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Dienstwagenfinanzierung im Unternehmen
Ein eigener Fuhrpark ist für viele Unternehmen eine Notwendigkeit, um das operative Geschäft sicherzustellen. Unabhängig von der Unternehmensgröße stellt eine Firmenflotte stets eine große Investition dar, die nicht leichtfertig getätigt werden sollte.
Je nach Situation stehen bei der Finanzierung eines Fuhrparks unterschiedliche Möglichkeiten zur Wahl. Welche davon für Ihr Unternehmen infrage kommt, müssen Sie individuell bewerten. Während größere Konzerne oft die Vorteile verschiedener Leasing-Modelle nutzen, kann es für kleine und mittelständische Unternehmen vorteilhaft sein, Firmenfahrzeuge zu kaufen. Bei der Entscheidung spielen folgende Argumente eine zentrale Rolle:
- Liquidität des Unternehmens
- Bilanzierung
- Steuerliche Behandlung
Wie vielfälltig die Entscheidungen ausfallen, zeigt eine Umfrage des Arval mobility Observatory im Fuhrpark-Barometer von 2024. Europaweit und unabhängig von der Firmengröße bevorzugen insgesamt 51 Prozent ein Leasing mit Kaufoption bzw. ein Finanzierungsleasing. Dicht dahinter folgt der vollständige Kauf mit 42 Prozent, während nur 19 Prozent einen Autokredit für ihren Fuhrpark wählen würden.
Finanzierungsarten im Detail
Entscheidet sich ein Unternehmen dafür, Fahrzeuge direkt via Kreditfinanzierung zu kaufen, gibt es im Wesentlichen zwei Wege: den Bankenkredit und den Händlerkredit. Zusätzlich existiert mit der Vario-Finanzierung eine Mischform, die allerdings eher einem Leasing gleich kommt.
Der klassische Bankenkredit (Investitionskredit):
Hierbei handelt es sich um einen ungebundenen Ratenkredit bei der Hausbank eines Unternehmens. Die Höhe des Kredits ist individuell und kann einen Großteil der Kosten abdecken oder auch nur als kleinere Zuzahlung dienen.
Vorteile:
- Verhandlungsspielraum: Das Unternehmen tritt beim Händler als Barzahler auf, weshalb der Verkäufer oft mehr Spielraum bei Rabatten hat.
- Unabhängigkeit: Sie zahlen die Summe für das Fahrzeug komplett unabhängig vom Herstellervertrag, meistens in einer Anzahlung und einer weiteren Zahlung bei Abholung. Bei Problemen mit dem Kredit ist das Fahrzeug nicht direkt gefährdet, da es bereits bezahlt ist.
- Abschreibung: Das Fahrzeug geht sofort in das aktive Anlagevermögen über und kann über eine Nutzungsdauer von sechs Jahren abgeschrieben werden.
- Planbarkeit: Die Rückzahlung des Kredits erfolgt in festen monatlichen Raten an die Bank.
Nachteil:
- Kreditlinie: Durch den Kredit bei der Hausbank belasten Sie Ihre Kreditlinie. Sollte kurzfristig Liquidität für andere Investitionen benötigt werden, ist der Kreditrahmen hier ggf. ausgereizt.
- Konditionen: Oft gibt es längere Laufzeiten und im Vergleich zur Herstellerbank ggf. höhere Zinsen.
Der Autohauskredit (Herstellerbank):
Eine Alternative zum Kredit bei der Hausbank ist die Finanzierung über die Herstellerbank des Fahrzeugs. Diese kann voll oder auch nur zu Teilen in Anspruch genommen werden.
Vorteile:
- Alles aus einer Hand: Kauf und Finanzierung wickeln Sie direkt zusammen beim Händler ab; es ist keine dritte Partei notwendig.
- Konditionen: Das Unternehmen kann oft von speziellen Zinsaktionen (z. B. 0,9 Prozent-Finanzierung) profitieren.
- Schonung der Hausbank: Die Kreditlinie bei Ihrer Hausbank wird nicht belastet, weshalb diese Ressourcen weiterhin für das Kerngeschäft zur Verfügung stehen.
Nachteile:
- Geringerer Rabatt: Da Sie eine günstige Finanzierung in Anspruch nehmen, ist der Spielraum beim Kaufpreis des Fahrzeugs oft geringer.
- Fahrzeugbrief: Das Fahrzeug dient meist als Sicherheit, weshalb der Fahrzeugbrief bis zur Tilgung bei der Bank verbleibt. Kein sofortiges volles Eigentum.
- Risiko bei Widerruf: Die Rückzahlung ist direkt an den Kaufvertrag gebunden. Wird der Kredit widerrufen, löst sich oft auch der Kaufvertrag auf.
Die wichtigsten Aspekte auf einen Blick
| Finanzierung Hausbank-Kredit | Finanzierung mit Herstellerbank | |
| Eigentum | Fahrzeug gehört dem Unternehmen sofort | Besitz erst nach letzter Rate |
| Kaufpreis | Reduzierung möglich durch Barzahler-Rabatt | Rabatt unwahrscheinlich durch Finanzierungskosten |
| Angebote und Zinssätze | Oft höher / an Marktschwankungen gebunden | Günstig, möglich durch Aktionen im Autohaus |
| Abwicklung | Zwei Partner (Händler & Bank) | Ein Anbieter (Händler) |
| Zukunft & Planung | Pro: Abschreibung über 6 Jahre, sofortiges Eigentum. Contra: Kreditrahmen der Firma wird belastet. |
Pro: Kalkulierbar, günstige Zinsen. Contra: Hohe Raten, Fahrzeugbrief bei der Bank. |
Finanzierung vs. Leasing
Ob eine Finanzierung oder ein Leasing für den Fuhrpark sinnvoll ist, muss genau miteinander verglichen werden und kann, je nach Unternehmen variieren. Welche Kriterien dem Vergleich und der Fahrzeugbeschaffung zugrunde liegen, definiert i. d. R. die Car Policy (Budget, Modell, Ausstattung etc.).
Zusätzlich sollten jedoch folgene Merkmale genauer betrachtet werden:
- Eigentum: Möchten Sie das Fahrzeug behalten, nach 3 oder 4 Jahren austauschen oder wollen Sie flexibel sein?
- Liquidität: Soll diese geschont werden oder ist eine Voll- oder Teilbelastung möglich?
- Kosten: Recherchieren Sie die Kosten richtig. Eine einfache Leasingrate ist nicht mit einer Rate eines Kredits zu vergleichen (Leasingfaktor). Achten Sie außerdem auf Vergünstigungen z. B. bei der Abschreibung.
- Risiko: Welche Risiken gibt es aus Unternehmenssicht?
- Felxibilität: Gibt es Nutzungsbedingungen wie z. B. eine Kilometerbeschränkung?
Die wichtigsten Punkte im Vergleich:
| Merkmal | Finanzierung | Leasing |
| Eigentum | Das Fahrzeug gehört dem Unternehmen (geht in die Bilanz). | Das Fahrzeug bleibt Eigentum der Leasinggesellschaft (Nutzungsrecht). |
| Liquidität | Belastet die Kreditlinie; Eigenkapitalbindung möglich. | Schonung der Liquidität und Kreditlinie (Pay-as-you-earn). |
| Kosten | Zinsen und Abschreibung sind Betriebsausgaben. | Leasingraten sind (meist) voll als Betriebsausgaben abzugsfähig. |
| Risiko | Restwertrisiko liegt bei Ihnen. | Kein Restwertrisiko (bei Kilometer-Leasing). |
| Flexibilität | Hoch (Verkauf jederzeit möglich, keine Kilometer-Begrenzung). | Geringer (feste Laufzeit, ggf. Kilometer-Grenzen). Aber: alle 3 bis 4 Jahre ein neues Fahrzeug |
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