Dienstfahrrad statt Dienstwagen: Alle Infos rund ums E-Bike im Fuhrpark

Nicht erst seit dem Dieselskandal suchen Fuhrparkmanager nach alternativen Mobilitätsmöglichkeiten. Die Suche beschränkt sich dabei nicht mehr nur auf den Automobilbereich. In den vergangenen Jahren sind E-Bikes oder Pedelecs immer mehr in das Interesse der Fuhrparkverantwortlichen gerückt. Rund 100.000 neue Diensträder sollen jährlich auf deutschen Straßen hinzukommen. Möchten Arbeitgeber ihren Mitarbeitern Dienstfahrräder zur Verfügung stellen, gibt es jedoch einige Punkte, die dabei berücksichtigt werden müssen – insbesondere wenn es sich dabei um E-Bikes handelt. Wir verschaffen einen Überblick rund ums E-Bike als Dienstrad.

Im Überblick: E-Bike ist nicht gleich E-Bike

Was im Volksmund mittlerweile allgemein unter E-Bike verstanden wird, differenziert sich normalerweise in drei verschiedene Arten von Fahrrädern mit elektronischem Antrieb. Man unterscheidet die E-Fahrradtypen Pedelec 25, S-Pedelec oder Pedelec 45 und Elektrofahrräder (also E-Bikes) voneinander. Die Unterschiede liegen nicht nur in der Ausstattung und Benutzung, sondern auch aus verkehrsrechtlicher Sicht differenzieren sie sich.

Pedelec 25 (mit Anfahrhilfe)

Das mit Abstand beliebteste und meist verbreitete Elektrofahrrad in Deutschland (und Europa) ist das sogenannte Pedelec, was für Pedal Electric Cycle steht. Wie der Name schon verrät, wird der Fahrer nur durch einen Elektroantrieb unterstützt, wenn er in die Pedalen tritt. Die elektronische Unterstützung reicht bis maximal 25km/h mit bis zu 250 Watt. Aus diesem Grund zählt das Pedelec, anders als die anderen beiden E-Fahrradtypen, auch gemäß Straßenverkehrsgesetz zu den Fahrrädern (§ 1 Abs. 3 StVG). Die Pedelecs 25 gibt es wiederum in zwei Ausführungen, mit und ohne Antriebshilfe. Letzteres heißt, dass ein automatischer Antrieb mit bis zu 6 km/h integriert ist. Für Geschwindigkeiten darüber hinaus muss wieder in die Pedalen getreten werden (max. 25 km/h).

Der Gruppe der Fahrräder zugehörig gibt es für Pedelecs grundsätzlich kein Mindestalter bezogen auf die Nutzung (vgl. § 2 Abs. 5 StVO). Zudem ist kein Führerschein notwendig oder eine Helmpflicht vorgeschrieben. Die Benutzung des Fahrradweges ist mit einem Pedelec ebenso zulässig wie der Transport von Kindern in einem Anhänger oder einem Kindersitz (letzteres bei Kindern bis sieben Jahren). Auch der Abschluss einer Haftpflichtversicherung und die Verwendung eines Kennzeichens sind bei Pedelecs nicht erforderlich. Der Abschluss einer privaten Haftpflichtversicherung und ggf. einer Diebstahlversicherung wird jedoch häufig empfohlen.

Auch wenn die Nutzung eines Helmes weder beim Pedelec 25 noch beim klassischen Fahrrad verpflichtend ist, ist das Tragen insbesondere wegen der deutlich höheren Durchschnittsgeschwindigkeit als bei einem klassischen Fahrrad in jedem Fall ratsam.

 

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S-Pedelec oder Pedelec 45

Die Speed Pedelecs oder Pedelecs 45 funktionieren genauso wie die Pedelecs 25, zählen jedoch aus verkehrsrechtlicher Sicht zu den Kleinkrafträdern. Grund dafür ist die maximale Geschwindigkeit von 45km/h mit bis zu 500 Watt Motorleistung. Eine Betriebserlaubnis ist erforderlich, ebenso wie die Fahrerlaubnis über die Führerscheinklasse AM (die bspw. beim Bestehen der Führerscheinklasse B erlangt wird). Zudem besteht eine Kennzeichenpflicht und eine Haftpflichtversicherung wird gefordert. Pedelecs 45 müssen einen Rückspiegel haben und seit 2013 besteht außerdem Helmpflicht.

E-Bike

E-Bikes wiederum gehören zur Gruppe der Leichtmofa und Kleinkrafträder abhängig von ihrer maximalen Leistung. E-Bikes, die bis zu 25km/h fahren, gehören zur Gruppe der Mofas. Benötigt wird daher auch für sie nur ein Mofa-Führerschein. Das Mindestalter beträgt 15 Jahre. E-Bikes mit einer maximalen Geschwindigkeit von 45km/h fallen unter die Kategorie der Kleinkrafträder und dürfen erst ab 16 Jahren gefahren werden. Für sie ist die Führerscheinklasse AM Voraussetzung. Auch hier sind Betriebserlaubnis und Kennzeichen erforderlich.

Für die Nutzung von E-Bikes und Pedelecs 45 wird die Führerscheinklasse AM vorausgesetzt. Nutzen Dienstfahrradfahrer diese Fahrradtypen, müssen auch ihre Führerscheine regelmäßig kontrolliert werden.

 

Übersicht E-Bike Typen

E-Bike und DGUV?

Wenn Mitarbeiter E-Bikes als Ersatz für den Firmenwagen nutzen, stellt sich natürlich die Frage, ob und in wieweit dafür die DGUV-Regeln gelten. Durch die dienstliche Nutzung der Fahrräder fallen diese nämlich unter die DGUV Vorschrift 70 Fahrzeuge. Allerdings betrifft dies nicht alle E-Bike-Typen, sondern nur die maschinell angetriebenen. So heißt es in § 2 Abs. 1 der DGUV Vorschrift 70: „Fahrzeuge im Sinne dieser Unfallverhütungsvorschrift sind maschinell angetriebene, nicht an Schienen gebundene Landfahrzeuge und deren Anhängefahrzeuge.“ Das Pedelec hingegen wird nur in Bewegung versetzt, wenn der E-Bike-Fahrer in die Pedale tritt. Ohne den menschlichen Antrieb funktionieren Pedelecs folglich nicht. Die Voraussetzung für die Anwendbarkeit der DGUV Vorschrift 70 fehlt somit. Die Sachkundigen-Prüfung nach UVV muss allerdings beim Pedelec 45 durchgeführt werden, da dieses bereits als Kleinkraftrad gilt und somit unter die Unfallverhütungsvorschrift fällt. 

Während bei der Fahrzeugprüfung nach UVV zwischen den E-Bikes differenziert wird, muss die Fahrerunterweisung nach UVV bei der Nutzung aller Fahrräder angewandt werden, sofern es sich dabei um eine dienstliche Nutzung handelt. Das heißt, dass das Firmen-E-Bike während der Arbeitszeit für betriebliche Erledigungen genutzt wird.  

Dienstradsteuer: Fahrtenbuch oder 1-Prozent-Regel?

2012 wurde von den Finanzbehörden entschieden, dass für alle Diensträder die gleichen steuerlichen Regelungen gelten wie für Dienstwagen. Demnach muss der Arbeitgeber das Dienstrad, genau wie einen Dienstwagen, als geldwerten Vorteil versteuern, wenn die Nutzung des E-Bikes auf für private Zwecke freigegeben wird. Während man beim Dienstwagen die Wahl zwischen (elektronischem) Fahrtenbuch oder der 1-Prozent-Regelung hat, ist die Diskrepanz zwischen Aufwand und Ertrag zu gering, als dass das Führen eines Fahrtenbuchs beim Dienstfahrrad lohnenswert wäre. Nach der 1-Prozent-Regelung wird die private Nutzung insgesamt mit einem Prozent der auf volle 100 Euro abgerundeten unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers, Importeurs oder Großhändlers zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme des Fahrrads einschließlich der Umsatzsteuer angesetzt (Bruttolistenpreis). Im Gegenzug aber kann der Dienstfahrradfahrer die Kilometerpauschale von 0,30 Euro je Entfernungskilometer für den Arbeitsweg geltend machen. Ein weiteres Plus ist, dass der mit dem Dienstrad zurückgelegte Weg zur Arbeit nicht mit je 0,03 Prozent je Entfernungskilometer zusätzlich versteuert werden muss – so wie es beim Dienstwagen der Fall ist. Allerdings gilt diese Regelung nur für E-Bikes, die nicht als Kleinkraftrad eingestuft werden.

E-Bike Leasing

Die Anschaffungskosten eines guten E-Bikes können unter Umständen mehrere Tausend Euro betragen, weshalb sich ein Leasing lohnen kann. Dafür arbeiten Unternehmen häufig mit speziellen Fahrradleasing-Agenturen zusammen. Das Prinzip funktioniert dabei ähnlich wie beim normalen Fahrzeugleasing. Der Arbeitgeber schließt mit einem entsprechenden Anbieter einen Rahmenvertrag ab - beispielsweise über 36 Monate. Die monatlichen Leasingraten werden dann über Gehaltsumwandlung vom Bruttogehalt des Arbeitnehmers einbehalten. Dadurch sinkt auch das zu versteuernde Einkommen. Am Ende der Laufzeit kann der Arbeitnehmer entscheiden, ob er das Fahrrad kaufen möchte oder sich ein neues Rad zu den gleichen oder ähnlichen Konditionen aussucht. Die Leasingraten werden vom Unternehmen indes als Betriebsausgaben abgesetzt. Neben den Leasingkonditionen können im Rahmenvertrag auch Aspekte wie Diebstahl-, Unfall- und Reparaturkostenversicherung vereinbart werden.

Neben der Neuanschaffung von E-Bikes kann auch eine Umrüstung sinnvoll sein. Normale Fahrräder können so mit einem elektrischen Motor ausgestattet werden. Eine Umrüstung ist in der Regel günstiger und unkompliziert, weshalb diese insbesondere für kleinere Flotten sinnvoll sein kann.

 

Dienstradüberlassungsvertrag sinnvoll

Ähnlich wie beim Dienstwagen kann es durchaus Sinn ergeben, den Umfang der Dienstradüberlassung vertraglich zu regeln. Neben Aspekten, wie beispielsweise der Überlassung des Dienstrades, dem Umfang zulässiger privater Nutzung oder Regelungen bei Unfällen oder Diebstählen, kann hier auch das Tragen eines Fahrradhelmes bei nicht-motorisierten Fahrrädern oder E-Bikes bis zu 25km/h vorgeschrieben werden. Auch wenn keine gesetzliche Helmpflicht besteht, kann das Tragen während der betrieblichen Nutzung aus Sicht der Unfallversicherung jedoch erforderlich sein.

Fazit: E-Bike als Dienstwagenersatz

Ein Auto kann ein Elektrofahrrad zwar nicht ersetzen, aber für Arbeitnehmer, die einen kurzen Arbeitsweg von 15-20 km haben, kann es eine gute Alternative sein. Sie lassen sich auch als Poolfahrzeuge nutzen, um beispielsweise kleinere Botengänge oder lokale Erledigungen zu machen. Darüber hinaus gibt es weitere gute Gründe, warum die Einführung von E-Bikes im Fuhrpark sinnvoll sein kann:

  • Mitarbeiter bleiben durch die regelmäßige Bewegung fit und gesund
  • Einsparungen von Parkkosten und Stellplätzen für Fahrzeuge
  • Geringer Wartungsaufwand und Kosten
  • Steuerliche Vorteile für Arbeitgeber und Arbeitnehmer
  • Verringerung von CO2-Emissionen
  • E-Bike als Motivationssteigerung der Mitarbeiter 
Als Dienstfahrrad können selbstverständlich nicht nur elektronisch betriebene Fahrräder eingesetzt werden. Auch klassische Fahrräder, Rennräder oder ähnliches können sich als Dienstwagenersatz eignen.

 

Unternehmen sollten nur sicherstellen, dass einheitliche Regelungen für die Nutzung der Dienstfahrräder aufgestellt und die Vorschriften der Unfallversicherung eingehalten werden. Dazu zählt neben der regelmäßigen Sachkundigen-Prüfung auch die Fahrerunterweisung nach UVV. Bei schnellen E-Bikes über 25 km/h muss zudem sichergestellt werden, dass die Dienstfahrradnutzer einen gültigen Führerschein besitzen. Auch dieser sollte zweimal jährlich kontrolliert werden.

 

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