Leitpfosten: Bedeutung, Abstand, Farben einfach erklärt

Leitpfosten markieren den Fahrbahnrand und liefern weitere Hinweise für Ihre Fahrt. Farben und Abstände helfen, Sichtweite, Sicherheitsabstände und Fahrtrichtungen einzuschätzen. Der Beitrag erklärt ihre Funktionen, zeigt die Folgen von Beschädigungen und ordnet ihre Bedeutung für die regelmäßige Fahrerunterweisung nach UVV ein. 
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Leitpfosten: Bedeutung, Abstand, Farben einfach erklärt © Monsterkoi - pixabay.com

Inhaltsverzeichnis:

  • Was sind Leitpfosten?
  • Wo stehen Leitpfosten?
  • In welchen Abständen stehen Leitpfosten?
  • Welche Bedeutung haben Leitpfosten bei schlechter Sicht?
  • Welche Funktionen haben Leitpfosten noch?
  • Unterschiede zwischen verschiedenen Leitpfosten und ihre Bedeutung
  • Was passiert, wenn man einen Leitpfosten überfährt?
  • Leitpfosten und Fahrerunterweisung nach UVV

Auf einen Blick

  • Leitpfosten sind Verkehrseinrichtungen und werden als Zeichen 620 geführt. Auf geraden Strecken stehen sie in der Regel 50 Meter auseinander, in Kurven enger.

  • Der 50-Meter-Abstand ist eine praktische Messhilfe: Wer nur bis zum nächsten Pfosten sieht, hat rund 50 Meter Sichtweite. Ab dieser Marke gilt Tempo 50, auch auf der Autobahn.

  • Farben und Symbole auf den Leitpfosten tragen Zusatzinformationen. Blaue und rote Reflektoren sollen Wild von der Fahrbahn abhalten, orange Reflektoren markieren Einmündungen, ein Pfeil zeigt die Richtung zur nächsten Notrufsäule.

  • Ein umgefahrener Leitpfosten ist ein Verkehrsunfall mit Fremdschaden. Wer ohne Meldung weiterfährt, macht sich der Fahrerflucht strafbar.

Was sind Leitpfosten?

Leitpfosten sind weiße Kunststoffpfosten am Straßenrand, die den Verlauf der Fahrbahn markieren. Rechtlich zählen sie zu den Verkehrseinrichtungen. Sie sind in Anlage 4 zu Paragraf 43 Absatz 3 der Straßenverkehrs-Ordnung als Zeichen 620 aufgeführt. Anders als etwa ein Vorfahrtszeichen enthalten sie keine Anordnung. Leitpfosten informieren, sie schreiben kein Verhalten vor.

Im Sprachgebrauch tauchen sie auch als Leitpflock, Begrenzungspfahl, Begrenzungspfeiler oder Straßenbegrenzungspfeiler auf. Gemeint ist immer dasselbe Zeichen 620.

Wo stehen Leitpfosten?

Leitpfosten dienen, wie der Name schon sagt, als Orientierungshilfen auf Autobahnen und Landstraßen, um besonders bei schlechten Sichtverhältnissen wie Nebel, Regen, Schnee und Dunkelheit, aber auch bei engen Kurven, den Straßenverlauf und die seitliche Begrenzung besser sehen zu können.

Sie stehen am rechten und am linken Fahrbahnrand. Auf mehrspurigen Fahrbahnen sind sie nur am rechten Fahrbahnrand platziert. Es gibt Leitpfosten sowohl in langer Ausführung, die in der Erde verankert sind, als auch als Aufsatz für Leitplanken.

An der Bauform lässt sich die Fahrbahnseite ablesen.

  • Ein weißer Balken bedeutet: Der Pfosten steht rechts der Fahrbahn.
  • Zwei weiße Punkte bedeuten: Er steht links.

Beide Kennzeichnungen sind reflektierend und jeweils auf Vorder- und Rückseite angebracht, sodass sie in beiden Fahrtrichtungen wirken. Die obere Kante ist zur Fahrbahn hin abgeschrägt, damit auftreffendes Scheinwerferlicht zum Fahrer zurückgeworfen wird.

Ein Leitpfosten besitzt immer beide reflektierenden Kennzeichnungen, jeweils eine auf der Vorder- und eine auf der Rückseite. Die obere Kante ist in Richtung Fahrbahn abgeschrägt.

Es gibt zwei Ausführungen von Leitpfosten: lange Pfosten, die im Boden verankert sind, und kurze Aufsätze für Schutzplanken.

In welchen Abständen stehen Leitpfosten?

Der Abstand der Leitpfosten ist in der StVO fest definiert und beträgt 50 Meter zwischen den einzelnen Pfosten. In Kurven stehen sie meist enger aneinander:

„Um den Verlauf der Straße kenntlich zu machen, können an den Straßenseiten Leitpfosten in der Regel im Abstand von 50m und in Kurven verdichtet stehen.“ (Anlage 4 zu §43 Abs. 3 Abschnitt 3 (11) StVO) 

Der genaue Abstand zwischen den Leitpfosten in Kurven hängt von der Krümmung der Fahrbahn ab. Dies ist auch ein Hinweis für die Anpassung der Fahrweise. Je näher die Leitpfosten in einer Kurve beieinanderstehen, desto steiler ist die Kurve und desto mehr sollte die Geschwindigkeit gedrosselt werden. 

Welche Bedeutung haben Leitpfostenbei schlechter Sicht?

Leitpfosten sagen nichts über ein Tempolimit aus. Sie helfen aber dabei, die Sichtweite zu schätzen. Bei schlechtem Wetter bestimmt die Sichtweite, wie schnell Sie fahren dürfen. Wer bei Nebel nur noch bis zum nächsten Leitpfosten sieht, hat rund 50 Meter Sicht. Ab dieser Marke gilt Tempo 50, auch auf der Autobahn.

„Beträgt die Sichtweite durch Nebel, Schneefall oder Regen weniger als 50 m, darf nicht schneller als 50 km/h gefahren werden, wenn nicht eine geringere Geschwindigkeit geboten ist." (Paragraf 3 Abs. 1 StVO )

Sichtbarkeit

Sichtweite

Zulässige Geschwindigkeit

Nebelschlussleuchte

Mehrere Leitpfosten voraus erkennbar

über 50 Meter

nach Beschilderung und Sichtfahrgebot

nicht erlaubt

Genau ein Leitpfosten voraus erkennbar

rund 50 Meter

maximal 50 km/h

erlaubt, wenn Nebel die Ursache ist

Kein Leitpfosten voraus erkennbar

unter 50 Meter

deutlich unter 50 km/h, so langsam, dass Sie innerhalb der einsehbaren Strecke anhalten können

erlaubt, wenn Nebel die Ursache ist

Die Nebelschlussleuchte darf erst angeschaltet werden, wenn die Sicht bei Nebel (§ 17 Abs. 3 StVO) unter 50 m liegt. Bei starkem Regen oder Schneefall ohne Nebel ist der Einsatz eine Ordnungswidrigkeit, selbst wenn die Sicht tatsächlich schlechter ist. 

Welche Funktionen haben Leitpfosten noch?

Orientierung für den Sicherheitsabstand

Leitpfosten können auch genutzt werden, um den richtigen Mindestabstand zu dem vorausfahrenden Fahrzeug zu ermitteln. Gemeinhin gilt die Formel: Abstand gleich halber Tacho. Bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h entspricht das 50 Metern, also genau der Entfernung zwischen zwei Leitpfosten.

Paragraf 4 Abs. 1 StVO verlangt einen so großen Abstand, dass auch bei plötzlichem Bremsen des Vorausfahrenden hinter ihm gehalten werden kann.

Orientierung bei der Standortermittlung

Manchmal enthalten Leitpfosten auch eine Kilometerzahl, eine Straßennummer sowie eine Abschnittsnummer der Kilometrierung und dienen auf diese Weise als Kilometersteine oder Stationszeichen. Diese hatten vor allem früher, als es noch kein Internet gab, die Funktion, leichter die zurückgelegte Entfernung oder die Position zu bestimmen.

Im Falle eines Unfalls sind Kilometersteine und Stationszeichen aber immer noch sehr hilfreich, um dem Rettungs- und Pannendienst den genauen Standort mitteilen zu können.

 

Unterschiede zwischen Leitpfosten und ihre Bedeutung

  • Blaue, rote oder blau-weiße Reflektoren: Wenn die Reflektoren von Scheinwerfern angestrahlt werden, geben sie das Licht in den seitlichen Straßenraum weiter. Sie sollen Wildtiere davon abgehalten, sich der Fahrbahn zu nähern und Wildunfälle vermeiden. Für Menschen ist das reflektierte Licht unsichtbar, aber auch die Wirkung auf die Tiere ist nicht nachgewiesen.

  • Leitpfosten mit Pfeil: Diese sind meist auf Autobahnen zu finden und zeigen an, in welcher Richtung sich die nächste Notrufsäule befindet. Die Entfernung dorthin beträgt höchstens einen Kilometer. Manchmal ist auch ein Hörer-Symbol und ein SOS-Schriftzug auf dieser Art von Pfosten zu finden.

  • Orangene Reflektoren: Sie signalisieren, dass sich eine Ausfahrt oder Einmündung am rechten Fahrbahnrand befindet. Es steht immer vor und nach der Einmündung ein Leitpfosten mit orangenen Reflektoren, sodass man schon von weitem abschätzen kann, wo sie sich befindet.

  • Schneezeichen: In Gebieten mit sehr hohem Schneefall, findet man neben dem Leitpfosten manchmal einen langen Stab. Dieser dient als Verlängerung des Leitpfostens, da diese vom Schnee verdeckt werden können.

Leitpfosten_Bedeutung_Unterschiede

Was passiert, wenn man einen Leitpfosten überfahrt?

Ein umgefahrener Leitpfosten ist ein Verkehrsunfall mit Fremdschaden, auch wenn nur ein Stück Kunststoff am Boden liegt. Der Pfosten gehört dem Straßenbaulastträger, also Bund, Land, Kreis oder Gemeinde. Demnach muss der Unfall der Polizei gemeldet die Unfallstelle absichert werden, damit sie für andere Verkehrsteilnehmer gut sichtbar ist. Wer einfach weiter fährt, macht sich nach Paragraf 142 StGB der Fahrerflucht strafbar. Dies kann eine Geld- und/oder Freiheitsstrafe von bis zu 3 Jahren nach sich ziehen.

Haftung

Zivilrechtlich haftet der Halter, im Fuhrpark also das Unternehmen. Der Sachschaden am Pfosten wird über die Kfz-Haftpflichtversicherung des Dienstwagens abgewickelt. Ob und in welcher Höhe der Fahrer intern beteiligt wird, richtet sich nach der Dienstwagenvereinbarung und den Grundsätzen der Arbeitnehmerhaftung.


Leitpfosten und Fahrerunterweisung nach UVV

Für Fuhrparkverantwortliche hat der Leitpfosten auch eine Bedeutung für die Fahrerunterweisung nach UVV.

Einen festen Themenkatalog gibt der Gesetzgeber für die Unterweisung nicht vor, es gibt aber eine rechtliche Basis für die Fahrerunterweisung nach UVV an der sich Arbeitgeber bei der Umsetzung orientieren müssen. Welche Anforderungen an die Fahrerunterweisung und deren Inhalte gestellt werden, leitet der Arbeitgeber aus der individuellen Gefährdungsbeurteilung ab. Genau hier wird das Thema konkret: Ein Außendienst-Mitarbeiter, der ganzjährig auf Landstraßen unterwegs ist, hat ein anderes Gefährdungsprofil als eine Flotte im Stadtverkehr.

Relevante Unterweisungsinhalte können dann sein:

  • Sicherheitsabstand einhalten: Halber-Tacho-Regel
  • Geschwindigkeit an die Sichtweite anpassen. Die 50-Meter-Regel nach Paragraf 3 Abs. 1 StVO und der Leitpfostenabstand als praktische Messhilfe.
  • Beleuchtung richtig einsetzen. Wann die Nebelschlussleuchte erlaubt ist und wann nicht.
  • Verhalten nach einem Sachschaden am Straßeneigentum. Was zu tun ist, wenn niemand am Unfallort ist, der Feststellungen treffen kann.

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