FAQ: Allwetterreifen im Fuhrpark

Auf den ersten Blick sind Allwetterreifen günstiger als Sommer- und Winterreifen. Es ist kein Reifenwechsel erforderlich und auch die Einlagerung entfällt. Also warum im Fuhrpark nicht auf Allwetterreifen setzen? Wir klären die Vor- und Nachteile von Ganzjahresreifen und geben einen Überblick über die rechtlichen Anforderungen und Grundlagen.
Blog Beitrag anhören
FAQ: Allwetterreifen im Fuhrpark © ThorstenF | Pixabay.com

Inhaltsverzeichnis:

Was sind Allwetterreifen?

Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich bei Allwetter- oder auch Ganzjahresreifen um eine Bereifung, die das ganze Jahr über genutzt werden kann. Dabei unterscheiden sie sich von den Sommer- und Winterreifen, welche passend zur Jahreszeit aufgezogen werden.

Schon gewusst?

Reifen sind schwarz, da sie früher mit Ruß gefüllt wurden. Heute wird statt Ruß unter anderem Silica (Kieselsäure) als Füllstoff benutzt. Silica ist hydrophil (wasserliebend) und verändert seine Farbe, wenn es Feuchtigkeit aufnimmt. Durch Silica erhält der Reifen besonders gute Nässeeigenschaften. Weitere Füllstoffe sind z. B. Schwefel und Rapsöl – neben dem Hauptbestandteil Gummi bzw. Kautschuk. Die Zusammensetzung variiert von Reifen zu Reifen und natürlich von Hersteller zu Hersteller.

 

Was ist der Unterschied zwischen Allwetterreifen und Ganzjahresreifen?

Technisch gibt es keinen Unterschied zwischen beiden Reifenarten. Beide Begriffe bezeichnen Reifen, die Eigenschaften von Sommer- und Winterreifen miteinander kombinieren und dadurch das gesamte Jahr über gefahren werden dürfen. Im Alltag werden beide Begriffe oft synonym verwendet.

 

Wie sind Ganzjahres- beziehungsweise Allwetterreifen gekennzeichnet?

Ganzjahresreifen, die auch wintertauglich sind, müssen zwingend das Alpine-Symbol als Reifenkennzeichnung tragen. Nur dieses garantiert die rechtssichere Nutzung der Reifen bei winterlichen Straßenverhältnissen. Die alte M+S Kennzeichnung ist seit Oktober 2024 nicht mehr ausreichend.

Alpine-Symbol

Abbildung: Alpine-Symbol auf Winter- und Ganzjahresreifen, eigene Darstellung

 

Was sind Vor- und Nachteile von Allwetterreifen? 

Vorteile

Nachteile

Kein halbjährlicher Reifenwechsel nötig

Schlechteres Fahrverhalten bei Extremwetterbedingungen

Keine Werkstattkosten für Reifenwechsel

Längerer Bremsweg als Sommerreifen 

Keine Kosten für Einlagerung von Reifen

Höherer Abrieb/Verschleiß

Keine Anschaffung von Sommer- und Winterreifen

Weniger Sicherheit und Komfort

Zeit und Kosten sparen

 

 

Wann und für wen eignen sich Allwetterreifen?

Kann man den Fuhrpark komplett mit Ganzjahresreifen ausstatten? Diese Entscheidung kann nicht pauschal für jeden Fuhrpark getroffen werden. In den meisten Fällen bestimmt der Einsatzzweck des Fahrzeugs die Bereifung.

  • Für Fahrzeuge mit einer geringen Laufleistung, die eher in urbanen Regionen unterwegs sind und weniger in Extremwetterlagen lohnen sich Allwetter- bzw. Ganzjahresreifen oft.
  • Bei Vielfahrern lohnen sich saisonale Reifen generell eher, da Allwetter- bzw. Ganzjahresreifen durch die dauerhafte Nutzung schneller verschleißen und daher dann zeitiger ersetzt werden müssen.
  • Liegt der Firmenstandort bereits in einer Region, wo es heiße Sommer und kalte Winter mit Schnee gibt, sind Sommer- und Winterreifen die bessere Wahl.
  • Sollte es sich um einDienstfahrzeug handeln, das auch privat genutzt werden darf, muss dies berücksichtigt werden – schließlich könnte der Mitarbeiter mit dem Wagen bspw. in den Skiurlaub fahren.

Ändert sich das Fahrgebiet oder ändern sich die Wetterbedingungen ist auch die Reifenwahl zu überdenken.

 

Wie lange darf man Allwetterreifen fahren?

Ganzjahresreifen halten durchschnittlich etwa 35.000 Kilometer lang (Vielfahrer-Fahrzeug) oder bis zu 50.000 Kilometern bei einem wenig gefahrenen Auto. Heißt: Bei einem Vertriebler, der viel auf Allwetterreifen unterwegs ist, reicht ein Reifenwechsel nach etwa zwei Jahren.

Die Reifen sollten unabhängig von der Laufleistung aus Sicherheitsgründen spätestens dann getauscht werden, wenn die Restprofiltiefe bei ca. 4mm liegt (auch wenn die gesetzlich vorgeschriebene Profiltiefe bei 1,6mm liegt). Achten Sie zudem auf das Reifenalter. Die DOT-Nummer gibt hierbei Auskunft. Empfohlen wird eine maximale Nutzungsdauer von 6-8 Jahren.

Mit Lösungen, wie dem dynamischen Aufgaben- und Terminmanagement der LapID Fahrzeugverwaltung, lassen sich Informationen, wie die Reifenprofiltiefe regelmäßig digital abfragen. Die Dienstwagenfahrer erhalten eine Aufgabe und können den gemessenen Wert digital übermitteln. Über die Dokumentenverwaltung können außerdem Belege zu Reifen verwaltet werden, darüber lässt sich schnell nachvollziehen, wie alt die genutzten Reifen sind.

 

Sind Allwetterreifen auch im Winter erlaubt?

In Deutschland gilt die situative Winterreifenpflicht bei Eis, Schnee und Glätte (nach § 2 Abs. 3a StVO). Das bedeutet, dass Autofahrer bei winterlichen Straßenverhältnissen Winterreifen aufgezogen haben müssen.

Da Ganzjahresreifen das Schneeflockensymbol (Alpine-Symbol) tragen und damit wintertauglich sind, dürfen sie auch im Winter gefahren werden. Lassen die Witterungsverhältnisse ein sicheres Fahren mit Allwetterreifen nicht zu (z.B. Fahren bei Glätte oder in Schneelagen) ist ggf. ein zusätzlicher Reifenwechsel erforderlich. Je nach Region sind außerdem auch Schneeketten notwendig.

 

Kann man Allwetterreifen auch im Sommer fahren?

Solange keine extremen Temperatur- und Witterungsschwankungen auftreten können sich die Allrounder als sinnvoll und kostensparend erweisen. Außerdem reduzieren sich die Kosten für Lagerung und den regelmäßigen Reifenwechsel. Durch den Dauerbetrieb werden Allwetterreifen allerdings in kürzeren Abständen erneuert – was wieder Einfluss auf die Kosten hat.

 

Allwetter- und Ganzjahresreifen im Ausland

Im EU-Ausland gilt nicht überall eine Winterreifenpflicht. In Österreich gilt sie bspw., bei winterlichen Straßenverhältnissen vom 01. November bis zum 15. April. Eine Missachtung der Regel kann zu Bußgeldern führen.

In der Schweiz besteht keine Pflicht, jedoch haften Sie bei unzureichender Bereifung im Falle eines Unfalls.

Schneeketten müssen im Winter aufgezogen werden, doch in den meisten europäischen Nachbarländern ist dies in den nötigen Bereichen ausgeschildert. Prüfen Sie also vor einer Reise die Bedingungen und Gesetze im Ausland. Häufig sind die Bußgelder höher und die Regelungen strenger als in Deutschland.

 

Wie wirken sich Allwetterreifen auf den Versicherungsschutz aus?

Bezüglich des Versicherungsschutzes müssen Sie sich keine Sorgen machen: Dieser besteht bei Fahrten mit Allwetterreifen im Winter, solange diese das Alpine-Symbol tragen. Wichtig ist auch die Einhaltung der Mindestprofiltiefe.

Kommt es jedoch zu einem Unfall und dieser ist auf eine ungeeignete Reifenwahl zurückzuführen (z.B. Auffahrunfall auf schneebedeckter Straße), kann die Kaskoversicherung wegen grober Fahrlässigkeit die Leistungen kürzen.

 

Sommer-, Winter oder Allwetterreifen: Das sind die Unterschiede

Bei genauerer Betrachtung weisen die Pneus der drei Reifentypen Unterschiede in den Profilen auf:

Reifenprofil-Beispiele_1000px

Abbildung: Beispiele für Reifenprofile, eigene Darstellung


Eine vergleichende Übersicht:

 

Sommerreifen

Winterreifen

Ganzjahresreifen

Profil, Lauffläche

  • In der Regel durchgehende Längs-rillen
  • größere und stabilere Profilblöcke
  • keine Lamellen, dadurch schlechte bis gar keine Haftung auf Schnee
  • sehr feines Profil im Vergleich zu den anderen Reifentypen
  • Querrillen verdrängen Wasser nach außen
  • Lamellen innerhalb der Profilblöcke, damit sich der Schnee nicht im Reifen festsetzen kann; wäre dies der Fall, würde sich das Profil schließen und der Reifen verliert seine Fähigkeit, sich im Schnee zu verzahnen
  • Schnee-flockensymbol
  • ein bisschen Sommer-, ein bisschen Winterreifen
  • Lamellen
  • Kombination aus Quer- und Längsrillen
  • Schneeflockensymbol (deswegen dürfen Allwetterreifen auch im Winter gefahren werden)

Gummimischung, Temperaturverhal-ten

  • Hart, dadurch optimales Grip-Verhältnis bei höheren Temperaturen
  • weniger Grip auf kalter, nasser Fahrbahn
  • Weich, dadurch elastischer bei niedrigen Temperaturen (unter null Grad definitiv Winterreifen!)
  • kurzer Bremsweg bei Minustemperaturen
  • Weicher als Sommer, jedoch nicht so weich wie beim Winterreifen
  • müssen bei Temperaturen zwischen minus 30 Grad Celsius und plus 40 Grad Celsius funktionieren
  • aufgrund der nur außen vorhandenen Lamellen nur wenig Haftung, wenn es richtig schneit

Einsatzzweck

  • Sommer (hohe Tem-peraturen)
  • Winter (niedrige Temperaturen, unter null Grad)
  • Regionen, in denen es keinen „richtigen“ Sommer und Winter gibt (klimatisch mild)
  • Wenigfahrer in urbanen, ebenen Regionen (Kompromissreifen)

 

 Welcher Reifen ist die richtige Wahl?

Wenn Sie sich unsicher sind, welche Reifen Sie aufziehen lassen sollen, sprechen Sie mit Ihrem Fahrzeughändler/ der Werkstatt Ihres Vertrauens.

Und auch, wenn mit Allwetterreifen kein Reifenwechsel zum Saisonwechsel nötig ist: Machen Sie einen Termin zur Reifensichtung, um Schäden, ungleichmäßig abgefahrene Profile und den Luftdruck zu prüfen. Sicherheit geht vor.

 

Termine zum Reifenwechsel im Blick behalten

Sie wissen nicht, wie Sie all diese Termine in der Werkstatt einhalten sollen? Greifen Sie am besten auf ein System zur Fahrzeugverwaltung zurück. Ein solches System erinnert die Fahrer z. B. an Termine für den Reifenwechsel oder zur Reifensichtung, wenn Sie diese vorher dort einmalig angelegt haben. Sie können sogar Aufgaben erstellen, sodass die Fahrer ihre Rechnung vom Reifenwechsel hochladen können. Diese Dokumente werden dann direkt zum Fahrzeug gespeichert. Mit einer Fahrzeugverwaltung wie der von LapID haben Sie alle Termine im Blick und sind rechtlich auf der sicheren Seite.