Unterweisung der Mitarbeiter nach DGUV: Rechtsgrundlage, Ziel, Planung

Für die Sicherheit der Angestellten in einem Unternehmen zu sorgen ist keine zu unterschätzende Aufgabe. Die Person, die mit der Unterweisung, zum Beispiel einer Fahrerunterweisung, beauftragt wird, muss neben dem rechtlichen Grundlagenwissen ein gewisses Organisationstalent haben, wenn die Unterweisung persönlich und vor Ort stattfindet. Von Vorteil ist ebenfalls, wenn diese Person neben ihren Fachkompetenzen auch didaktisch-methodische Kompetenzen besitzt. Wir geben einen Überblick über die Rechtsgrundlage, Ziel(e) sowie Tipps zur Organisation einer Unterweisung.

Inhaltsverzeichnis:

Rechtsgrundlagen der Unterweisung

Die rechtliche Grundlage der Unterweisung zum Zwecke des Arbeits- und Gesundheitsschutzes der Mitarbeiter findet sich unter anderem Sozialgesetzbuch. Im siebten Buch des Sozialgesetzbuches, Paragraf 14, heißt es in Absatz 1, Satz 1:

„Die Unfallversicherungsträger haben mit allen geeigneten Mitteln für die Verhütung von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren und für eine wirksame Erste Hilfe zu sorgen.“

In Absatz 4 heißt es weiter, dass die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) die Unfallversicherungsträger unterstützt, Maßnahmen zu koordinieren und durchzuführen. Diese dienen der Prävention von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren. Es liegt in der Verantwortung und Fürsorgepflicht des Arbeitgebers, Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz, Umwelt- und Brandschutz herzustellen, zu erhalten und auch zu kontrollieren. Dies ist unter anderem in den nachfolgenden Gesetzen verankert:

Je nach Unternehmensgröße kann die Unternehmensführung die Unterweisungsaufgabe delegieren (DGUV Vorschrift 1 § 13). Dann muss der entsprechende fachkompetente Vorgesetze der Unterweisungspflicht, also Durchführung sowie Überprüfung der Einhaltung, nachkommen.

Gefährdungsbeurteilung als Grundlage der Unterweisung

Die Beurteilung der im Unternehmen existenten Gefahren ist Grundlage dafür, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen beziehungsweise welche Inhalte die Unterweisung haben muss. Übrigens: Die Arbeitnehmer sind dazu verpflichtet, die Arbeitsschutzanweisungen des Arbeitgebers zu beachten, also unter anderem die Arbeitsmittel richtig zu verwenden.

Was in die Gefährdungsbeurteilung miteinfließt, ist branchenabhängig - grundlegend gelten staatliche und berufsgenossenschaftliche Vorschriften. Es gibt also nicht „die eine“ Gefährdungsbeurteilung, sondern neben der Berücksichtigung der branchenspezifischen Gefahren auch Beurteilungen, die situationsabhängig sind. So sind Arbeitsbedingungen sowie die Arbeitsumgebung wie auch beteiligte Personen zu berücksichtigen und entsprechend in die Unterweisung miteinzubeziehen. Ziel ist es festzustellen, welche gesundheitlichen Gefahren im Arbeitsprozess bestehen, welcher Schaden zu erwarten ist und wie dieser verhindert werden kann.

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Kann eine erkannte Gefahr nicht beseitigt werden, müssen Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Diese sind im sogenannten TOP-Modell definiert:

  • T = Technische Lösungen
  • O = Organisatorische Maßnahmen
  • (P = Persönliche Schutzausrüstung)
  • P = Personenbezogene Maßnahmen

Auf Restrisiken muss nicht nur hingewiesen werden, sondern in der Unterweisung müssen diese auch aufgenommen und ihre Vermeidung thematisiert werden.

Gefährdungsbeurteilung im Fuhrpark

Betreibt man eine technische Anlage oder ein Fahrzeug, geht automatisch eine Gefahr davon aus. Hier spricht man auch von Betriebsgefahr. In einem Fuhrpark können es eine Hand voll bis mehrere Dutzend oder Hunderte Fahrzeuge sein, von denen eine Betriebsgefahr ausgeht – ob die Fahrzeuge nun abgestellt sind oder ein Fahrer mit ihnen unterwegs ist. Mit dem Einzug der E-Mobilität in Fuhrparks sind ebenfalls neue Gefahrenpotenziale eingezogen – entsprechend muss die Gefährdung dadurch neu beurteilt und Unterweisungen angepasst werden. Mehr über die Gefährdungsbeurteilung und Fahrerunterweisung bei E-Mobilität erfahren Sie in unserem Beitrag.

Unterweisungsziel: Verständnis schaffen und so das Sicherheitsbewusstsein stärken

Die Unterweisung ist wichtig und die entsprechenden Arbeitsanweisungen dienen der eigenen und der Sicherheit von Dritten. Es kann vorkommen, dass die Unterweisungsinhalte nicht komplett verstanden wurden oder nicht nachvollziehbar sind und daher auf Ablehnung stoßen. Daher ist es wichtig, dass die Person, die die Unterweisung durchführt, die Unterwiesenen maximal motiviert (es zumindest versucht) und auch deren Sicherheitsbewusstsein fördert.

Folgende Aspekte können Teil einer nachhaltigen und motivierenden Unterweisung sein:

  • Sprechen Sie offen an, was bisher Usus war. Erklären Sie, weshalb nicht länger so verfahren werden kann – eben unter den sich mit der Zeit veränderten Bedingungen und Gesetzen, um auch Verständnis bei den Unterwiesenen hervorzurufen.
  • Vorgesetzten halten sich ebenso wie alle anderen Mitarbeiter an Arbeits- und Gesundheitsschutzmaßnahmen. Die Konsequenzen bei Nichtbeachtung sind unabhängig von der Position im Unternehmen.
  • Schaffen Sie Anreize für sicherheitsgerechtes Verhalten (Belohnungssystem).
  • Kontrollieren Sie, ob die Maßnahmen umgesetzt und eingehalten werden, um die Mitarbeiter im richtigen Verhalten zu stärken und Nichteinhaltung oder Zuwiderhandeln schnell zu erkennen und entsprechende Konsequenzen zu ziehen – die vorher kommuniziert wurden.

Wie fördert dies das Sicherheitsbewusstsein der Mitarbeiter?

Es ist wichtig, dass bei der Unterweisung das nötige Wissen vermittelt beziehungsweise aufgefrischt und wiederholt wird. Neben der puren Wissensvermittlung ist das Verständnis von hoher Bedeutung. Kann jemand nachvollziehen, weshalb bestimmte Regeln eingehalten werden müssen und welche Konsequenz die Nichteinhaltung hat, steigt die Akzeptanz und damit das Bewusstsein um die (eigene) Sicherheit.

Regelmäßiges Training der (Fach-) Kenntnisse und Fertigkeiten schafft Routine. Routine wiederum Sicherheit und Selbstbewusstsein. Das verringert die Wahrscheinlichkeit eines Arbeitsunfalls. Das Trainieren beziehungsweise regelmäßige Üben hat den Sinn, Theorie und Praxis miteinander zu verbinden. Abschließend wird in bestimmten Lehrgängen im Anschluss praktisch geprüft, ob die Fertigkeiten den Sicherheitsstandards entsprechen.

Bei der Fahrerunterweisung wird Wissen vermittelt, anschließend sollte eine Wissensüberprüfung stattfinden – die Fertigkeiten ein Fahrzeug zu führen hat man in der Fahrschule erworben, trainiert und abschließend wurde man auch dort geprüft. Ohne den (gültigen) Führerschein darf man nicht am Straßenverkehr teilnehmen – im Prinzip das Gleiche wie bei der Fahrerunterweisung.

Weiterführende Links: Die Fahrerunterweisung im Fuhrpark

Die Unterweisung erfolgreich planen

Bloß, weil man die Unterweisungspflicht delegiert bekommen hat, hat man nicht gleich das nötige Wissen um die Planung oder Didaktik. Das höchste Ziel der Unterweisung ist die Rechtssicherheit, doch die Stärkung des Sicherheitsbewusstseins sollte ebenfalls priorisiert werden, damit die Unterweisung nachhaltig ist.

Organisation der Unterweisung

Die folgenden W-Fragen helfen, den Überblick über die zu planenden Schritte nicht zu verlieren:

  • Was –Themen und Schwerpunkte (Umfang) der Unterweisung festlegen
  • Wann – Wie oft und wann wird die Unterweisung durchgeführt? (Hinweis: Mindestens einmal jährlich.)
  • Wer – Wer muss unterwiesen werden?
  • Wie lange – Zeitaufwand der Unterweisung
  • Wo – Wenn Präsenzveranstaltung: Örtlichkeit buchen
  • Wodurch/ womit – Wie wird die Unterweisung gestaltet? Wird sie persönlich/ vor Ort stattfinden, per Videokonferenz oder via E-Learning*? Welche Materialien/ Hilfsmittel werden benötigt?

In unserem Beitrag erläutern wir Ihnen ausführlich, wie Sie Schulungen und Unterweisungen planen können.

*Wird die Unterweisung komplett via E-Learning durchgeführt, ist sie zeit- und ortsunabhängig, weshalb die genannten Planungsschritte entfallen. Mehr über die Vorteile von E-Learning bezogen auf eine Unterweisung, erfahren Sie auf unserem Fuhrpark Blog. In einem weiteren Beitrag stellen wir E-Learning und Präsenzveranstaltungen gegenüber:


Manchmal kann es sein, dass eine Unterweisung außerhalb der Reihe stattfinden oder der Unterweisungszyklus angepasst werden muss. Das ist beispielsweise der Fall, wenn neue Arbeitsmittel eingeführt werden, es einen Unfall gegeben hat, sich die Rechtsgrundlage geändert hat oder ein neuer Mitarbeiter angestellt wurde. Wann dies im Fuhrpark im Rahmen der Fahrerunterweisung der Fall sein kann, erfahren Sie in unserem Beitrag.

Bezüglich der Unterweisungsthemen, Schwerpunkte und des Umfangs gibt es keine allgemeine Vorlage. Je nach Betrieb und Gefährdungsbeurteilung muss der Unterweisende Thema, Schwerpunkt und Umfang definieren. Vergleichsweise gering ist der Aufwand einer allgemeinen Unterweisung, die für alle Mitarbeiter im Unternehmen relevant ist. Dazu gehören unter anderem die ergonomische Gestaltung von Arbeitsplätzen, das betriebliche Unfallgeschehen (Erste-Hilfe/ zuständige Ersthelfer im Unternehmen) und die Fahrerunterweisung. Spezifische Gefahren, die mit dem Arbeitsplatz verbunden sind, werden idealerweise in einer separaten Unterweisung allein für die entsprechenden Mitarbeiter behandelt. Unterweisungsmaterial sowohl für den Unterweisenden als auch für die Unterwiesenen stellt zum Beispiel die Berufsgenossenschaft Energie Textil und Elektro Medienerzeugnisse zur Verfügung.

Erfolgskontrolle

In der Unterweisung muss den Mitarbeitern vermittelt werden, welche Unfallverhütungsvorschriften und Regeln für ihren Arbeitsbereich gelten. Diese müssen verständlich kommuniziert werden, ansonsten ist der Lernerfolg gleich Null. Sollten Verständnisschwierigkeiten bestehen oder die Verständigung gestört sein, sollte auf geeignete Hilfsmittel zurückgegriffen werden. Rück- und Verständnisfragen, Skizzen und möglicherweise Foto- oder Videomaterial können hier sehr hilfreich sein.

Je nach dem, was Inhalt der Unterweisung ist, kann man den oder die Mitarbeiter bitten, den richtigen Handlungsablauf vorzuführen. So kann der Unterweisende direkt unterstützen, wenn Unsicherheit oder eine falsche Ausführung festgestellt werden. Die DGUV-Vorschriften und Regeln lediglich zu mailen oder im Unternehmen auszuhängen, reicht nicht aus. Die Geschäftsführung muss sich vergewissern, dass die Mitarbeiter die Inhalte der Unterweisung verstanden haben.

Fazit: Die Dokumentation nicht aus den Augen verlieren

Eine regelmäßige Unterweisung ist nach Arbeitsschutzgesetz (§ 12 ArbSchG) notwendig und muss mindestens einmal jährlich erfolgen. Geschäftsführung beziehungsweise Führungskräfte haben dafür genauso wie für die Kontrolle und Einhaltung der DGUV- sowie betrieblichen Vorschriften Sorge zu tragen.

Zurücklehnen und hoffen, nicht negativ aufzufallen ist keine Option, denn auch die Mitarbeiter sind keineswegs aus der Verantwortung: Die aktiven Arbeitsschutzmaßnahmen betreffen auch sie.

Überdies muss jede Unterweisung dokumentiert werden (DGUV Vorschrift 1 § 4 Nr. 1), sprich es besteht eine Dokumentationspflicht und ein Unterweisungsnachweis. Ob diese nun manuell oder elektronisch erfolgen, ist nicht vorgeschrieben. Im LapID Kundensystem wird die erfolgreich durchgeführte Fahrerunterweisung revisionssicher und rechtlich unbedenklich dokumentiert und dient damit als Unterweisungsnachweis.

Die LapID Fahrerunterweisung ist rechtlich unbedenklich: Sowohl die Unterweisung kann zeit- und ortsunabhängig vom Mitarbeiter durchgeführt werden. Für den Nachweis braucht es keine Unterschrift – dennoch stellt dies einen rechtsgültigen Nachweis der Unterweisung dar und die Dokumentation ist revisionssicher. Vor allem dezentrale Fuhrparks profitieren von der LapID Fahrerunterweisung, da sämtliche Daten zentral in einem System gespeichert werden – unabhängig vom aktuellen Aufenthalt der Fahrer. Doch auch wenn Ihr Fuhrpark zentral organisiert ist, bietet sich die Fahrerunterweisung per E-Learning an: Ab einer gewissen Anzahl an Dienstwagenfahrern spart das elektronische System Zeit und Nerven, da es Prozesse vereinfacht und äußerst flexibel ist.

 

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