Sommer vs. Winter: der große Reifencheck für den Fuhrpark

Der richtige Reifen entscheidet über Sicherheit und Fahrverhalten. Die Unterschiede sind gravierend und sollten daher nicht leichtfertig abgetan werden. In unserem Beitrag erfahren Sie, wann welcher Reifen sinnvoll ist und worauf es beim saisonalen Wechsel ankommt. 
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Sommer vs. Winter: der große Reifencheck für den Fuhrpark © m.mphoto - stock.adobe.com

Inhaltsverzeichnis:

Gibt es in Deutschland eine Reifenpflicht?

Einen festen jährlichen Zeitraum für die Nutzung bestimmter Reifen gibt es in Deutschland nicht. Während im Nachbarland Österreich bestimmte Fahrzeugklassen vom 01. November bis 15. April mit Winterreifen ausgestattet sein müssen, gibt es in Deutschland nur eine situative Winterreifenpflicht.

Das bedeutet, dass die Bereifung der Fahrzeuge den Witterungsverhältnissen angepasst sein muss. Unabhängig von Jahreszeit oder Monat müssen Fahrer bei winterlichen Straßenverhältnissen die Winterpneus aufziehen, wenn sie am öffentlichen Verkehr teilnehmen wollen – ansonsten drohen Bußgelder sowie ein Punkt im Fahreignungsregister für Fahrer und Halter. Das betrifft i.d.R. also auch den Fuhrparkmanager, wenn die Halterpflicht an ihn delegiert wurde.

Grundlage dafür ist Paragraf 2 Abs. 3a der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO):


„Der Führer eines Kraftfahrzeuges darf dies bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte oder Reifglätte nur fahren, wenn alle Räder mit Reifen ausgerüstet sind, die unbeschadet der allgemeinen Anforderungen an die Bereifung den Anforderungen des § 36 Absatz 4 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung genügen.“

Der Sommerreifen – Performance bei Wärme

Warum Sommerreifen?

Sommerreifen sind aufgrund ihrer Bauweise besonders rollwiderstandsarm – das Auto muss dementsprechend nicht so viel Kraft aufwenden, um die Räder ins Rollen zu bringen. Weniger Widerstand bedeutet dabei auch weniger Kraftstoffverbrauch. Sommerreifen sind durch ihre härtere Beschaffenheit bei hohen Temperaturen widerstandsfähiger und in den Kurven deutlich stabiler. Die groben Profilrillen sorgen für eine bessere Wasserverdrängung und bieten so Schutz vor Aquaplaning.

Ist es erlaubt, im Sommer mit Winterreifen zu fahren?

Rein rechtlich gesehen spricht nichts dagegen die Winterreifen bei den Dienstfahrzeuge auch im Sommer drauf zu lassen - davon ist jedoch dringend abzuraten!

Die weichere Gummimischung, wie sie für Winterreifen typisch ist, trägt sich auf trockenem und heißem Asphalt stärker ab. Das mindert das tiefere Profil der Winterreifen. Somit verlieren sie im Winter bei Schnee oder Matsch schneller die Bodenhaftung und können ihrer Aufgabe nicht nachkommen.

Ebenso kann sich der Bremsweg verlängern. Auch die Fahrstabilität leidet unter der unvorteilhaften Bereifung.

Zudem ist das weiche Material schlechter für die Umwelt. Bei jeder Fahrt verlieren Reifen Gummipartikel, die Mikroplastik enthalten. Diese verunreinigen Böden sowie das Grundwasser und können von anderen Lebenwesen aufgenommen werden.. Je weicher der Reifen ist, umso mehr Mikroplastik-Teilchen gelangen also auf die Straßen.

Der Winterreifen – Spezialist für Kälte und Glätte

Warum Winterreifen?

Winterreifen wurden extra für die Witterungsverhältnisse während der kalten Jahreszeit entwickelt. Die weichere Gummimischung macht den Reifen bei Kälte elastischer. Gleichzeitig sorgt das ausgeprägte Lamellen-Profil für eine bessere Verzahnung mit dem Untergrund.

Die allgemeinen Anforderungen nach Paragraf 36 Abs. 4 StVZO besagen außerdem, dass Winterreifen zum einen mit einem Alpine-Symbol gekennzeichnet sein müssen und zum anderen durch ihre Reifenbeschaffenheit „die Fahreigenschaften bei Schnee gegenüber normalen Reifen hinsichtlich ihrer Eigenschaft beim Anfahren, bei der Stabilisierung der Fahrzeugbewegung und beim Abbremsen des Fahrzeugs“verbessern müssen.

Schneeketten – warum und wann?

Bei extremen Witterungsbedingungen ist mitunter das Anlegen von Schneeketten erforderlich. Die Anlegepflicht wird mit dem Verkehrszeichen 268 angekündigt. Die Einhaltung hier ist bei Schnee keine Option sondern eine Verkehrsregel. Ein Verstoß wird mit einem Bußgeld geahndet.

Die Alternative: Der Ganzjahresreifen

Der Allwetter- oder Ganzjahresreifen ist ein Kompromiss zwischen beiden Reifenarten. Auf den ersten Blick könnte angenommen werden, dass es sich hier um die perfekte Lösung im Fuhrpark handelt. Allerdings erreichen diese Reifen aber nie die Sicherheitder Spezialreifen.

Spezielle Reifen für E-Autos

Viele Reifenhersteller bieten mittlerweile eigens für E-Autos produzierte Reifen an, die die besonderen Anforderungen berücksichtigen.

Ihre wichtigste Eigenschaft ist die verringerung des Rollwiderstandes. Dadurch vergrößert sich die Reichweite der Autos um bis zu sieben Prozent. Zusätzlich reduzieren sich die Abrollgeräusche des Reifens.

Außerdem haben die Reifen eine höhere Traglast, da E-Autos häufig schwerer sind als Verbrenner. Die so beworbenen „Energiesparreifen“ sind zwar in erster Linie für E-Autos gedacht, sie können aber auch bei Verbrennern montiert werden.

Was sind die Unterschiede zwischen Sommer-, Winter oder Allwetterreifen?

Bei genauerer Betrachtung weisen die Pneus der drei Reifentypen Unterschiede in den Profilen auf:

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Abb.: Eigene Darstellung LapID Service GmbH

Eine vergleichende Übersicht:

 

Sommerreifen

Winterreifen

Ganzjahresreifen

Profil, Lauffläche

  • In der Regel durchgehende Längsrillen
  • größere und stabilere Profilblöcke
  • keine Lamellen, dadurch schlechte bis gar keine Haftung auf Schnee
  • Profiltiefe mind. 1,6 mm am besten 3 mm,
    Neurreifen 7-9 mm
  • sehr feines Profil im Vergleich zu den anderen Reifentypen
  • Querrillen verdrängen Wasser nach außen
  • Lamellen innerhalb der Profilblöcke, damit sich der Schnee nicht im Reifen festsetzen kann; wäre dies der Fall, würde sich das Profil schließen und der Reifen verliert dieFähigkeit, sich im Schnee zu verzahnen
  • Alpine-Symbol
  • Profiltiefe mind. 1,6 mm besser 4 mm, Neurreifen 7-10 mm
  • ein bisschen Sommer-, ein bisschen Winterreifen
  • Lamellen
  • Kombination aus Quer- und Längsrillen
  • Alpine-Symbol (deswegen dürfen Allwetterreifen auch im Winter gefahren werden)
  • Profiltiefe mind. 1,6 mm besser 4 mm, Neurreifen 7-9 mm

Gummimischung, Temperaturverhal-ten

  • Hart, dadurch optimales Grip-Verhältnis bei höheren Temperaturen
  • weniger Grip auf kalter, nasser Fahrbahn
  • Weich, dadurch elastischer bei niedrigen Temperaturen (unter null Grad definitiv Winterreifen!)
  • kurzer Bremsweg bei Minustemperaturen
  • Weicher als Sommerreifen, jedoch nicht so weich wie beim Winterreifen
  • müssen bei Temperaturen zwischen minus 30 Grad Celsius und plus 40 Grad Celsius funktionieren
  • aufgrund der nur außen vorhandenen Lamellen nur wenig Haftung, wenn es richtig schneit

Einsatzzweck

  • Sommer (hohe Temperaturen)
  • Winter (niedrige Temperaturen, unter null Grad)
  • Regionen, in denen es keinen „richtigen“ Sommer und Winter gibt (klimatisch mild)
  • Wenigfahrer in urbanen, ebenen Regionen (Kompromissreifen)

Bußgeldkatalog: Winter-, Sommer- und Ganzjahresreifen

Haben die Fahrzeuge in Ihrem Fuhrpark alle die richtige saisonale Berreifung drauf und gibt es fixe Termine zum Wechsel für jede Saison? Sollte besonders im Winter dem nicht so sein, kann dies mit einem Bußgeld von 60 Euro sowie einem Punkt in Flensburg geahndet werden. Verursachen Ihre Fahrer einen Unfall aufgrund falscher Bereifung, sind es 120 Euro und ein Punkt.

Was die Profiltiefe betrifft, so folgt ein Bußgeld bei nicht ausreichenden Profilrillen von 60 Euro und einem Punkt. Dies gilt für Kraftfahrzeuge und Anhänger. Sind Sie als Fuhrparkmanager der Halter des Fahrzeugs, jedoch nicht der Fahrer, beträgt Ihr Bußgeld beim letztgenannten Tatbestand sogar 75 Euro und einen Punkt.

Bei einem Mofa, dessen Profil nicht ausreichend ist, sind es 25 Euro, jedoch kein Punkt in Flensburg. Welche weiteren Tatbestände wie hoch bestraft werden, kann im Bußgeldkatalog eingesehen werden.

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