Geofencing: Digitale Grenzen für mehr Optimierung und Sicherheit

Geofencing ist keine Dauerüberwachung von Fahrern. Richtig eingesetzt schafft die Technik mehr Sicherheit, bessere Abläufe und klare Prozesse im Fuhrpark. Im Beitrag erfahren Sie, was erlaubt ist und was nicht. 
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Geofencing: Digitale Grenzen für mehr Optimierung und Sicherheit © Jelena - stock.adobe.com
Sarah Brüdigam
 

Inhaltsverzeichnis:

 

 Auf einen Blick

  • Geofencing im Fuhrpark ist eine Möglichkeit, Bereiche (Baustelle, Stadt etc.) in denen sich z. B. ein Fahrzeug tagtäglich bewegt digital einzuzäunen bzw. zu begrenzen. Fahrer und Halter können so via GPS-Sender erfahren, ob das Fahrzeug sich innerhalb dieser Grenzen bewegt oder erhalten eine Warnung, wenn es diese verlässt.
  • Mithilfe von Geofencing lassen sich Arbeits- und Fahrzeiten nachhalten, ebenso wie illegale Aktivitäten (Diebstahl, unbefugte Nutzung, Missbrauch von Fahrzeugen).
  • Wird Geofencing genutzt, bedarf es eines ausdrücklichen Zwecks. Alle Beteiligten müssen darüber informiert werden und ihr Einverständnis erteilen. Eine Arbeitsüberwachung mithilfe von Geofencing ist untersagt.


Was ist Geofencing? Definition und technische Grundlagen

Als Geofencing wird die virtuelle Einzäunung (fencing) eines bestimmten geografischen Gebiets (Geo) auf einer digitalen Landkarte bezeichnet. Dieses System nutzt die Übermittlung von Positionsdaten via GPS, RFID, Wi-Fi oder Mobilfunknetze, um festzustellen, ob dieses Gebiet betreten oder verlassen wird. Die Grenzen können hier kreisförmig oder ganz individuell festgelegt sein.

Geofencing Beispiel:

Ein Beispiel für die Nutzung von Geofencing kommt aus dem Carsharing. Hier legt der Carsharing-Anbieter mittels der digitalen Grenzen fest, dass ein Fahrzeug bspw. nur innerhalb der Stadtgrenzen genutzt wird. Außerdem definiert er, in welchen Gebieten es abgestellt werden darf.
Überschreitet das Fahrzeug eine digitale Grenze und bewegt sich außerhalb der Stadt, erhält der Fahrer meist eine Information auf sein Smartphone oder das Auto gibt ein Signal von sich. Zusätzlich wird auch das Unternehmen über das Verlassen der vorgegebenen Zone informiert. So kann u. a. der Diebstahl von Leihfahrzeugen verhindert werden.

Ein weiteres Beispiel sind E-Scooter. Durch Geofencing kann genau definiert werden, wo ein E-Scooter abgestellt werden darf und wo nicht. Möchte der Nutzer den Roller in einem durch das Geofencing ausgeschlossenen Bereich parken, erhält der Nutzer z. B. die Information „Du kannst den Roller in diesem Bereich nicht abstellen“ oder „Der E-Scooter darf hier nicht abgestellt werden“.

Wie wird Geofencing im Fuhrpark verbaut?

Die Hardware für das Geofencing im Fuhrpark ist in der Regel direkt im Fahrzeug in Form von GPS-Trackern, Modulen für den OBD-Stecker oder speziellen Boxen verbaut. Überquert das Fahrzeug die vordefinierte Grenze, erhält das Fuhrparkmanagement eine automatische, zuvor festgelegte Aktion oder Warnmeldung.

Wie kann Geofencing im Fuhrpark eingesetzt werden?

Der Einsatz im Flottenmanagement ist vielseitig und deckt unterschiedlichste Unternehmensbedürfnisse ab.

  • Diebstahlvorbeugung: Wenn ein Fahrzeug unerlaubt eine festgelegte Zone, wie z. B. den Firmenparkplatz oder eine Baustelle außerhalb der Arbeitszeit verlässt, erhält der Fuhrparkmanager in Echtzeit einen Alarm. Dieser kann das Fahrzeug danach auch weiter über das GPS-Signal verfolgen und ggf. die Polizei informieren.

Achtung: 2024 wurden insgesamt 30.373 Kfz-Diebstähle in Deutschland erfasst, einschließlich die Fälle von unbefugter Nutzung. Damit steigt die Zahl der Kfz-Diebstähle auf einen neuen Höchststand seit 2017. Mit Geofencing lassen sich diese leichter verhindern.

  • Routenmonitoring: Das System erfasst bspw., wann ein Lkw das Firmengelände verlässt. Es kann außerdem kalkulieren, wann eine Ladung voraussichtlich am Ziel eintreffen wird. Der Empfänger erhält so frühzeitig eine Nachricht über die Ankunftszeit. Auch wie lange sich das Fahrzeug am Zielort aufhält, bis es das Gelände wieder verlässt, kann mithilfe von Geofencing verfolgt werden.
  • Arbeitszeit- und Routenerfassung: Geofencing kann ebenfalls als Stempelkarte oder als Fahrtenbuch fungieren. Die Software protokolliert automatisch, wann ein Mitarbeiter im Außendienst bspw. das Firmengelände verlässt und zum Feierabend wieder zurückkehrt. Oder welche Fahrten Mitarbeiter mit dem Fahrzeug tätigen. Diese Daten können automatisiert weitergeleitet und für die Lohn- und Steuerabrechnung genutzt werden.

Achtung: Gerade bei der Nutzung als Fahrtenbuchersatz ist Vorsicht geboten. Sobald Mitarbeiter das Fahrzeug auch privat nutzen dürfen, darf das System nur während der Arbeitszeit genutzt werden. Private Fahrten dürfen nicht verfolgt werden.

  • Umweltzonen-Erfassung: Bei Hybridfahrzeugen gibt es bereits Systeme, die beim Einfahren in städtische Umweltzonen automatisch auf den reinen Elektroantrieb umschalten.

Nutzungsbeschränkungen: Für Autovermietungen bietet sich Geofencing an, um vertraglich erlaubte Einsatzgebiete, z.B. innerhalb von Deutschland zu markieren und Fahrer direkt über ein Display im Fahrzeug zu warnen, falls sie unerlaubt eine Landesgrenze überschreiten.

  • Geschwindigkeitskontrolle und nachhaltiges Fahren: Noch nicht serienmäßig auf dem Markt, aber in vielen Bereichen für den Fuhrpark interessant, ist eine automatische Geschwindigkeitskontrolle. Fuhrparkmanager können mithilfe von Geofencing Zone-30-Abschnitte kennzeichnen. Fährt ein Mitarbeiter in diesen Bereich, drosselt das Fahrzeug das Tempo automatisch auf 30 km/h und hält somit das Tempolimit ein. So sparen Unternehmen Kraftstoffkosten, verhindern systematisch Überschreitungen und fördern eine nachhaltige Fahrweise.

Vor- und Nachteile von Geofencing im Fuhrpark

Die Implementierung dieser Technologie ist bisher gerade für spezielle Branchen wie u.a. Carsharing, Autovermietung, Logistik- oder Bauunternehmen interessant. Aber auch für ein Unternehmen mit einem Fuhrpark für Mitarbeiter lassen sich Vorteile ableiten, die das Fuhrparkmanagement entlasten:

  • Einfacheres Nachhalten von Arbeitszeiten bei Außendienstmitarbeitern.
  • Kosteneinsparungen durch detaillierte Routen- und Ressourcenplanung.
  • Sehr serviceorientiert. Dienstleister und Kunden können in Echtzeit über Lieferung oder Eintreffen des Fahrers informiert werden.

Darüber hinaus profitieren Unternehmen von mehr Transparenz und Kosteneinsparungen. Durch detaillierte Analysen der Betriebsdaten lassen sich ineffiziente Leerlaufzeiten reduzieren und teure Fahrzeugausfälle durch Diebstähle vermeiden.

Trotz der Vorzüge gibt es aber auch Grenzen, die beim Einsatz im Fuhrpark zwingend beachtet werden müssen:

  • Datenschutzrechtliche Hürden: Die permanente Erfassung von Positionsdaten am Arbeitsplatz ist rechtlich sehr sensibel. Gerade mit Blick auf den Erlass des EU AI Acts im Februar 2025 können Geofence-Mechanismen in Telematiksystemen als Hochrisiko-KI-Systeme eingestuft werden. Vor Einführung sollten die Regelungen daher gründlich geprüft werden. Allein der Datenschutz im Fuhrpark erfordert zwingend gute Gründe, eine transparente Aufklärung der Belegschaft sowie das schriftliche Einverständnis der Mitarbeiter. Dies erfolgt meist über die Car Policy und den Dienstwagenüberlassungsvertrag.

    Auf diese Punkte ist daher zwingend zu achten:

Transparenz und Informationen bzgl. der verarbeiteten Daten

Lückenlose Dokumentation aller Geofencing-Daten

Zertifizierung, die die Einhaltung der Datenschutzvorgaben bestätigt

  • Technische Limitationen: Das System ist auf eine konstante Datenübertragung angewiesen. Bei schwacher Mobilfunkabdeckung oder fehlendem GPS-Signal, wie z. B. in Tunneln, stößt das Tracking an seine technischen Grenzen und kann auch einen Fehlalarm auslösen.
  • Risiko der Manipulation: Beim Diebstahlschutz ist das System nur so sicher wie das Versteck und die Verkabelung der Hardware im Auto. Wenn professionelle Autodiebe den GPS-Tracker aufspüren und entfernen, ist die Überwachung wirkungslos.

Vor- und Nachteile von Geofencing im Überblick

Damit Sie die Potenziale und Risiken für Ihre Flotte schnell bewerten können, fasst die folgende Tabelle die wichtigsten Aspekte zusammen:

Vorteile für den Fuhrpark

Nachteile und Herausforderungen

Diebstahlprävention: Echtzeit-Alarm beim Verlassen festgelegter Zonen schützt den Fuhrpark. Weitere Verfolgung erleichtert das Aufspüren des verschwundenen Fahrzeugs.

Datenschutz: Hohe rechtliche Anforderungen an Einwilligung und Transparenz. Schmaler Grat zur Arbeitsüberwachung, mögliche Gefährdung der DSGVO und des Schutzes der Persönlichkeitsrechte.

Effektives Zeitmanagement: Die digitale Zeiterfassung ersetzt die manuelle Zeiterfassung.

Signalverlust: Technische Grenzen in Gebäuden oder Tunneln sorgen für Signalverlust und können Fehlalarm auslösen.

Lieferzeiten in Echtzeit: Präzise Ankunftsprognosen verkürzen Wartezeiten und Verzögerungen.

Sabotage: Entdeckte und entfernte GPS-Tracker gefährden das ganze System. Hat man den Tracker in einem Fahrzeuggefunden, sind auch die anderen vor Diebstahl nicht mehr sicher.

Kostensenkung: Optimierte Routenplanung reduziert Kraftstoff- und Wartungskosten.

Interne Skepsis: Mitarbeiter befürchten oft unzulässige Dauerüberwachung.

Kontrolle: Die Einhaltung vertraglicher Nutzungsbeschränkungen lässt sich verlässlich nachvollziehen.

Initialkosten: Die Anschaffung von Hardware und Software sowie der Einbau erfordert Zeit und Geld.