Reifenwechsel und Reifenkennzeichnungen

Jeder Autofahrer kennt die Faustregel: Von O bis O. Sobald die ersten Sonnenstrahlen den Frühling einleiten, ist der Reifenwechsel angesagt. Runter mit den Winterpneus und die Sommerreifen drauf. Aber Faustregeln dienen bekanntlich nur als Orientierungshilfe. Der richtige Zeitpunkt für den Räderwechsel hängt von den Witterungsbedingungen, den damit einhergehenden Straßenverhältnissen und mit dem Reifenzustand ab. Und dann stellt sich die große Frage: Welche Reifen wann aufziehen?

Hinweise gibt zu Teilen der Reifen selbst – und zwar durch Kennzeichnungen an der Reifenseitenwand. Ja, gemeint sind die verwirrenden Zahlen und Symbole, die viele auf Anhieb nicht entziffern können. Was indizieren sie? Und welche Regeln gilt es beim Wechsel von Sommer- und Winterreifen tatsächlich zu beachten? Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Inhaltsverzeichnis:

Wann ist der ideale Zeitpunkt zum Reifenwechsel? 

Kommen wir zunächst zum optimalen Wechselzeitpunkt. In Deutschland gilt eine situative Winterreifenpflicht: Unabhängig von Jahreszeit oder Monat müssen Fahrer bei winterlichen Straßenverhältnissen die Winterpneus aufziehen, wenn sie am öffentlichen Verkehr teilnehmen wollen – ansonsten drohen Bußgelder sowie ein Punkt im Fahreignungsregister in Flensburg für Fahrer und Halter, also in der Regel auch für den Fuhrparkmanager, wenn die Halterpflicht an ihn delegiert wurde. Winterliche Straßenverhältnisse sind von der Straßenverkehrsordnung als Schneeglätte, Glatteis, Schneematsch, Eisglätte und Reifglätte definiert.

Außerhalb dieser Witterungsbedingungen ist das Fahren im Winter mit Sommerreifen theoretisch zulässig, aber nicht ratsam. Die verhältnismäßig härtere Gummimischung des Sommerreifens ist nicht für Temperaturen unter sieben Grad konzipiert und verliert dadurch ein erhebliches Maß an Bodenhaftung.

Umgekehrt verhält es sich ähnlich: Wer im Juni bei hohen Temperaturen auf trockener Fahrbahn immer noch mit Winterreifen fährt, verkürzt damit nicht nur die Laufleistung des Pneus, sondern muss auch sicherheitsrelevante Aspekte einbüßen. Der Bremsweg verlängert sich maßgeblich, weil die ohnehin schon weichere Gummimischung durch die hohen Temperaturen noch weicher wird und somit an Grip verliert. Auch die Fahrstabilität leidet unter der nicht zwangsläufig falschen, aber unvorteilhaften Bereifung.

Wann genau man von Sommer- auf Winterreifen und umgekehrt wechseln sollte beantworten wir in unserem dazu passenden Beitrag: 

Warum Sommerreifen?

Bei Temperaturen ab sieben Grad ist es ratsam, die Sommerpneus aufzuziehen. Abgesehen von der Sicherheit wirkt sich das auch gut auf das Budget aus. Sommerreifen sind aufgrund ihrer Bauweise besonders rollwiderstandsarm – das Auto muss dementsprechend nicht so viel Kraft aufwenden, um die Räder ins Rollen zu bringen. Ergo: Weniger Rollwiderstand gleich weniger Kraftstoffverbrauch.

Die weichere Gummimischung, wie sie für Winterreifen typisch ist, trägt sich auf trockenem und heißem Asphalt stärker ab und somit auch die Profiltiefe. Sommerpneus hingegen halten durch ihre härtere Beschaffenheit auch hohen Temperaturen stand und verhalten sich daher im Handling auf Kurven wesentlich stabiler. Massive und volumenreiche Profilblöcke sorgen zudem für eine optimierte Wasserverdrängung auf nasser Fahrbahn.

Kann man Allwetterreifen auch im Sommer fahren?

Die Anschaffung von Ganzjahresreifen hört sich zunächst vorteilhaft an, besonders für den Geldbeutel. Solange keine extremen Temperatur- und Witterungsschwankungen auftreten oder Fahrer nur eine geringe Jahresfahrleistung mit dem Auto zurücklegen, können sich die Allrounder unter den Pneus als profitabel erweisen. Die Sorge um die Lagerung der Saisonreifen sowie der Aufwand fürs Reifenwechseln entfallen zudem bei dieser Alternative. Aber: Allwetterreifen kommen das ganze Jahr über zum Einsatz und nutzen sich auf Grund der höheren Fahrleistung schneller ab als Sommer- und Winterreifen. Die zeitliche Lebensdauer von Ganzjahresreifen ist daher von vorneherein praktisch kürzer – das stellt den Kostenpluspunkt massiv infrage. Und auch preislich unterscheiden sich Allwetterreifen nicht wesentlich von Saisonreifen.

Mehr zu Ganzjahresreifen und ihren Einsatzmöglichkeiten finden Sie im Blog-Beitrag:

Reifenkennzeichnungen: Was bedeuten diese?

Der Zustand der Reifen stellt den dritten entscheidenden Faktor für das rechtzeitige Wechseln der Räder dar. Neben der Profiltiefe ist auch das Reifenalter ein wichtiges Kriterium. Viele dieser Werte lassen sich an der Flanke des Reifens ablesen. Gerade beim Kauf sind Angaben zur Reifen- und Felgengröße, Reifenart und -bauweise, Tragfähigkeit oder maximaler Geschwindigkeit ausschlaggebend.

Reifenkennzeichnungen Übersicht
Quelle: bfp eigene Darstellung

  • Wie erkennt man die Reifengröße?

Die Reifengröße setzt sich aus der Reifenbreite in Millimeter (205 mm) und dem prozentualen Höhen-Breiten-Verhältnis (55 Prozent) zusammen. Dabei reichen die Reifengrößen-Dimensionen bei Pkw von 125 bis 335 Millimeter.

  • Welche Reifenbauarten gibt es? 

Es wird zwischen Diagonalreifen, Diagonal-Gürtelreifen und Radialreifen unterschieden. Die Bauart des Reifens gibt an, wie die Karkassen im Reifen angeordnet sind. Eine Karkasse ist das Herzstück eines jeden Reifens und dient als tragendes Gerüst. Die meisten Karkassen sind radial angeordnet (Kennzeichnung „R“), lediglich bei älteren Fahrzeugen lassen sich noch diagonale (Kennzeichnung „D“) Aufstellungen finden. Runflatreifen, die funktionsbedingt eine andere Bauweise besitzen, erkennt man durch ein zusätzliches „F“.

  • Wie erkennt man die Felgengröße?

Die darauffolgende Zahl gibt an, welcher Felgendurchmesser (16 Zoll) auf den Pneu montiert werden darf. Die Felgengröße wird dabei in Zoll gemessen und ist abhängig von den Vorgaben des Fahrzeugs. Die zulässige Felgengröße ist dabei in der Bedienungsanleitung des Fahrzeugs hinterlegt. Je größer die Felge ist, desto größer ist auch deren Breite sowie der Durchmesser der Felge. Dies verringert die Reifenflanken-Höhe und hat wiederum Einfluss auf den Fahrkomfort.

  • Was bedeutet Tragfähigkeit bei Reifen?

Der Tragfähigkeitsindex, oder auch Lastindex, definiert, wie belastbar der Reifen ist. Der Indexwert (91) gibt dabei an, wie viel Kilogramm Last bei einem bestimmten Reifendruck für den Pneu zulässig sind. Die Tragfähigkeit des Reifens steht in Abhängigkeit zum Reifendruck, der Reifenbauart und des Geschwindigkeitsindexes. Bei einem Druck von 2,5 bar kann ein Reifen mit einem Lastindex von 91 maximal 615 Kilo tragen. „Reinforced-Reifen“ oder auch „XL-Reifen“ zeichnen sich durch eine besonders hohe Tragfähigkeit aus.

  • Welche Bedeutung hat der Geschwindigkeitsindex von Reifen?

Der Geschwindigkeitsindex, oder auch Speed-Index, gibt an, wie schnell man mit einem Reifen fahren darf. Dieser Wert wird mit einem Buchstaben neben dem Tragfähigkeitsindex gekennzeichnet. Der Speed-Index „V“ steht für maximal 240 Stundenkilometer. Ist es möglich, mit dem Fahrzeug schneller als 240 km/h zu fahren, sollten auch die Reifen an diese Geschwindigkeit angepasst werden. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs ist dem Fahrzeugschein zu entnehmen.

  • Was sind laufrichtungsgebundene Reifen und wie erkennt man diese?

Die Laufrichtung wird beim Pneu mit den Begriffen „Rotation“ oder „Direction“ sowie einem Pfeil abgebildet. Dieser zeigt die Abrollrichtung des Reifens an und ist somit wichtig für die ordnungsgemäße Montage – laufrichtungsgebundene Reifen, die in entgegengesetzter Laufrichtung installiert werden, gewährleisten keine optimale Bodenhaftung. Profilmusterungen in „V“ oder „U“ Formen sorgen für eine verbesserte Wasserverdrängung, Stabilität und für eine reduzierte Geräuschentwicklung. Laufrichtungsungebundene Reifen oder auch asymmetrische Reifen weisen unterschiedliche Profile auf, die ein besseres Fahrgefühl und Kurvenstabilität versprechen. Sie sind am Reifen jeweils als „Inside“ oder „Outside“ markiert.

  • Wie sind Winter- oder Allwetterreifen gekennzeichnet? 

Seit dem 1. Januar 2018 müssen die für winterliche Straßenbedingungen konzipierten Reifen mit dem Alpline-Symbol versehen werden. Für die Nutzung von Reifen mit der bisher geläufigen „M+S“-Kennzeichnung (gleich „Mud and Snow“ oder „Matsch und Schnee“) gewährt der Bund eine Übergangsfrist bis zum 30. September 2024.

  • Was bedeutet das E-Prüfzeichen am Reifen?

Das E-Prüfzeichen bestätigt, dass der Reifen alle ECE-Regelungen und Sicherheitsauflagen für genehmigungspflichtige Bauteile erfüllt. Die Zahl daneben (E1) weist auf das Land hin, das die Genehmigung erteilt hat: Die Ziffer 1 steht hierbei für Deutschland.

  • Was ist die DOT-Nummer? 

Diese Nummer gibt Aufschluss über das Produktionsdatum, das man an den letzten vier Ziffern der Zahlen- und Buchstabenfolge ablesen kann. In unserem Fall (3919) wurde der Reifen in der 39. Kalenderwoche im Jahr 2019 hergestellt.

Wie alt dürfen Reifen eigentlich sein?

Eins vorweg, es gibt keine gesetzlichen Vorschriften zum Reifenalter. Bei neuen Reifen sollte man darauf achten, dass diese nicht zu alt sind. Das Reifenalter lässt sich über die DOT-Nummer ermitteln. Der Bundesverband Reifenhandel gibt hierzu folgende Empfehlungen bzw. Definitionen ab:

  • Neue Reifen bis zu einem Alter von drei Jahren: gelten als fabrikneu
  • Neue Reifen bis zu einem Alter von fünf Jahren: gelten als neu

Bei neuen, unbenutzten Reifen mit einem Alter von fünf Jahren gilt die Montage als unbedenklich. Jedoch ist hier auf die ordnungsgemäße Lagerung zu achten. Hier ergibt ein intensiverer Blick auf die Beschaffenheit des Reifens Sinn.

Generell werden laut ADAC folgende Wechselzeiträume empfohlen:

  • Winterreifen: nach sechs bis acht Jahren
  • Sommerreifen: nach acht bis zehn Jahren

Wichtig für die Nutzungsdauer eines Reifens ist allerdings die Profiltiefe. Ist diese bereits vorher unter die Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimeter gefallen, müssen die Reifen erneuert werden.

Reifenmanagement im Fuhrparkmanagement

Im Fuhrparkmanagement spielen der Reifenwechsel und das Reifenmanagement generell eine wichtige Rolle. Der Fuhrparkverantwortliche muss sicherstellen, dass die Dienstwagenfahrer mit der richtigen Bereifung unterwegs sind. Hier stellt sich öfters die Frage, ob Outsourcing sinnvoll ist. Im nachfolgenden Beitrag betrachten wir diese Option genauer und geben wichtige Tipps zum Reifenmanagement:

Auch der Reifendruck kann für das Fuhrparkmanagement eine entscheidende Kennzahl sein, denn Reifen mit falschem Druck können schnell zum Kostentreiber werden. Wieso der Reifendruck zu beachten ist, beantworten wir im nachfolgenden Beitrag:

Fazit

Viele Informationen also, die auch helfen, den richtigen Reifen und den richtigen Wechselzeitpunkt zu finden. Und natürlich gibt es auch hier eine Faustregel: „4 x 3 x 6“. Sie besagt: Vier gleiche Reifen, drei Millimeter Mindestprofiltiefe und höchstens sechs Jahre Reifenalter bringen Sie sicher über die Straßen.

 

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