Sicherer durch den Straßenverkehr: Fahrerassistenzsysteme zur Unfallvermeidung

Laut einer aktuellen Pressemitteilung des statistischen Bundesamtes sind im Jahr 2017 im Durchschnitt ca. neun Menschen pro Tag im Straßenverkehr tödlich verunglückt. Das sind insgesamt 3180 Menschen im vergangenen Jahr. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl leicht gesunken und befindet sich nun auf dem niedrigsten Stand seit 60 Jahren. Diese sinkende Anzahl von tödlichen Verkehrsunfällen ist auch auf die immer besser werdenden Fahrzeug-Assistenzsysteme zurückzuführen, die Autofahrer bei der Fahrt unterstützen und somit dazu beitragen Unfälle zu vermeiden. Allerdings stehen diese auch in der Kritik, da sie entscheidend in die Führung des Fahrzeugs eingreifen können. Wir stellen die gängigsten Fahrerassistenzsysteme vor und erläutern, wie diese zur Unfallvermeidung beitragen können.

Inhalt:

Fahrerassistenzsysteme

Fahrerassistenzsysteme erhalten immer mehr Einzug in die Standardausstattung der Fahrzeuge. Ziel ist es, die Fahrzeuge sicherer zu machen und langfristig die Anzahl der Verkehrsunfälle zu reduzieren. Doch nicht alle Fahrassistenzsysteme sind für jedes Fahrzeug und jeden Fahrer von Relevanz. Nachfolgend erläutern wir die wichtigsten Systeme und deren Funktionen.

Fußgängernotbremsassistent und weitere Bremsassistenten

Der Notbremsassistent ist eines der wichtigsten und sinnvollsten Assistenzsysteme in einem Fahrzeug, darf allerdings nicht mit dem allgemeinen Bremsassistenten verwechselt werden. Notbremsassistenten messen mithilfe von Sensoren, wie die Abstände rund um das Fahrzeug sind. Entsteht eine kritische Situation, wird der Fahrer gewarnt und eine Notbremsung eingeleitet. Klassische Bremsassistenten hingegen verstärken lediglich die Wirkung der Bremse und greifen erst ein, wenn der Fahrer selbst die Bremse betätigt.

Notbremsassistenten tragen somit dazu bei, dass, beispielsweise bei geringem Tempo, Auffahrunfälle oder Kollisionen mit Radfahrern vermieden werden. Aber auch bei höheren Geschwindigkeiten kann der Assistent dabei helfen, Unfälle zu vermeiden.

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Die Kosten für die Einrichtung dieses Assistenten sind abhängig vom Hersteller, der Fahrzeugklasse sowie dem Alter unter der Baureihe. Bei einigen Herstellern und Ausstattungsserien zählt dieses System allerdings schon zur Grundausstattung.

Kommt es trotzdem zu einer Kollision mit einem anderen Verkehrsteilnehmer, verhindern Multikollisionsbremsen weitere Zusammenstöße. Das Fahrzeug bremst im Falle einer Kollision so, dass Zusammenstöße mit z.B. vorausfahrenden Fahrzeugen vermieden werden. Insbesondere im Stadtverkehr, wo es häufig zu Auffahrunfällen kommen kann, bietet dieser Assistent Schutz vor weiteren Schäden.

Adaptiver Tempomat (ACC), Geschwindigkeitsbegrenzer

Im Gegensatz zum klassischen Tempomaten, der ausschließlich die Geschwindigkeit des Fahrzeugs reguliert, berücksichtigen adaptive Tempomaten zusätzlich den Abstand zu vorausfahrenden Fahrzeugen und passen bei Bedarf automatisch die Geschwindigkeit an, um einen ausreichenden Sicherheitsabstand einzuhalten. Der größte Nutzenvorteil entsteht bei Fahrzeugen mit Automatikgetriebe, da hier im Notfall bis zum Stand automatisch heruntergebremst werden kann.

Enthalten ist dieser Assistent in einigen Ausstattungspakten der Automobilhersteller. Die Kosten hierfür richten sich nach dem jeweiligen Paket. Ideal ist der adaptive Tempomat insbesondere für Pendler, denn er bietet höheren Fahrkomfort und unterstützt zusätzlich bei Stop-and-Go-Fahrten im Stau. Klassische Tempomaten hingegen tragen dazu bei Geschwindigkeitsbegrenzungen einzuhalten. Hierdurch lassen sich Strafzettel vermeiden.

Verkehrszeichenerkennung

Ein besonders beliebter Assistent ist die Verkehrszeichenerkennung, denn diese kann Geld sparen. Bei schnell wechselnden Tempolimits oder auf Strecken, die man nicht regelmäßig fährt, ist die Gefahr hoch geblitzt zu werden. Verkehrszeichenassistenten warnen den Fahrer rechtzeitig vor Tempobeschränkungen - entweder, weil die vorhandenen Beschränkungen bereits in Navigationssystemen integriert sind oder, weil das Fahrzeug über eine Verkehrszeichenerkennung verfügt. Letztere funktioniert somit auch, wenn sich die Tempolimits oder Verkehrsbeschränkungen kurzzeitig geändert haben, was insbesondere bei plötzlich auftretenden Baustellen eine Hilfe ist.

Strafzettel sind nicht nur privat lästig und ärgerlich, sondern auch im Fuhrparkmanagement sorgen diese immer wieder für vermehrte Aufwände und Probleme. Fährt ein Fahrer wiederholt zu schnell, kann sogar ein Fahrverbot drohen.

Totwinkelassistent, Spurwechselassistent & Müdigkeitswarner

Insbesondere auf Autobahnen oder im Stadtverkehr kommt es häufig zu Situationen, in denen andere Verkehrsteilnehmer übersehen werden, da sie sich im toten Winkel des Fahrzeugs befinden. Zur Vermeidung dieser Situationen, die auch zu schweren Verkehrsunfällen führen können, bieten sich Totwinkelassistenten oder Spurwechselassistenten an. Diese überwachen mithilfe von Sensoren das Umfeld des Fahrzeugs und warnen den Fahrer durch visuelle und - im Ernstfall - haptische Signale vor einem Spurwechsel und der drohenden Gefahr.

Eine Nachrüstung des Assistenten ist in der Regel schwierig, da diese bei den meisten Herstellern mit weiteren Assistenten im Paket angeboten werden. Fährt man viel auf der Autobahn, ist jedoch zu überlegen bereits beim Kauf des Autos diesen Assistenten im Fahrzeug zu verbauen.

Ist man lange und viel mit dem Auto unterwegs, ist Müdigkeit ein weiterer Unsicherheitsfaktor. Neben dem Übersehen anderer Verkehrsteilnehmer können schon kleine Unachtsamkeiten, wie überraschende Lenkmanöver, zu Unfällen führen. Müdigkeitswarner registrieren Unsicherheiten während der Fahrt und warnen den Fahrer.

Spurhalteassistent

Der Spurhalteassistent ist insbesondere bei längeren Autofahrten hilfreich, verhindert er doch, dass man unbemerkt auf eine andere Spur wechselt und  andere Verkehrsteilnehmer behindert. Kommt man zu weit nach links oder rechts, kann es gefährlich werden. Zum einen reagieren Fahrer anderer Fahrzeuge auf das plötzlich auftauchende Fahrzeug, zum anderen kann man schnell auf den Seitenstreifen geraten und bei hohen Geschwindigkeiten die Kontrolle über das Fahrzeug verlieren. Je nach Assistent wird die Abweichung von der regulären Spur durch ein Vibrieren des Lenkrads signalisiert; andere Systeme lenken direkt automatisch gegen und korrigieren somit die Fahrtrichtung.

Fernlichtassistent, Kurvenlichtassistent und Nachtsichtassistent

Sind Autofahrer besonders häufig nachts oder während der Dämmerung unterwegs, ist das Fernlicht ein ständiger Begleiter. Vergisst man das Abblenden, werden andere Verkehrsteilnehmerbehindert und das Unfallrisiko steigt. Fernlichtassistenten regeln automatisch, wann und wie die Beleuchtung notwendig ist, um eine ausreichend ausgeleuchtete Fahrbahn vorzufinden. Zusätzlich werden die Teile der Leuchte abgeblendet, die andere Verkehrsteilnehmer stören können.

Der Kurvenlichtassistent ist ein weiterer nützlicher Helfer im Straßenverkehr. Schlägt das Lenkrad ein, schwenken die Scheinwerfer direkt mit und leuchten somit die gesamte Fahrbahn aus. Gerade in engen Kurven und bei Nachtfahrten kann dies unvorhergesehene Situationen vermeiden. Hilfreich sind zudem Nachtsichtassistenten, die die Umgebung mittels Infrarot- oder Wärmebildkameras erfassen. Verkehrsteilnehmer, wie Radfahrer oder Fußgänger, die bei Dunkelheit leicht übersehen werden können, sind hiermit leichter erkennbar.

Einparkhilfe & Querverkehrswarner

Bei Einparkhilfen gibt es viele verschiedene Varianten. Neben reinen Sensoren, die den Abstand messen, und der Rückfahrkamera, bieten neuste Systeme bereits die Möglichkeit das Auto vollständig ohne menschliche Unterstützung einzuparken. Um Parklücken ohne Unfall wieder zu verlassen, bietet sich ein Querverkehrswarner an.

Gerade auf Parkplätzen ist dieser Assistent Gold wert, denn beim rückwärts Ausparken übersieht man schon mal schnell den Querverkehr, da die meisten Sensoren von Rückfahrassistenten in der Regel nur den Bereich direkt hinter dem Fahrzeug erfassen. Querverkehrswarner überwachen mithilfe von Radarsystemen auch die Umgebung hinter dem Fahrzeug und warnen den Fahrer somit beim Ausparken vor anderen querenden Fahrzeugen.

Bergab- und Berganfahrhilfe

Bergabfahrassistenten bieten sich insbesondere für SUVs und den Einsatz im Gelände an. Diese Unterstützung reguliert automatisch die Geschwindigkeit auf Schritttempo und ermöglicht das problemlose Herunterfahren. Um das Zurückrollen am Berg zu verhindern, sind viele Fahrzeuge bereits serienmäßig mit einer Berganfahrhilfe ausgestattet. Insbesondere bei starker Steigung ist dies sehr hilfreich, denn der Bremsdruck bleibt so lange erhalten, bis der Fahrer das Gaspedal betätigt.

ESP (elektronisches Stabilitätsprogramm)

Das elektronische Stabilitätsprogramm dient primär der Reduzierung bzw. Abschwächung von Schleuderunfällen. Um dieser Funktion nachzukommen, prüft das ESP, ob die Bewegung der Räder zu den Lenkbewegungen des Fahrers passt. Kommt es hier zu Unstimmigkeiten, bremst das ESP gezielt einzelne Räder ab und versucht die Kontrolle über das Fahrzeug wiederherzustellen. Dies ist besonders in schnellen scharfen Kurven sinnvoll, in denen das Fahrzeug leicht ausbrechen kann. Zusätzlich können ESP-Systeme durch ASR-Systeme unterstützt werden. Diese Antriebsschlupfsysteme verhindern ein Durchdrehen der Reifen auf rutschigem Untergrund.

Fazit

Assistenzsysteme bieten durchaus eine Unterstützung im Straßenverkehr, jedoch ist deren Einsatz mit Bedacht zu wählen. Die Ausstattung eines Fahrzeugs mit allen aufgelisteten Systemen ist keine sinnvolle Maßnahme zur Vermeidung von Unfällen, vielmehr sind die Systeme auf den persönlichen Bedarf abzustimmen. So sind verschiedene Systeme eher für die Autobahn geeignet, andere wiederum für den Stadtverkehr. Für Sie als Fuhrparkbetreiber stellen Assistenzsysteme eine besondere Herausforderung dar. Zum einen sollten Sie die Systeme auf die Anforderungen der Dienstfahrten abstimmen, zum anderen muss aber auch der Fahrer im Umgang mit diesen Systemen vertraut sein. Bei der Auswahl eines Firmenfahrzeugs ist es daher ratsam die Ausstattung und enthaltenen Assistenzsysteme mit dem Fahrer abzustimmen. Denn sind zu viele Systeme im Fahrzeug verbaut, kann dies auch zusätzlichen Stress für den Fahrer bedeuten. Dies erhöht wiederum das Unfallrisiko.

Wichtig ist allerdings, dass jedes System nur so gut ist wie der Fahrer selbst. Missachtet ein Fahrer die Warnungen des Assistenzsystems oder versteht die Aufforderungen und Hinweise nicht, lassen sich trotz deren Installation Unfälle nicht immer vermeiden.

Der Einsatz von Fahrassistenzsystemen in Fahrzeugen ist aber auch keine Entschuldigung für Fuhrparkverantwortliche auf die Durchführung der Fahrerunterweisung nach UVV zu verzichten. Diese ist weiterhin notwendig und sinnvoll, denn kommt es aus unerwarteten Gründen zu einem Ausfall des Assistenzsystems, muss der Fahrer jederzeit wissen, wie er sich im Ernstfall zu verhalten hat.

 

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