Inhaltsverzeichnis:
- Rechtliche Grundlagen: Wann ist eine Sehhilfe Pflicht?
- Relevanz für das Fuhrparkmanagement
- Der richtige Durchblick: Welche Brille eignet sich fürs Autofahren?
- Kostenübernahme: Wer zahlt die Brille?
Rechtliche Grundlagen: Wann ist eine Sehhilfe Pflicht?
Für die Teilnahme am Straßenverkehr ist es notwendig, ausreichend sehen zu können. Nicht umsonst wird bei der Führerscheinprüfung ein Sehtest vorausgesetzt. Die Pflicht zum Sehtest ergibt sich aus Paragraf 12 der Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV). Die genauen Anforderungen an das Sehvermögen werden in Anlage 6 zu den Paragrafen 12 und 48 geregelt. Im Rahmen des Sehtests wird festgestellt, ob die erforderliche Sehschärfe vorliegt oder ob diese nur mithilfe einer Korrektur, in Form einer Brille oder Kontaktlinsen, erreicht wird.
Hinweis: Auch für die Fahrerlaubnis zur Fahrgastbeförderung (§48 FeV) ist ein Sehtest nach Paragraf 12 FeV erforderlich.
Ab welcher Sehstärke braucht man eine Brille zum Autofahren?
Ausschlaggebend, ob man eine Brille beim Autofahren tragen muss, ist die Sehleistung (Visus), nicht die Sehstärke. Die Sehleistung, muss auf jedem Auge oder beidäugig mindestens 70 Prozent betragen. Wird dieser Wert ohne Korrektur nicht erreicht, ist eine Sehhilfe zwingend nötig. Unabhängig davon, ob die Sehstärke bei -0,5 oder -5,0 Dioptrien liegt.
Schon gewusst: Bei Dämmerung oder in der Nacht kann die Sehschärfe auch bei normalsichtigen Menschen um die Hälfe abnehmen.
Die Kennzeichnung im Führerschein
Um bei einem neuen Dienstwagenfahrer zu erkennen, ob eine Sehhilfe für die Nutzung des Dienstwagens erforderlich ist, reicht ein Blick auf die Rückseite des Führerscheins. Hier sind die Schlüsselzahlen eingetragen, die mögliche Beschränkungen oder Auflagen rund um die Fahrerlaubnis kennzeichnen.
Unterschieden wird zwischen den Schlüsselzahlen:
- 01: Korrektur des Sehvermögens und / oder Augenschutz
- 01.01.: Brille
- 01.02.: Kontaktlinsen
- 01.03.: Schutzbrille
- 01.06.: Brille oder Kontaktlinsen
Hinweis: Ist die Brille (01.01.) in den Führerschein eingetragen, muss diese zwingend für die Autofahrt genutzt werden. Kontaktlinsen (01.02.) hingegen dürfen dann nicht getragen werden. Ist lediglich die Schlüsselzahl 01. eingetragen, hat der Fahrer die freie Wahl der Sehhilfe. Die Sehhilfe kann außerdem aus dem Führerschein wieder ausgetragen werden, wenn diese z.B. durch eine Augenoperation nicht mehr erforderlich ist.
Fahren ohne Brille trotz eingetragener Sehhilfe im Führerschein
Fällt während einer Verkehrskontrolle auf, dass ein Fahrer ohne Sehhilfe gefahren ist, obwohl diese im Führerschein eingetragen ist, droht ein Bußgeld. Das Nicht-Tragen ist eine Ordnungswidrigkeit nach Paragraf 79 Nr. 9 FeV in Verbindung mit Paragraf 24 StVG.
Kommt es zu einem Unfall und wird grobe Fahrlässigkeit oder Vorsatz festgestellt, kann der Versicherungsschutz gefährdet sein. In diesen Fällen handelt es sich um eine Straftat, die mit Geld- und Freiheitsstrafen geahndet werden kann. Für Fuhrparkverantwortliche kann dies auch ein Fall der Halterhaftung sein. Insbesondere , wenn bekannt ist, dass der Fahrer aufgrund der fehlenden Sehhilfe fahruntüchtig ist und trotzdem mit dem Dienstwagen unterwegs war.
Da eine Brille auch schon mal kaputtgehen kann, lohnt es sich, eine Ersatzbrille im Handschuhfach zu deponieren.
Fahren mit Brille ohne eingetragene Sehhilfe im Führerschein
Entwickeln sich Fehlsichtigkeiten erst nach dem man den Führerschein bekommen hat, müssen diese nicht in den Führerschein eingetragen bzw. nachgetragen werden. Tragen muss man die Brille dennoch beim Autofahren, um mögliche Kosenquenzen im Falle eines Unfalls zu vermeiden.
Relevanz für das Fuhrparkmanagement
Im Fuhrparkkontext handelt es sich bei einer Sehhilfe nicht um eine Privatangelegenheit des Fahrers. Ob eine Sehhilfe erforderlich ist, ist entscheidend für die Sicherheit im betrieblichen Mobilitätsmanagement.
Was muss im Fuhrpark beachtet werden, wenn ein Fahrer im Führerschein die Sehhilfe eingetragen hat?
Ist die Sehhilfe im Führerschein eingetragen, muss besonders im Bereich der Führerscheinkontrolle genauer hingeschaut werden. Bei der ersten Kontrolle sollte ein Blick auf die Schlüsselzahlen geworfen werden, um eventuelle Auflagen zu erkennen. Ist dort die 01.01. eingetragen? Dann sollte der Fahrer darauf hingewiesen werden, dass das Fahren des Dienstwagens nur mit Brille zulässig ist.
Um die Rechtssicherheit für den Halter zu erhöhen, empfiehlt es sich, die Einhaltung von Führerscheinauflagen explizit im Dienstwagenüberlassungsvertrag oder in der Car Policy zu verankern.
Das Thema Fahrtüchtigkeit sollte außerdem Bestandteil der jährlich durchzuführenden Fahrerunterweisung nach UVV sein. Neben dem Hinweis auf die Nutzung einer Brille, falls erforderlich, können hier auch weitere Themen behandelt werden, die die Fahrtüchtigkeit beeinflussen können.
Vorsorgemaßnahmen
Die Sehkraft kann im Laufe des Lebens abnehmen. Daher kann es dazu kommen, dass auch ohne Eintrag im Führerschein später eine Brille benötigt wird. Ein Element, um die Sehkraft im Laufe des Arbeitslebens erneut zu überprüfen, ist die Eignungsuntersuchung für Fahr-, Steuer- und Überwachungstätigkeiten. Im Rahmen dieser Untersuchung wird ebenfalls ein Sehtest durchgeführt. Da sich die Sehkraft auch schleichend verschlechtern kann, ist die Vorsorgeuntersuchung ein wichtiges Mittel zur Unfallprävention.
Hinweis: Wie oft muss die Sehkraft überprüft werden?
Es gibt keine Vorschriften dazu, dass die Sehkraft wiederholt überprüft werden muss. Anzeichen für eine sich verändernde Sehkraft können allerdings trockene Augen, häufige Kopfschmerzen, Schwierigkeiten beim Lesen, kurzzeitig verschwommene Bilder oder Sehschwierigkeiten bei Dunkelheit sein. Treffen mehrere dieser Punkte zu, sollten Fahrer einen Sehtest absolvieren.
Der richtige Durchblick: Welche Brille eignet sich fürs Autofahren?
Auch wenn der Fahrer eine Brille besitzt und diese für die Fahrten mit dem Dienstwagen nutzt, heißt es noch lange nicht, dass jede Brille auch für den Einsatz im Straßenverkehr optimal geeignet ist. Insbesondere bei schwierigen Lichtverhältnissen oder langen Autofahrten können die gewählten Gläser die Reaktionszeit und Ermüdung beeinflussen.
Einstärken- oder Gleitsichtbrille für den Straßenverkehr?
Die Einstärkenbrille ist dann erforderlich, wenn Kurz- oder Weitsichtigkeit vorliegt. Die Gläser werden dafür in der passenden Stärke geschliffen und Gleichen die Sehstärke aus. Gleitsichtbrillen decken gleichzeitig verschiedene Sehbereiche ab und können auch problemlos beim Autofahren genutzt werden. Achten Sie hier allerdings bei Blicken zur Seite darauf, den Kopf mitzubewegen, damit Unschärfen in der Peripherie ausgeschlossen werden.
Welche Brille eignet sich für das Fahren bei Nacht?
Eine spezielle Brille für Nachtfahrten gibt es nicht. Dennoch sind Fahrten bei Nacht für Autofahrer eine besondere Herausforderung. Die Pupillen weiten sich und die Tiefenschärfe nimmt ab. Die Blendung durch entgegenkommende Fahrzeuge nimmt hingegen zu. Spezielle Brillengläser können die Sehleistung durch verschiedene Eigenschaften verbessern und Nachtfahrten sicherer machen:
- Entspiegelung: Die Superentspiegelung der Gläser reduziert Lichtreflexe und sorgt für eine bessere Sicht.
- Kontraststeigernde Tönung: Tönungen in Gelb oder Orange können subjektiv das Kontrastsehen verbessern.
- Korrektur der Nachtmyopie: Manche Menschen leiden bei Dunkelheit unter einer leichten Kurzsichtigkeit. Eine spezielle Brille für diesen Fall kann die verminderte Sehkraft ausgleichen.
Sind Brillen mit Blaulichtfilter für den Straßenverkehr sinnvoll?
Brillen mit Blaulichtfilter sind überwiegend an Bildschirmarbeitsplätzen zu finden, da sie den Anteil des blauen Lichts vom Monitor reduzieren. Im Straßenverkehr hingegen sind sie nur bedingt sinnvoll. Blaulichtbrillen filtern zwar das Licht moderner Xenon- oder LED-Scheinwerfer, gleichzeitig reduzieren sie aber auch die gesamte Lichtmenge, die ins Auge fällt.
Kostenübernahme: Wer zahlt die Brille?
Ist die Sehhilfe für die Nutzung des Dienstwagens erforderlich, stellt sich schnell die Frage der Kostenübernahme. Hier muss ganz klar differenziert werden:
- Brille für den Bildschirmarbeitsplatz: Kosten für diese Sehhilfen müssen vom Arbeitgeber übernommen werden, wenn sie für die Arbeit am Monitor erforderlich ist. Diese Brillen sind jedoch für den Straßenverkehr ungeeignet, da die Fokusdistanz hier meist bei 60-80cm liegt.
- Brille zum Autofahren: Grundsätzlich gilt, dass die Brille zum Autofahren als Hilfsmittel für die private Lebensführung zu sehen ist. Dadurch besteht keine gesetzliche Verpflichtung, die Kosten für eine Brille zu übernehmen, selbst wenn diese für den Dienstwagen erforderlich ist.
Eine Ausnahme kann es bei Berufskraftfahrern geben und zwar dann, wenn sie die Brille ausschließlich für die berufliche Tätigkeit brauchen.
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