Inhaltsverzeichnis:
- Rechtliche Grundlagen
- Wo steht die Schlüsselzahl 78 oder 197 im Führerschein?
- Welche Fahrzeuge dürfen gefahren werden?
- Bedeutung für das Fuhrparkmanagement
Auf einen Blick
- Schlüsselzahlen auf der Rückseite des Führerscheins geben Auskunft über spezifische Einschränkungen oder Berechtigungen des Fahrers.
- Die Schlüsselzahl 78 beschränkt die Fahrerlaubnis ausschließlich auf Kraftfahrzeuge mit einem Automatikgetriebe.
- Die Schlüsselzahl 197 erlaubt das Führen von Schaltwagen trotz Automatik-Prüfung, sofern zusätzliche Fahrstunden und eine Testfahrt absolviert wurden.
- Fuhrparkverantwortliche müssen diese Codes prüfen, da die Nutzung eines Schaltwagens mit der Kennziffer 78 rechtlich als Fahren ohne Fahrerlaubnis gilt.
Rechtliche Grundlagen
Rechtlich ist die Regelung rund um die Schlüsselzahl 78 bzw. 197 in der Fahrerlaubnis-Verordnung festgehalten. In Paragraf 17a Beschränkung auf Fahrzeuge mit Automatikgetriebe der FeV heißt es:
„(1) Wird die Prüfungsfahrt auf einem Kraftfahrzeug mit Automatikgetriebe durchgeführt, ist die Fahrerlaubnis auf das Führen von Kraftfahrzeugen mit Automatikgetriebe zu beschränken. Satz 1 gilt nicht für den Erwerb einer Fahrerlaubnis der Klassen BE, C1, C1E, C, CE, D1, D1E, D oder DE, wenn der Bewerber bereits Inhaber einer auf einem Kraftfahrzeug mit Schaltgetriebe erworbenen Fahrerlaubnis der Klasse B, BE, C1, C1E, C, CE, D1, D1E, D oder DE ist. Satz 1 ist nicht anzuwenden auf den Erwerb einer Fahrerlaubnis der Klassen AM oder T.
[…]
(4) Der Nachweis über die Befähigung zur sicheren, verantwortungsvollen und umweltbewussten Führung eines Kraftfahrzeuges mit Schaltgetriebe der Klasse B erfolgt durch die Schlüsselzahl 197 in Spalte 12 der die Klasse B betreffenden Zeile des Führerscheins. Der Eintrag der Schlüsselzahl 197 muss binnen eines Jahres nach dem Abschluss der Ausbildung erfolgt sein. Die Schlüsselzahl 197 ist auf Antrag auszutragen, wenn der Inhaber der Fahrerlaubnis dem amtlich anerkannten Sachverständigen oder Prüfer für den Kraftfahrzeugverkehr in einer praktischen Prüfung nachweist, dass er zur sicheren, verantwortungsvollen und umweltbewussten Führung eines Kraftfahrzeuges mit Schaltgetriebe der Fahrerlaubnis der Klassen B, BE, C1, C1E, C, CE, D1, D1E, D oder DE befähigt ist.“
Was bedeutet die Schlüsselzahl 78?
Mit der Schlüsselzahl 78 im Führerschein wird festgehalten, dass der Führerscheininhaber nur Fahrzeuge mit Automatikgetriebe fahren darf. Wer also eine Fahrerlaubnis mit eingetragener Schlüsselzahl 78 hat, darf in der betroffenen Klasse keine Schaltfahrzeuge fahren.
Der Fahrschüler hat seine Fahrausbildung in der Fahrschule demnach nur mit einem Fahrzeug mit Automatikgetriebe absolviert. Dieser ist dann nur dazu berechtigt ein Kraftfahrzeug mit folgenden Voraussetzungen zu führen:
- Kraftfahrzeuge ausschließlich mit Automatikgetriebe
- bis 3500 kg zulässiger Gesamtmasse
- mit Anhänger bis max. 750 kg zulässiger Gesamtmasse oder
- mit Anhänger über 750 kg zulässiger Gesamtmasse, sofern die zulässige Gesamtmasse von Zugfahrzeug und Anhänger max. 3500 kg beträgt
Liegt die Sonderregelung nach §17a Abs. 3 FeV für die Klasse B nicht vor (zusätzlich praktische Ausbildung mit einem Schaltwagen absolviert), wird die Schlüsselzahl 78 im Führerschein eingetragen.
Die Schlüsselzahl 78 kann im Nachgang aufgehoben werden, wenn eine praktische Befähigung zum Führen eines Schaltfahrzeugs nachgewiesen wird.
Was gilt als Fahrzeug mit Automatikgetriebe?
Hierauf gibt ebenfalls die Fahrerlaubnis-Verordnung eine Antwort: „(5) Als Kraftfahrzeug mit Automatikgetriebe gilt ein Kraftfahrzeug, das ohne Schaltgetriebe ausgestattet ist. Als Kraftfahrzeug mit Schaltgetriebe gilt ein Kraftfahrzeug, das
- über ein Kupplungspedal verfügt, das der Fahrer jeweils beim Anfahren oder beim Anhalten des Fahrzeuges sowie beim Gangwechsel bedienen muss, oder
- im Fall der Klassen A1, A2 und A über einen von Hand zu bedienenden Kupplungshebel verfügt, den der Fahrer jeweils beim Anfahren oder beim Anhalten des Fahrzeuges sowie beim Gangwechsel bedienen muss.“ (§ 17a Abs. 5 FeV).
Was bedeutet die Schlüsselzahl 197?
Die Schlüsselzahl 197 weist darauf hin, dass die Fahrprüfung mit einem Fahrzeug mit Automatikgetriebe absolviert wurde und zusätzlich eine praktische Ausbildung für Schaltfahrzeuge nachgewiesen wurde. Hier liegt keine Beschränkung für Schaltfahrzeuge vor.
Die Voraussetzungen für die Fahrausbildung:
-
Zusätzlich zehn Fahrstunden á 45 Minuten mit einem Schaltfahrzeug.
-
Zusätzlich eine Testfahrt von 15 Minuten mit einem Fahrlehrer inner- und außerorts.
Danach kann die Fahrschule eine entsprechende Bescheinigung ausstellen. Die Eintragung im Führerschein erfolgt dann mit dem Zusatz Schlüsselzahl 197.
Ist die Schlüsselzahl 197 einmal im Führerschein eingetragen, ist sie auch uneingeschränkt gültig. Ein Ablaufdatum gibt es nicht. Lediglich der Führerschein im Allgemeinen läuft spätestens im Jahr 2033 und danach alle 15 Jahre ab.
Die Eintragung zur Schlüsselzahl 197 muss innerhalb eines Jahres nach Abschluss der Fahrausbildung erfolgen.
Wie kann die Schlüsselzahl 78 auf die 197 umgeschrieben werden?
Noch gültige Führerscheine mit Schlüsselzahl 78 können auf die Nummer 197 umgeschrieben werden. Voraussetzung hierfür ist die zusätzliche praktische Ausbildung auf Schaltfahrzeugen, die von einer Fahrschule bestätigt wird. Danach wird die Schlüsselzahl 78 ausgetragen und die 197 eingetragen. Somit bestehen keine Einschränkungen mehr für die Nutzung von Schaltfahrzeugen trotz absolvierter Prüfung mit einem Automatikwagen.
Hinweis: Die Umschreibung der Schlüsselzahl 78 auf 197 gilt nicht automatisch für alle aufbauenden Führerscheinklassen, wie beispielsweise BE. Es ist also durchaus möglich, dass man für die Führerscheinklasse B die Berechtigung 197 eingetragen bekommt, aber für die Führerscheinklasse BE weiterhin die Zahl 78 gilt. Hierbei ist eine genaue Absprache mit der Fahrschule entscheidend.
Was kostet das Umschreiben von Schlüsselzahl 78 auf Schlüsselzahl 197?
Für die Umschreibung sollten Sie mit ca. 600 bis 1.100 Euro rechnen. Der größte Kostenblock sind fast immer die Fahrstunden; die Behördengebühr ist vergleichsweise klein.
Die Kosten für Fahrstunden liegen zwischen 60 bis 100 Euro je Stunde. Für die Eintragung bei der Führerscheinstellen fallen zusätzlich Gebühren an, diese liegen bei durchschnittlich 28,60 Euro. Zusätzlich können Kosten für den neuen Führerschein in Höhe von 10,20 Euro anfallen.
Welche Unterlagen werden für die Umschreibung benötigt?
Für die Umschreibung sind folgende Unterlagen erforderlich:
-
Gültiger Personalausweis oder Reisepass
-
aktueller Führerschein im Original
- Schaltkompetenznachweis / Bescheinigung der Fahrschule für B197
Wichtig: Für die nachträgliche Eintragung der 197 ist der Nachweis der Fahrschule der zentrale Punkt. Viele Behörden bezeichnen ihn als Schaltkompetenznachweis nach Anlage 7 der Fahrschüler-Ausbildungsordnung bzw. als Nachweis der Fahrerschulung.
Wo steht die Schlüsselzahl 78 oder 197 im Führerschein?
Wie auch andere Schlüsselzahlen im Führerschein werden die Schlüsselzahlen 78 und 197 auf der Rückseite des Führerscheins in Spalte Nummer 12 (Zusatzinfo) eingetragen. Der Zusatz erfolgt dann genau in der Zeile der jeweils betroffenen Führerscheinklasse.
Welche Fahrzeuge dürfen gefahren werden?
| Schlüsselzahl 78 | Schlüsselzahl 197 |
|
In der betroffenen Klasse dürfen nur Fahrzeuge mit Automatikgetriebe gefahren werden.
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Bei Klasse B dürfen gefahren werden:
Das heißt praktisch:
|
Aber wichtig:
- Die 197 wirkt nur in Bezug auf Klasse B.
- Bei späteren Erweiterungen auf BE, C1, C1E, C, CE, D1, D1E, D, DE kann bei einer Prüfung auf Automatik dort wieder eine 78-Beschränkung entstehen.
Bedeutung für das Fuhrparkmanagement
| Schlüsselzahl 78 | Schlüsselzahl 197 | |
| Fahrzeuge |
Mitarbeiter dürfen nur Automatikfahrzeuge in der betroffenen Klasse fahren. |
Für Pkw der Klasse B ist der Fahrer im Regelfall flexibel einsetzbar, also auf Automatik und Schalter. |
| Bedeutung für den Fuhrpark |
Im Fuhrpark muss also sichergestellt sein, dass diesen Fahrern keine Schaltfahrzeuge zugewiesen werden. Disposition, Poolfahrzeuge, Werkstatt-Ersatzwagen, Mietwagen und Auslandsfahrzeuge müssen entsprechend geprüft werden. |
Für einen Pkw-Fuhrpark ist 197 daher oft deutlich einfacher zu managen als 78. |
| Risiko |
Wird trotzdem ein Schaltfahrzeug gefahren, liegt ein Fahren ohne passende Fahrerlaubnis vor. Das ist für Fahrer und Unternehmen haftungs- und compliance-seitig kritisch. |
Trotzdem muss bei Fahrerlaubniserweiterungen genau hingeschaut werden: Hat der Mitarbeiter z. B. zusätzlich C1/C/DE und dort eine Automatikbeschränkung, kann er im Nutzfahrzeugbereich trotz B197 eingeschränkt sein. |
Als Arbeitgeber oder Fuhrparkverantwortlicher ist man ohnehin dazu verpflichtet, den Führerschein in regelmäßigen Abständen auf seine Gültigkeit zu prüfen Andernfalls drohen bei unzureichenden Kontrollen rechtliche Konsequenzen.
Entscheidend dabei ist jedoch, dass nicht nur die Gültigkeit des Dokuments auf der Vorderseite geprüft wird, sondern auch die hinterlegten Fahrerlaubnisklassen und deren Zusätze oder Beschränkungen.
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