Automatisches Notrufsystem der EU für neue Fahrzeugmodelle Pflicht

Seit vergangener Woche ist das Notrufsystem eCall für alle neu zugelassenen Fahrzeuge in der EU Pflicht. Damit möchte das EU-Parlament erreichen, dass Verletzte im Straßenverkehr schneller versorgt werden können und so der jährlich hohen Zahl an Verkehrstoten entgegenwirken. Der Beschluss fiel bereits 2015. Jetzt tritt das Notrufsystem der EU für neue Automodelle in Kraft. Wie es funktioniert, welche Vorteile es mit sich bringt und welche Bedeutung es für das Fuhrparkmanagement hat, lesen Sie hier.

Jährlich tausende Verkehrstote

Im Jahr 2016 kamen mehr als 25.500 Menschen auf europäischen Straßen ums Leben und rund 135.000 Personen wurden schwer verletzt. Zwar sinkt die Zahl der jährlichen Verkehrsopfer immer weiter, jedoch nicht schnell genug. Die EU hatte sich zum Ziel gesetzt, tödliche Unfälle im Straßenverkehr bis zum Jahr 2020 im Vergleich zum Jahr 2010 zu halbieren. Mit Hilfe neuer Fahrsysteme, wie dem eCall-Notrufsystem sollen die Straßen jetzt noch sicherer werden. Hauptursache für die meisten Unfälle ist bislang immer noch menschliches Versagen.

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Das eCall-System

Kommt es mit einem Fahrzeug zu einem schweren Unfall, kann das elektronische System automatisch einen Notruf absetzen. Dies ist dank eingebauter Crash-Sensoren und der Steuerung des Airbags möglich. Das System greift jedoch nur, wenn der Airbag des Fahrzeugs ausgelöst wird. Kleinere Unfälle werden nicht erfasst. Ein zusätzlicher SOS-Knopf kann allerdings bei medizinischen Notfällen oder Pannen per Hand bedient werden, wodurch ebenfalls ein Notruf abgesetzt wird. Wird dieser manuell oder automatisch ausgelöst, wird die europaweite Notrufnummer 112 über den Mobilfunk gewählt.

eCall Notrufsystem

Über Satellitenverbindungen werden unter anderem Informationen wie Standort, die Fahrtrichtung und Identifikationsnummer des Fahrzeugs sowie die Uhrzeit des Unfalls an eine nahegelegene Rettungsstation gesendet. Eine Freisprecheinrichtung ermöglicht zudem die Kommunikation zwischen Rettungskräften und Verletzten, sofern diese dazu in der Lage sind. Das System benötigt somit neben der Verbindung zur Freisprechanlage und den Airbags auch GPS- und Galileo-Ortungsdaten, eine Mobilfunkantenne sowie eine eingebaute Sim-Karte.

Bedenken gegenüber Notrufsystemen

Besonders Datenschützer kritisieren, dass die Systeme zahlreiche Informationen sammeln und speichern. Aus diesem Grund muss eCall die Möglichkeit bieten, alle Daten vollständig und dauerhaft löschen zu können. Dies hatte die EU zuvor beschlossen. Auch die Weitergabe von Daten an Dritte seitens der Rettungsstellen ist nur bei ausdrücklicher Zustimmung der betroffenen Personen erlaubt. Der ADAC warnt indes davor, dass ähnliche herstellerbezogene Systeme häufig zunächst eine „private Notrufzentrale“ anwählen, welche dann erst die zuständige Rettungsstelle kontaktiert. Dabei können entscheidende Minuten bei der Lebensrettung verloren gehen. Eigene Systeme von Herstellern können künftig jedoch nur zusätzlich eingebaut werden und dürfen das eCall-System nicht ersetzen. 

Europäisches Notrufsystem nicht bei älteren Modellen

Eine Nachrüstung des europäischen Notrufsystems in ältere Fahrzeugmodellen ist nicht vorgesehen. Stattdessen kann aber auf vergleichbare Modelle wie Unfallmeldestecker zurückgegriffen werden. Dieser Stecker wird von vielen Versicherungen oder Werkstattketten angeboten und benötigt meist nur den Zigarettenanzünder-Anschluss (12V Steckdose) oder eine OBD-Schnittstelle sowie ein Smartphone, auf welchem die entsprechende Unfallmelde-App installiert wird. Sobald der Stecker einen Unfall erkennt, werden wichtige Informationen via Bluetooth an die Unfallmelde-App geschickt, die wiederum den Notruf auslöst. Auch hier lässt sich der Notruf manuell auslösen. Sofern keine Störungen während der Fahrt vorliegen, sollen die Systeme keine Daten speichern. Für die Nutzung des Unfallmeldesteckers fallen meist sowohl ein einmaliger Kaufpreis als auch eine monatliche Gebühr an.

Bedeutung für das Fuhrparkmanagement

Mit zunehmender Digitalisierung sind der richtige Umgang mit persönlichen Daten und die Einhaltung des Datenschutzes umso wichtiger. Fuhrparkmanager sollten daher immer und insbesondere bei digitalen oder automatisierten Lösungen genau darauf achten, ob datenschutzrechtliche Anforderungen erfüllt werden. Dass diese Anforderungen erfüllt sind, können beispielsweise Zertifizierungen nachweisen.  Unabhängig von der Verwendung von Notrufsystemen sollten Fuhrparkverantwortliche zudem sicherstellen, dass Dienstwagennutzer wissen, was im Falle eines Unfalls zu tun ist. Dies kann ganz einfach mittels einer regelmäßigen (digitalen) Fahrerunterweisung abgedeckt werden.

Deutschland 2017 auf tiefstem Wert seit 60 Jahren

Auch auf deutschen Straßen sinkt die Zahl der Verkehrsopfer immer weiter, weshalb Deutschland im europäischen Vergleich unter dem Durchschnitt der Verkehrstoten pro Millionen liegt. Im vergangenen Jahr sank diese auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Erfassung vor über 60 Jahren.  Gleichzeitig stieg jedoch die Zahl der aufgenommenen Unfälle um 2,0% im Vergleich zum Vorjahr auf rund 2,6 Millionen. Während weniger Autofahrer unter den Opfern waren, gab es mehr tödliche Unfälle bei Motorrad- und LKW-Fahrern.

 

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