Ladungssicherung: Verzurren heißt Mitdenken

Im Transporter ist es nicht nur der Fahrer, der mit dem Gurt fest im Sattel sitzen sollte. Im Laderaum ist eine fachgerechte Fixierung wichtig, um das Frachtgut unbeschadet zu transportieren und gefährliche Situationen zu vermeiden. Bei der Ladungssicherung geht es nicht nur darum, Gegenstände im Frachtraum zu schützen, sondern auch die Stabilität des Transporters zu gewährleisten.

Wenn schwere Lasten im hinteren Abteil ungehindert toben können, kann das beim Ausweichen dazu führen, dass das Fahrzeug umkippt. Bei einer Vollbremsung können Gegenstände durch die Trennwand brechen und damit Fahrzeug oder Fahrer schwer verletzen.

Im Gastbeitrag verrät bfp, worauf Fuhrparkmanager und Fahrer bei der Ladung achten müssen.

Von Dennis Gauert

Ein Risiko für Ladung und Fahrer

Im Jahr 2013 registrierte das statistische Bundesamt 579 Unfälle mit Personenschaden aufgrund unzureichend gesicherter Ladung. Experten gehen jährlich von Sachschäden in dreistelliger Millionenhöhe aus. Dabei sind es zum großen Teil Verdienstausfälle, die durch beschädigte Güter verursacht wurden. Solche Schäden könnte man leicht durch eine gezielte Ladungssicherung mit Form- oder Kraftschluss verhindern.

Gesetzliche Grundlagen und Normen

Der § 22 der StVO schreibt die Ladungssicherung explizit vor. Im Gesetz heißt es: "Die Ladung einschließlich Geräte zur Ladungssicherung sowie Ladeeinrichtungen sind so zu verstauen und zu sichern, dass sie selbst bei Vollbremsung oder plötzlicher Ausweichbewegung nicht verrutschen, umfallen, hin und her rollen, herabfallen oder vermeidbaren Lärm erzeugen können. Dabei sind die anerkannten Regeln der Technik zu beachten." Verantwortlich für die Einhaltung des § 22 der StVO sind sowohl Fahrer als auch Halter und Verlader.

Die Ladungssicherung ist in der VDI-Richtlinie 2700 beschrieben. Diese wird häufig auch in Gerichtsverfahren herangezogen, um zu ermitteln, ob ein Fehler bei der Ladungssicherung vorlag. Die Richtlinien gelten für private wie gewerbliche Transporte gleichermaßen.

Ordnungswidrigkeiten werden mit Bußgeldern von 50 bis 150 Euro geahndet. Dazu kommen je nach Schwere des Verstoßes noch ein bis zwei Punkte im Verkehrszentralregister. Für Gewerbetreibende bedeutet das auch mögliche Ausfälle von Arbeitskräften aufgrund entzogener Fahrerlaubnis.

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Welche Arten der Ladungssicherung gibt es?

Bei der Ladungssicherung wird zwischen Formschluss und Kraftschluss unterschieden. Der Formschluss kann entweder durch ein lückenloses Verladen oder durch Fixierung mit Hilfsmitteln wie Zurrketten, Sperrbalken oder Ladungssicherungsnetzen erreicht werden. Dabei müssen Freiräume durch geeignete Materialien gefüllt werden, um ein Verrutschen zu verhindern. Diese Art der Ladungssicherung kommt nur in Fällen vor, in denen viele verschiedene Ladegüter, wie zum Beispiel Kisten oder Kartons, auf der Ladefläche transportiert werden.

Ladungssicherung Variante Formschluss© Hyundai

Verschiedene Hersteller bieten dafür zum Beispiel aufblasbare Staupolster, die einen Formschluss auch zwischen zwei Paletten ermöglichen. Zusätzlich dazu sollte ein Sicherungsnetz gegen Verrutschen schützen. Mit Hilfe solcher Netze können auch Transporteinheiten innerhalb des Laderaums voneinander getrennt werden. So sind sowohl Formschluss als auch Kraftschluss innerhalb eines Transporters möglich.

Ladungssicherung Variante Kraftschluss© Andreas Gruhl - Fotolia.com

Die häufigste Art der Ladungssicherung ist der Kraftschluss. Hier werden die transportierten Güter mittels Zurren auf die Ladefläche gepresst. „Hilfreich sind hier auch rutschhemmende Matten (zum Beispiel Einweg-Vollpappe, schaumstoffbeschichtete Matten, Antirutschmatten aus Gummigranulat oder Kunststoff), die bereits eine 80-prozentige Ladungssicherung bieten können“, so Ernst Gaugenrieder, Experte für Ladungssicherung bei der Nissan Safety Driving Academy. Wird das Frachtgut nun noch mit Hilfe der Ösen durch Spanngurte gesichert, ist ein Verrutschen auch bei extremen Fahrmanövern ausgeschlossen.

Belastungsgrenzen einhalten

Um Ladungen richtig zu sichern, müssen bei Gurten die Vorspannkräfte, die durch die Ratschen erzeugt werden können, beachtet werden. Diese sind meist auf den Gurten vermerkt und dürfen nicht überschritten werden. Die Vorspannkräfte sind die Grundlage für die Anzahl der Gurte, die benötigt werden. Wichtig ist, dass die Zurrgurte nicht auf rauen oder scharfkantigen Oberflächen gespannt werden. In solchen Fällen müssen Kantenschutzwinkel dazwischen gelegt werden. Je nach Art der Ladung empfiehlt es sich außerdem, das Frachtgut mit Paletten abzudecken und erst dann mit dem Verzurren zu beginnen.

Auch die Belastungsgrenzen der Zurrösen im Ladeboden oder an den Seitenwänden spielen eine wichtige Rolle. Sie dürfen mit dem Gewicht des Frachtgutes nicht überfordert sein. Entsprechende Hinweise finden sich entweder direkt an den Halteringen oder in der Gebrauchsanweisung des Herstellers. In der Regel sind Halteringe im Frachtboden mit 300 bis 500 Dekanewton (daN) angegeben. Teleskopstangen sind je nach Hersteller ähnlich belastbar.

Typische Fehler vermeiden

„Die Sicherung einer Ladung auf einer verschmutzten Ladefläche, mit Kurzhebeldruckratschen niedergezurrt und ohne Antirutschmatten, ist in den meisten Fällen unzureichend“ weiß der Gefahrgut-Beauftragte und VDI-zertifizierte Ausbilder für Ladungssicherheit Sigurd Ehringer. Besonders negativ fällt ihm auf, dass Fahrer und Verlader die Etiketten nicht richtig lesen. Häufig werden die zulässige Zugkraft (LC) und die Vorspannkraft (STF) verwechselt. Hinzu komme "die fehlende Einsicht, dass zwischen der Reibung auf der Ladefläche und der Vorspannkraft ein direkter Zusammenhang besteht", so Ehringer.

Reibungskoeffizienten sollten immer in der Ladungssicherung mit einbezogen werden. Denn bei µ=0,5 (zum Beispiel Stahl auf Holz) wirken nur 50 Prozent der Vorspannkraft. Wichtig ist, die Ladefläche besenrein zu halten und auf die Verwendung von Kurzhebeldruckratschen mit einem STF von unter 400 daN zu verzichten. Es wird darüber hinaus empfohlen, ausschließlich gekennzeichnete und völlig intakte Zurrmittel einzusetzen. Auch Gurte können nämlich mit der Zeit ermüden oder durch Abnutzung ihre Stabilität verlieren.

Systeme für die Ladungssicherung

Bei variablen Transporten von sperrigen Gütern sind sie selten zu finden, im Paketdienst und im Service aber ein Muss: Die Rede ist von festen Einbauten, die viele Hersteller anbieten. Durch solche Einbauten werden nicht nur die gesetzlichen Bestimmungen erfüllt, man sorgt auch gleichzeitig für Ordnung. Für den Transport von kleineren Gütern und Werkzeugen sind Einbauten unverzichtbar und nicht durch eigene Konstruktionen, womöglich aus Holz, zu ersetzen.

Bei einem Unfall oder extremen Fahrsituationen bieten nur geprüfte Einbauten einen geeigneten Schutz. Dazu entfällt bei der Ladungssicherung eine individuelle Planung, da alles in Boxen, Schubladen und Unterflur-Kästen verstaut wird. Bei Pakettransportern werden angeschrägte Regalzeilen mit Ladungssicherungsnetzen eingesetzt, die sowohl eine Vorsortierung als auch eine leichte Sicherung ermöglichen.

Tipp:

Viele Hersteller im Markt bieten kostenlose Zurr-Rechner als App an. Damit lassen sich Maßnahmen zur Ladungssicherung leicht ermitteln und Unfälle vermeiden.

 

 

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