Inhaltsverzeichnis:
- Was spricht gegen die Anschaffung, was dafür?
- Wann lohnt sich der Umstieg auf E-Autos im Fuhrpark?
- Welchen Einfluss haben Ladeleistung, Ladezeit und Reichweite?
- Fazit
Was spricht gegen die Anschaffung, was dafür?
Laut den Daten des KfW-Klimabarometers hatte im Jahr 2023 bereits jedes dritte Unternehmen einen elektrisch aufladbaren Pkw. Darin einberechnet sind sowohl rein elektrische Fahrzeuge als auch Plug-in-Hybride. Im vorherigen Jahr besaß nur jedes vierte Unternehmen mindestens ein E-Fahrzeug. Doch noch immer stehen Fuhrparkmanager bei der Anschaffung von E-Fahrzeugen vor einigen Herausforderungen.
Nachteile
- Anschaffungskosten: Die Neuwagenpreise für E-Fahrzeuge sind in der letzten Zeit zwar gefallen. Dennoch sind E-Fahrzeuge aktuell in der Anschaffung noch teurer als Verbrenner.
- Reichweite: Die Reichweite von E-Autos ist in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Laut ADAC Ecotest lag die Reichweite der getesteten Autos im Jahr 2024 durchschnittlich bei 425 km, während sie 2014 noch 151 km betrug. Trotzdem ist die modellspezifische begrenzte Reichweite der E-Fahrzeuge im Vergleich zu kraftstoffbetriebenen Autos sicherlich besonders für Außendienstmitarbeiter ein ausschlaggebender Punkt, weswegen viele Fuhrparkleiter noch nicht auf E-Autos setzen.
- Ladeinfrastruktur: Hinzu kommt die noch nicht vollständig flächendeckend ausgebaute Ladesäuleninfrastruktur in Deutschland, um die Fahrzeuge mit neuer Energie zu versorgen.
- Ladezeit: Die Dauer des Aufladeprozesses muss für eine optimale Auslastung der Fahrzeuge in einem Fuhrpark mit einkalkuliert werden. Man kann keinen durchschnittlichen und modellübergreifenden Zeitraum für die Ladedauer angeben, da diese von diversen Faktoren abhängig ist. Unter anderem zählen die Ladeleistung der Ladestation oder Steckdose, die Kapazität der Batterie und die Ladetechnik des Fahrzeugs dazu. Logischerweise kann das Fahrzeug während des Ladevorgangs nicht genutzt werden, wodurch die Fahrzeugauslastung verringert wird. Trotz Schnelladestationen geht das Auftanken mit fossilen Brennstoffen noch immer wesentlich schneller und entsprechend können die damit betriebenen Fahrzeuge höher ausgelastet werden.
- Anschaffungskosten für Ladesäulen: Sollten noch keine Ladesäulen auf dem Betriebsgelände oder in der Nähe installiert sein, kommen die Anschaffungskosten für diese zu den Kosten der E-Fahrzeuge hinzu. Zudem müssen die Säulen regelmäßig gewartet werden. Ist das Gelingen der betriebswirtschaftlichen Integration nicht absehbar, schmälert dies die Wahrscheinlichkeit der Umsetzung des Projekts „E-Mobilität“ verständlicherweise.
- Witterung: Was Fuhrparkverantwortliche ebenfalls bedenken sollten, ist, dass die Witterung Auswirkung auf die Technologie hat. Beispielsweise nimmt die Ladezeit bei niedrigen Temperaturen im Winter zu. Optimal sind Temperaturen zwischen 15 und 25 Grad Celsius. Eine Übersicht der Ladedauer je Ladestation finden Sie bspw. hier.
Vorteile
- Nachhaltigkeit: Batteriebetriebene Fahrzeuge sind aufgrund keiner unmittelbaren und gesundheitsschädlichen Emissionen nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch, da hier regenerative Energiequellen genutzt werden können, ressourcenschonender.
- Geringere Wartungskosten: E-Autos sind einfacher zu handhaben, da sie keine Gangschaltung und Kupplung haben. Aufgrund der Tatsache, dass die Konstruktion von Elektromotoren mit vergleichsweise weniger Bauteilen als Verbrennungsmotoren auskommt, sind die elektronisch angetriebenen Vehikel weniger wartungsintensiv. Das spricht für die Rentabilität im Firmenfuhrpark bzw. das Gelingen der betriebswirtschaftlichen Integration.
- Techologischer Fortschritt: E-Fahrzeuge bieten oft moderne Features und Technologien, die das Fahrerlebnis verbessern und die Sicherheit der Mitarbeiter erhöhen. Durch hochentwickelte Telematik-Systeme erhält das Fuhrparkmanagement außerdem einen besseren Überblick über die Nutzung der Fahrzeuge.
- Förderungen: Auch wenn die staatliche Förderungen von E-Fahrzeugen Ende 2023 weggefallen ist, kann durch Herstellerrabatte, die THG-Quote, Steuervorteile und regionale Förderungen bei der Anschaffung von E-Autos weiterhin gespart werden.
- Innerstädtische Schadstoffgrenzen: Ebenfalls zu beachten sind die seit einigen Jahren von der EU durchgesetzten Vorgaben für die innerstädtischen Schadstoffgrenzen. Vor allem Dieselfahrzeuge und Benziner sind betroffen – mit einem E-Auto ist man hingegen heute und in Zukunft auf der sicheren Seite. Müssen Außendienstmitarbeiter also für einen Auftrag in eine Stadt fahren, brauchen sie sich keine Gedanken über drohende Fahrverbote bezüglich der Schadstoffgrenzwerte machen.
- Image: Nicht nur vielen Privatpersonen ist ihr ökologischer Fußabdruck wichtig, sondern auch Unternehmen. Konsumenten achten vermehrt darauf, wie umweltfreundlich ein Unternehmen/ Dienstleister agiert. Wer also auf E-Mobilität setzt, optimiert sein Image und engagiert sich für die Umwelt.
Wann lohnt sich der Umstieg auf E-Autos im Fuhrpark?
E-Autos stehen zwar hoch im Kurs, doch das bedeutet nicht, dass es für jeden Fuhrpark das Mittel der Wahl ist und der Fuhrpark sofort auf Elektromobilität umgestellt werden muss. Für manche Branchen wie z.B. den Schwerlastverkehr wird Elektromobilität vermutlich nie die beste Option sein. Wichtig ist vor allem die Anschaffung sorgfältig abzuwägen und zu planen. Dazu gehört:
- Prüfen Sie vorab, ob die aktuell auf dem Markt zur Verfügung stehenden E-Autos bzgl. der Zuladung, Reichweite und Ladezeiten eine umsetzbare Alternative zu Ihren bestehenden Verbrenner-Autos darstellen.
- Bringen Sie in Erfahrung, ob am Firmenstandort sowie am Wohnort der Mitarbeiter eine Ladeinfrastruktur vorherrscht oder in ausreichendem Maß zur Verfügung gestellt werden kann. Kalkulieren Sie zusätzliche Kosten für eventuell erforderliche Ladesäulen am Firmenstandort und am Wohnort der Mitarbeiter in Ihre Überlegungen mit ein.
- Schauen Sie nach, ob genügend Schnelladepunkte an den häufig genutzten Fahrrouten vorhanden sind.
- Klären Sie, ob bei Ihren Mitarbeiten eine Akzeptanz für E-Autos vorliegt. Versuchen Sie mit Vorurteilen und falschen Annahmen aufzuräumen.
- Rechnen Sie bei einem Kostenvergleich immer mit der konservativen Variante ohne Fördermittel.
- Fragen Sie bei den Händlern nach, ob diese eine Garantie für Ihre Preise übernehmen..
- Sprechen Sie mit den Händlern ab, mit welchen Lieferzeiten für die E-Fahrzeuge zu rechnen ist und wie lange die Installation der Ladesäulen dauert.
Welchen Einfluss haben Ladeleistung, Ladezeit und Reichweite
Ladeleistung des E-Autos berechnen
Wie lang ein Elektroauto laden muss, ist abhängig von der Ladeleistung. Diese wiederum hängt von der Anzahl der Phasen, der Spannung und der Stromstärke der Ladestation sowie des im Elektroauto eingebauten Ladegerätes ab. Die maximale Leistung wird von der schwächsten Komponente begrenzt (Wallbox, Ladekabel oder Bordladegerät des Autos).
Wenn diese Werte bekannt sind, kann die Ladeleistung wie folgt berechnet werden:
Formeln zur Berechnung der Ladeleistung:
- Einphasiges Laden (Steckdose oder Wallboxen):
Formel: P = 230 V * I (Ampere)
Beispiel (230 V, 16 A): 230 * 16 =3.680 Watt --> ca. 3,7 kW
- Dreiphasiges Laden (über Drehstrom/Starkstrom mit CEE-Steckdose und kompatibler Wallbox):
Formel: P = √3 * 400 V * I (Ampere)
Beispiel (400 V, 16 A): 1,73 * 400 * 16 =11.072--> ca. 11 kW
Beispiel (400 V, 32 A): 1,73 * 400 * 32 =22.144--> ca. 22 kW
Ladezeit des E-Autos berechnen
Die Ladezeit des Elektroautos ergibt sich aus der Batteriekapazität geteilt durch die Ladeleistung. Letztere ist während der Aufladung jedoch nicht immer konstant. Das hängt von dem Zustand der Batterie und ihrer maximalen Leistung ab. Aus diesem Grund muss bei der Berechnung ein Multiplikator von 1 bis 1,2 hinzugenommen werden.
- Faustformel: Batteriekapazität (kWh) / Ladeleistung (kW) = Ladezeit (Stunden)
Beispiel (58 kWh Batterie an 11 kW Wallbox): 58 kWh / 11 kW = 5,3 Stunden (Realistisch: ca. 6 Stunden bis 100 Prozent).
Reichweite und Einflussfaktoren
Die Reichweite eines Elektroautos hängt immer von mehreren Faktoren ab. Dazu gehört bspw. die Fahrweise oder die Nutzung von elektrischen Funktionen während der Fahrt, wie die Klimaanlage oder die Heizung. Allgemein lässt sich die Reichweite jedoch mit folgender Formel ermitteln:
Reichweite = (Batteriekapazität/ Energieverbrauch (pro 100 km)) * 100
Fazit
Elektroautos sind auf dem Weg sich auch in Fuhrparks als Standard durchzusetzen. Stehen sich derzeit noch ebenso viele Vor- wie Nachteile gegenüber, ist die langfristige (Weiter-) Entwicklung jedoch nicht außer Acht zu lassen, wenn man eine Prognose für den Einsatz von E-Autos im Fuhrpark stellt. Nachteile wie geringe Reichweiten und lange Ladezeiten werden in Zukunft kaum noch eine Rolle spielen, da die Technik hier bereits in den letzten Jahren große Fortschritte erzielt hat. Ab dem Jahr 2035 dürfen eu-weit ohnehin nur noch Neuwagen ohne CO2 Emissionen zugelassen werden. Alternative Antriebe wie Wasserstoff und E-Fuel werden nach aktuellem Stand langfristig eher für Nischen (z.B. Motorsport, Schiffahrt) eingesetzt werden. Die Kostenfrage wird in jedem Fall weiterhin ein wichtiges Entscheidungskriterium sein. Es bleibt spannend.
Schreiben Sie den ersten
Kommentar!