicherungsbeiträge für E-Autos anfangs noch sehr viel höher als bei Verbrennern, gleichen sich die Anzahl der Schäden sowie die Schadenskosten mittlerweile an. Laut Versicherungsverband (GDV) liegt dies an der steigenden Anzahl an Elektrofahrzeugen im Straßenverkehr. Dennoch sollten die Kosten hier regelmäßig und für jedes Modell individuell betrachtet werden.
Zudem benötigen Sie Deckungskonzepte für die Mitversicherung teurer Ladeinfrastruktur (Brandschutz, Vandalismus). Prüfen Sie daher unbedingt spezifische, aktuelle Flottentarife für E-Autos.
Schreiben Sie den ersten
Kommentar!