Arbeitsunfall: Definition und Meldepflicht für Unternehmen

Nach Angaben der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) wurden im Jahr 2021 über 800.000 Arbeitsunfälle gemeldet. Davon waren 510 Arbeitsunfälle tödliche Unfälle, bei denen eine Unfallanzeige bei der DGUV zwingend erforderlich war. Wie Sie sich bei einem Arbeitsunfall richtig verhalten und wie der Meldeprozess im Rahmen einer Unfallanzeige aussieht, betrachten wir in diesem Beitrag. Außerdem geben wir einen Überblick darüber, wie Arbeitsunfälle im Unternehmen vermieden werden können.

Durch die gesetzliche Unfallversicherung sind Arbeitgeber dazu verpflichtet, Maßnahmen zu ergreifen, um Unfälle im Unternehmen zu vermeiden und die Sicherheit der Mitarbeiter zu gewährleisten. Kommt es doch zu einem Schadenfall, spricht man in der Regel von einem Arbeitsunfall.

Auf einen Blick:
  • Besteht eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als drei Tagen, gibt es eine Anzeigepflicht für Arbeits- und Wegeunfälle.
  • Generell muss die Unfallmeldung innerhalb von drei Tagen nach dem Unfall erfolgen. Tödliche Unfälle oder Unfälle mit mehreren Beteiligten sind hingegen umgehend zu melden.
  • Die Unfallanzeige wird an folgende Anspruchsgruppen verteilt: Unfallversicherungsträger, Arbeitsschutz der zuständigen Landesbehörde, falls vorhanden Betriebsrat, Fachkraft für Arbeitssicherheit, Arbeitnehmer.

Definition: Was ist ein Arbeitsunfall?

Ein Unfall ist grundsätzlich ein zeitlich begrenztes Ereignis, das durch Einwirkung von außen zu einem Gesundheitsschaden bei einer Person führt. Nach DGUV kann ein Arbeitsunfall wie folgt definiert werden:

Arbeitsunfälle sind die Unfälle, die versicherte Personen infolge der versicherten Tätigkeit erleiden. Und die gesetzliche Unfallversicherung bietet Schutz bei der Ausübung dieser Tätigkeiten.“ (Quelle: DGUV Arbeitsunfälle)

Als Arbeitsunfall werden allerdings nicht nur Unfälle bezeichnet, die sich im Betrieb während der Arbeitszeit ereignen. Neben Arbeitnehmern sind auch weitere Personengruppen durch die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung abgedeckt. Versichert sind daher auch:

  • Unfälle von Kleinkindern und Schülern im Rahmen des Kita- und Schulbesuchs oder Schulsports
  • Unfälle im Rahmen einer ehrenamtlichen Tätigkeit
  • Unfälle im Rahmen der Pflege von nahen Familienangehörigen im eigenen Haus
  • Unfälle im Rahmen von Erste-Hilfe-Leistungen bei einem Verkehrsunfall

Abzugrenzen vom Arbeitsunfall ist der Wegeunfall. Dieser ist zwar auch durch die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung abgedeckt, der Unfall ereignet sich aber nicht im Rahmen der versicherten Tätigkeit, sondern auf dem Weg dorthin. Weitere Informationen zum Wegeunfall in unserem Beitrag:

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung im Überblick

Einen Überblick über die Leistungen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung sowie das duale Arbeitsschutzsystem in Deutschland erhalten Sie in unseren dazu passenden Beiträgen:

Hinweis: Der Versicherungsschutz kann entfallen, wenn grob fahrlässig gehandelt wird oder es sich um Vorsatz seitens des Arbeitnehmers handelt und es dadurch zu einem Unfall gekommen ist. Liegt das Verschulden des Vorsatzes hingegen beim Arbeitgeber, kann es sogar zu Schadenersatzansprüchen des Mitarbeiters gegenüber dem Arbeitgeber kommen.

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Was muss bei einem Arbeitsunfall beachtet werden?

Ist es zu einem Arbeitsunfall gekommen, wird zunächst die Personalabteilung über den Unfall informiert. Diese meldet den Unfall anschließend der Unfallversicherung. Durch die Unfallversicherung wird im Anschluss geprüft, ob der Versicherungsschutz greift und welche weiteren Maßnahmen erforderlich sind.

Was ist aber konkret im Unternehmen zu tun, wenn es zu einem Arbeitsunfall gekommen ist? Der Vorgang ähnelt dem, wie es auch bei einem normalen Unfallvorgang, z. B. im Straßenverkehr zugeht, es gibt allerdings ein paar Besonderheiten.

Im ersten Schritt sollte in Abhängigkeit von der Schwere des Unfalls der Rettungsdienst verständigt und Erste Hilfe am Arbeitsplatz geleistet werden. Die Unfallstelle ist hierzu zu sichern, sodass keine Folgeunfälle passieren können.

Verletzungen und Unfälle sind im Verbandbuch zu dokumentieren. Das Verbandbuch dient als Nachweis über den Unfallvorgang und kann bei Folgeschäden herangezogen werden, um weitere Leistungen geltend zu machen.

Sollte der Arbeitsunfall nicht so schwerwiegend sein, dass die versicherte Person ins Krankenhaus eingeliefert werden muss, ist ein Durchgangsarzt, der auf Arbeitsunfälle spezialisiert ist, aufzusuchen. Bei der Auswahl und Suche eines Durchgangsarztes ist die Personalabteilung zur Unterstützung verpflichtet.

Bei einer längeren Arbeitsunfähigkeit (von mehr als drei Tagen) muss der Arbeitgeber den Unfall offiziell melden. Diese Pflicht zur Unfallanzeige ergibt sich aus den Regelungen des Siebten Buchs Sozialgesetzbuch (SGB). Hier heißt es in Paragraf 193 SGB VII Abs. 1:

(1) Die Unternehmer haben Unfälle von Versicherten in ihren Unternehmen dem Unfallversicherungsträger anzuzeigen, wenn Versicherte getötet oder so verletzt sind, daß [sic!] sie mehr als drei Tage arbeitsunfähig werden. § 193 Abs. 1 SGB VII

Hierzu ist das Formular der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (Beispiel der BGHW) auszufüllen oder der Antrag online einzureichen. Folgende Angaben sind im Formular erforderlich:

  • Angaben zum Unternehmen und zur versicherten Person
  • Angaben zur Krankenkasse und zum Anspruch auf Entgeltfortzahlung
  • Angaben zum Unfallgeschehen, wie Schwere des Unfalls, Unfallzeitpunkt sowie eine ausführliche Beschreibung des Unfalls
  • Art und Umfang der Verletzungen sowie zur Erstbehandlung

Je nachdem, in welchem Sektor das Unternehmen tätig ist, in dem sich der Arbeitsunfall ereignet hat, muss der Unfall auch an einer anderen Stelle gemeldet werden. Bei Unternehmen der Privatwirtschaft sind die gewerblichen Berufsgenossenschaften Ansprechpartner. Für Unternehmen aus dem Sektor Land- und Forstwirtschaft erfolgt die Meldung des Arbeitsunfalls bei den landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften. Für Schüler, Studenten oder Angestellte im öffentlichen Dienst ist der Unfallversicherungsträger der öffentlichen Hand der richtige Ansprechpartner.

Manch ein Arbeitnehmer denkt vielleicht, dass der Unfall im Rahmen der Arbeit nicht gemeldet werden muss, weil die Verletzungen nicht so groß sind. Treten im Nachhinein allerdings Spätfolgen auf, kann die fehlende Anzeige beim Arbeitgeber zu Schwierigkeiten führen. Die Anzeige des Unfalls beim Arbeitgeber dient auch dazu, dass der Unfallhergang dokumentiert und ggf. Beweise gesichert werden. Verletzungen, die nicht durch einen Durchgangsarzt untersucht und dokumentiert wurden, können so nur schwer nachvollzogen werden. Nicht gemeldete Arbeitsunfälle können dazu führen, dass Ansprüche entfallen und auch durch den Unfall ausgelöste Spätfolgen nicht abgedeckt sind.

Um dies zu vermeiden, sollte jeder Arbeitsunfall umgehend beim Arbeitgeber gemeldet werden.

Lohnfortzahlung bei einem Arbeitsunfall

Kommt es zu einem Arbeitsunfall, steht auch das Thema der Lohnfortzahlung im Raum. In den ersten sechs Wochen der Arbeitsunfähigkeit unterscheidet sich die Lohnfortzahlung nicht von der im Falle einer regulären Erkrankung. Fällt der Arbeitnehmer aufgrund des Arbeitsunfalls länger als sechs Wochen aus, erhält der geschädigte Arbeitnehmer ein Verletztengeld in Höhe von 80 Prozent des Regelentgelts durch den Versicherungsträger als Ersatzleistung.

Arbeitsunfälle im Unternehmen vermeiden

Um Unfälle im Unternehmen zu vermeiden, muss der Arbeitgeber im Rahmen seiner Pflichten Maßnahmen ergreifen, um die Sicherheit der Mitarbeiter zu gewährleisten. Für jeden Arbeitsbereich ist daher eine individuelle Gefährdungsbeurteilung durchzuführen, um Risiken für die Gesundheit der Mitarbeiter aufzudecken.

Mehr zur Gefährdungsbeurteilung:

Um die Mitarbeiter nun zu den identifizierten Risiken zu sensibilisieren, sind regelmäßige Unterweisungen sinnvoll und sogar im Rahmen des Arbeitsschutzes verpflichtend. Unterweisungen stellen sicher, dass Mitarbeiter sich den Gefahren bewusst werden und ein sicherheitsgerechtes Verhalten entwickeln. So kann die Anzahl der Unfälle erfolgreich reduziert und Sicherheitsrisiken für Mitarbeiter vermieden werden.

Mehr zum Thema Unterweisungen im Unternehmen und den Möglichkeiten, die LapID zur Unterstützung bietet, finden Sie in unseren nachfolgend verlinkten Beiträgen:

 

Unterweisungen im Unternehmen  Im Rahmen von Unfallverhütungs- und Arbeitssicherheitsmaßnahmen ist der  Arbeitgeber gesetzlich dazu verpflichtet, Mitarbeiter regelmäßig zu Sicherheit  und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz zu unterweisen. Dies umfasst  beispielsweise Unterweisungen wie Erste Hilfe, Brandschutz oder  Bildschirmarbeit. Unterweisungen müssen regelmäßig wiederholt und dokumentiert  werden.   Mit LapID können Sie Arbeitssicherheitsunterweisungen einfach via E-Learning  durchführen und so Ihre Mitarbeiter orts- und zeitunabhängig unterweisen.Mehr  Informationen zu Unterweisungen erhalten.


Stefanie Effer

Stefanie Effer


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