Weniger Unfälle durch Spurhalteassistent: Funktion und Varianten

Im Jahr 2020 verunglückten über zehn Prozent weniger Menschen im Straßenverkehr als noch im Vorjahr. Als Hauptgrund dafür gilt der geringere Verkehr aufgrund der anhaltenden Pandemie. Dennoch ist jeder Verkehrstote im Straßenverkehr einer zu viel. Für mehr Sicherheit im Straßenverkehr sorgen heutzutage zahlreiche Fahrerassistenzsysteme, darunter auch: Spurhalteassistenten. Im heutigen Beitrag betrachten wir die Funktionsweise und gehen auf die Unterschiede bei aktiven und passiven Spurhalteassistenten ein.

Was ist ein Spurhalteassistent?

Ein Spurhalteassistent, auf Englisch auch „lane departure warning system (LWD)/ lane keeping assistant system (LKAS)“ genannt, unterstützt den Fahrer eines Kraftfahrzeugs im Straßenverkehr bei der Einhaltung der Fahrspur. Es handelt sich um ein Fahrerassistenzsystem, welches im Fahrzeug eingebaut ist. Heutzutage gehören Spurhalteassistenten meist zur Grundausstattung bei Neuwagen. 

Spurhalteassistenten sollen Fahrer bei einem nicht beabsichtigen Spurwechsel aufgrund von

schützen.

Die EU unterscheidet bei Spurhalteassistenten Warnsysteme von Notfall-Assistenten. Gemäß Artikel 3 der EU-Verordnung 2018/858 und EU-Verordnung 2019/2144 wird das Spurhaltewarnsystem als „ein System, das den Fahrer warnt, wenn das Fahrzeug ungewollt seine Fahrspur verlässt“, definiert. Ein Notfall-Spurhalteassistent (ELK – Emergency Lane Keeping) hingegen ist „ein System, das den Fahrer beim Halten einer sicheren Fahrzeugposition in Bezug auf die Spur- oder Straßenbegrenzung unterstützt, zumindest wenn das Fahrzeug die Fahrspur verlässt oder kurz davor ist, sie zu verlassen, und ein Zusammenstoß drohen könnte.“

Die internationale Gesellschaft für Automotive Engineering hat bereits vor ein paar Jahren ein Stufenmodell des autonomen Autofahrens entwickelt. Dabei wird der Automatisierungsgrad eines Fahrzeugs eingeordnet. Einfache Fahrerassistenzsysteme wie Spurhalteassistenten werden bereits ab der ersten Stufe dem „assistierten Fahren“ eingeordnet. Es gibt aber auch komplexere Spurhalteassistenten, die zur Stufe zwei „teilautomatisiertes Fahren“ gezählt werden.

Mehr Informationen zum Stufenmodell des autonomen Fahrens:

Ist ein Spurhalteassistent Pflicht?

Bereits seit dem Jahr 2013 sind Spurhalteassistenten für neu zugelassene Lkw ab 3,5 Tonnen Pflicht. Gleiches gilt für Busse mit mehr als acht Sitzplätzen. Für Pkw gibt es bislang keine Pflicht für einen Spurhalteassistenten. Das ändert sich jedoch bald. Im Jahr 2019 hat die EU beschlossen, dass bestimmte Fahrerassistenzsysteme verpflichtend in neuen Fahrzeugtypen sowie neu zugelassenen Fahrzeugen eingebaut sein müssen.

Die Änderung ist in der EU-Verordnung „über die Typgenehmigung von Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeuganhängern sowie von Systemen, Bauteilen und selbstständigen technischen Einheiten für diese Fahrzeuge im Hinblick auf ihre allgemeine Sicherheit und den Schutz der Fahrzeuginsassen und von ungeschützten Verkehrsteilnehmern“ festgehalten. Darunter sollen auch Notfall-Spurhalteassistenten verpflichtend für Personenkraftwagen und leichte Nutzfahrzeuge (Fahrzeugklassen L, M, N) werden. Das gilt ab dem 6. Juli 2022 für alle in der EU typgenehmigten Pkw. Ab dem 7. Juli 2024 müssen zudem alle neu zugelassenen Pkw über einen Notfall-Spurhalteassistenten verfügen. Die Pflicht gilt auch für weitere Fahrerassistenzsysteme, darunter Notbremssysteme, Reifendruckmesser, ein Müdigkeitswarner sowie eine Schnittstelle, die alkoholempfindliche Wegfahrsperren ermöglicht.

Mehr zum Thema Fahrerassistenzsysteme im Allgemeinen finden Sie im nachfolgenden Beitrag:

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Funktionsweise eines Spurhalteassistenten

Bei den meisten Autoherstellern beinhaltet der Spurhalteassistent eine kleine Videokamera, welche hinter der Windschutzscheibe befestigt ist. Darüber soll festgehalten werden, wenn der Fahrer den Raum zwischen den Fahrbahnmarkierungen verlässt. Die Kamera erfasst die Kontraste der Fahrbahnlinien. An die Kamera ist ein System angebunden, welches die optisch erfassten Informationen auswertet und diese mit der Position des Fahrzeugs abgleicht. Sobald ein definierter Mindestabstand zur Fahrbahnlinie unterschritten wird, greift der Spurhalteassistent ein. Inwiefern der Assistent eingreift, hängt vom jeweiligen System ab. Die verschiedenen Varianten an Spurhalteassistenten werden im folgenden Abschnitt näher erläutert.

Varianten von Spurhalteassistenten

Es existieren eine Reihe von unterschiedlichen Bezeichnungen für Spurhalteassistenten, unter anderem abhängig von den verschiedenen Autoherstellern. Viele Begriffe meinen jedoch dasselbe. Einen Überblick über die wichtigsten Varianten und Bezeichnungen:

Aktiver Spurhalteassistent vs. Passiver Spurhalteassistent

Der größte Unterschied besteht zwischen aktiven und passiven Spurhalteassistenten und orientiert sich im Wesentlichen an der Unterscheidung der EU.

Aktive Spurhalteassistenten entsprechen dann den Notfall-Spurhalteassistenten und passive Spurhalteassistenten können den Spurhaltewarnsystemen zugeordnet werden. Letztere sind in der Regel akustische, haptische oder optische Signale, die den Fahrer beim Verlassen der Fahrbahn warnen. Aus diesem Grund werden sie bei vielen Herstellern auch als Spurverlassenswarnung betitelt. Ein häufig vertretenes Warnsignal bei Fahrzeugen mit passiven Spurhalteassistenten ist die Vibration des Lenkrads, sobald das Fahrzeug nicht mehr in der Fahrspur gehalten wird. Der Fahrer soll so frühzeitig aufmerksam gemacht werden und kann noch entsprechend reagieren. Wird der Blinker zum Spurwechsel gesetzt, wird das Warnsignal deaktiviert.

Der Aktive Spurhalteassistent wiederum greift, wie der Name schon sagt, aktiv in die Fahrweise ein. Dies wird auch häufig als Lane Assist oder Spurhalteassistent mit Lenkeingriff bezeichnet. Bei Fahrzeugen mit elektrischer Servolenkung kann der aktive Spurhalteassistent beim Verlassen der Fahrbahn gegenlenken. Bei einigen Automobilherstellern greift dieses System erst ab einer bestimmten Geschwindigkeit. In der Regel muss der Fahrer beide Hände am Lenkrad haben, damit der Spurhalteassistent funktioniert (hands-on-detection). Bei anderen Fahrzeugen kann das System aber auch mittels ESP durch gesteuertes Abbremsen der Räder eingreifen. Ist dies nicht der Fall, ertönt bei vielen Fahrzeugtypen ein Warnsignal. Beim Lkw arbeitet der Spurhalteassistent über das hydraulische System. Ein Eingreifen durch den Fahrer ist jedoch jederzeit möglich.

Adaptive Spurführung
Bei einigen Automobilherstellern gibt es eine adaptive Spurführung als Assistenzsystem. Dabei handelt es sich um eine Erweiterung des Lane Assists, die permanent aktiv beim Einhalten der Spur unterstützt. Somit wird nicht nur eingegriffen, falls ein Verlassen der Fahrbahn erkennbar ist, sondern es werden ständig kleine Lenkeingriffe vorgenommen. Diese Funktion kann bei den meisten Herstellern optional aktiviert werden. Viele Autofahrer empfinden das permanente Eingriffen eher als störend statt hilfreich.

Spurwechselassistent

Neben Spurhalteassistenten gibt es auch Spurwechselassistenten. Diese funktionieren ähnlich wie Spurhalteassistenten. Kommt es beim Spurwechsel zu einer Gefahrensituation, beispielsweise durch andere Verkehrsteilnehmer, kann das System warnen. Dafür sind am Heck des Fahrzeugs zwei Radarsensoren befestigt, wodurch die Bereiche neben und schräg hinter dem Fahrzeug abgedeckt werden. Werden Fahrzeuge beispielsweise im toten Winkel des Wagens erfasst, wird auch hier ein optisches, akustisches oder haptisches Signal ausgespielt. Weit verbreitet sind Leuchtsymbole in den Außenspiegeln des Fahrzeugs, die aufblinken, sobald sich ein anderer Verkehrsteilnehmer oder ein Hindernis in den erfassten Bereichen aufhält.

Nachrüstung eines Spurhalteassistenten?

Derzeit verfügen nur neuere Fahrzeugmodelle über einen eingebauten Spurhalteassistenten. Aber auch bei älteren Modellen lässt sich das Assistenzsystem nachträglich einbauen. Dabei handelt es sich jedoch meist um passive Spurhalter. Hilfreich ist es, wenn das Fahrzeug bereits über eine Verkehrszeichenerkennung verfügt. Andernfalls ist die Nachrüstung recht aufwendig und kostenintensiv. Eine aktive Unterstützung ist nur schwer in sehr alten Fahrzeugen nachträglich einbaubar, da auch software-technische Anpassungen von Nöten sind. Ungeeignet hingegen sind Spurhalteassistenzsysteme über das Smartphone oder eine Dashcam, da es ihnen in der Regel an den notwendigen Sensoren mangelt.

 

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