Oh Tannenbaum: Tipps zum sicheren Transport Ihres Weihnachtsbaums

Etwas mehr als die Hälfte aller rund 40 Millionen Haushalte in Deutschland stellt sich jedes Jahr aufs Neue einen Weihnachtsbaum auf. Dabei entscheiden sich die meisten für die bekannte Nordmanntanne. Bevor der Baum aber im heimischen Wohnzimmer platziert und geschmückt werden kann, muss er zunächst irgendwie nach Hause transportiert werden. Doch Vorsicht – der falsche Transport des Weihnachtsbaums kann nicht nur gefährlich für Sie oder andere Verkehrsteilnehmer sein, sondern auch ein Bußgeld nach sich ziehen. Wir zeigen, wie Sie Ihren Weihnachtsbaum sicher und bußgeldfrei nach Hause transportieren können.

Inhaltsverzeichnis:

Gesetzliche Grundlage: Ladungssicherung

Für Weihnachtsbäume gelten, wie für jede andere zu sichernde Ladung, gesetzliche Vorschriften. Wie eine Ladung richtig zu sichern ist, ist in der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) festgehalten. In Paragraf 22 Ladung, Abs. 1 heißt es:

„Die Ladung einschließlich Geräte zur Ladungssicherung sowie Ladeeinrichtungen sind so zu verstauen und zu sichern, dass sie selbst bei Vollbremsung oder plötzlicher Ausweichbewegung nicht verrutschen, umfallen, hin- und herrollen, herabfallen oder vermeidbaren Lärm erzeugen können. Dabei sind die anerkannten Regeln der Technik zu beachten.“

Zusätzlich enthält der Paragraf Angaben zur maximalen Breite und Höhe der Ladung, die nicht überschritten werden dürfen. Die ordnungsgemäße Ladungssicherung richtet sich dabei in erster Linie an den Fahrzeugführer, der nach Paragraf 23 StVO unter anderem dafür zu sorgen hat, „dass das Fahrzeug, der Zug, das Gespann sowie die Ladung und die Besetzung vorschriftsmäßig sind und dass die Verkehrssicherheit des Fahrzeugs durch die Ladung oder die Besetzung nicht leiden".

Wenn Fahrzeugführer und Fahrzeughalter nicht ein und dieselbe Person sind, geht die Verantwortung auch auf den Fahrzeughalter über. Wird das Fahrzeug dienstlich genutzt, hat der Halter im Rahmen der Vorschriften zum Arbeitsschutz und zur Arbeitssicherheit (DGUV Vorschriften), sicherzustellen, dass der Fahrzeugführer regelmäßig zur Ladungssicherung und anderen relevanten Themen unterwiesen wird. Diese Fahrerunterweisung muss regelmäßig, aber mindestens einmal jährlich durchgeführt werden. Andernfalls ist der Versicherungsschutz gefährdet und ein hohes Bußgeld droht.

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Weihnachtsbaum als gefährliches Geschoss

Bei mangelnder Sicherung des zu transportierenden Tannenbaums kann es für den Fahrer und andere Verkehrsteilnehmer brenzlig werden. In verschiedenen Tests des ADAC hat sich gezeigt, dass eine 30 kg schwere Tanne bei einem Unfall mit 50 km/h Kräfte von bis zu 750 kg entwickeln kann, die auf die Befestigungen wirken. Ohne Sicherung und bei einer Vollbremsung wird der geliebte Weihnachtsbaum so schnell zum gefährlichen Geschoss. Aus diesem Grund sind besondere Sicherheitsvorkehrungen beim Baumtransport unerlässlich. Diese erläutern wir Ihnen im Folgenden.

Möglichkeiten, den Weihnachtsbaum zu transportieren

Wer einen echten Tannenbaum kaufen möchte, sollte sich bereits vor dem Kauf Gedanken darüber machen, wie dieser transportiert werden soll. Dementsprechend sollte der Weihnachtsbaum nicht nur nach der Optik ausgesucht werden, sondern auch nach der Handhabbarkeit beim Transport. Passt die auserwählte Tanne überhaupt in das Fahrzeug? Bei Autos ohne spezielle Transportvorrichtung fällt die Wahl meistens auf den Kofferraum oder das Dach.

Transport des Weihnachtsbaums im Kofferraum

Der Weihnachtsbaumtransport im Kofferraum einfach erklärt:

  1. Klappen Sie die Rückbank um.
  2. Legen Sie eine Decke und/ oder Unterlage ins Auto, um hinterher leicht alle Tannennadeln entfernen zu können.
  3. Verstauen Sie den Baum so im Kofferraum, dass der Stamm Richtung Fahrer zeigt und an die Rückenlehne anschließt.
  4. Verwenden Sie reißfeste Gurte und zurren diese erst um den Stamm und dann um den restlichen Baum. Nur so kann gewährleistet werden, dass der Baum während der Fahrt sicher befestigt ist.
  5. Schließen Sie die Heckklappe oder klappen Sie diese soweit wie möglich nach unten und fixieren sie. Achtung bei leicht geöffnetem Kofferraum! Öffnen Sie eines der Seitenfenster einen kleinen Spalt, damit eindringende Abgase direkt wieder entweichen können.

Der Weihnachtsbaumtransport im Kofferraum eignet sich besonders bei kleinen Bäumen und wenn kein Trägersystem auf dem Dach vorhanden ist. Wer über Letzteres nicht verfügt und auch sonst keine andere Möglichkeit des Transports hat, sollte vorab ausmessen, wie groß der Baum maximal sein darf, um im Kofferraum transportiert zu werden. Wer dennoch nicht auf eine große Tanne verzichten und den Kofferraum nutzen möchte, muss beachten, dass der Baum – so wie Ladung im allgemeinen – nicht mehr als 1,50 m aus dem Kofferraum ragen darf. Zudem muss der „Überstand“ mit einem roten, 30 x 30 cm großen Fähnchen gekennzeichnet werden, damit der herausstehende Baum für Autofahrer deutlich erkennbar ist. Dazu heißt es in Paragraf 22 Absatz 4 StVO

(4) Nach hinten darf die Ladung bis zu 1,50 m hinausragen, jedoch bei Beförderung über eine Wegstrecke bis zu einer Entfernung von 100 km bis zu 3 m; die außerhalb des Geltungsbereichs dieser Verordnung zurückgelegten Wegstrecken werden nicht berücksichtigt. Fahrzeug oder Zug samt Ladung darf nicht länger als 20,75 m sein. Ragt das äußerste Ende der Ladung mehr als 1 m über die Rückstrahler des Fahrzeugs nach hinten hinaus, so ist es kenntlich zu machen durch mindestens
1. eine hellrote, nicht unter 30 x 30 cm große, durch eine Querstange auseinandergehaltene Fahne,
2. ein gleich großes, hellrotes, quer zur Fahrtrichtung pendelnd aufgehängtes Schild oder
3. einen senkrecht angebrachten zylindrischen Körper gleicher Farbe und Höhe mit einem Durchmesser von mindestens 35 cm.
Diese Sicherungsmittel dürfen nicht höher als 1,50 m über der Fahrbahn angebracht werden. Wenn nötig (§ 17 Absatz 1), ist mindestens eine Leuchte mit rotem Licht an gleicher Stelle anzubringen, außerdem ein roter Rückstrahler nicht höher als 90 cm.

(§ 22 Abs. 4 StVO)

Transport des Weihnachtsbaums auf dem Dach

Der Weihnachtsbaumtransport auf dem Autodach einfach erklärt:

  1. Um mögliche Kratzer im Lack zu vermeiden, wickeln Sie den Baum vorsichtig in eine Decke ein oder legen Sie eine Decke unter.
  2. Richten Sie den Baum so aus, dass die Spitze nach hinten beziehungsweise zum Heck zeigt.
  3. Auch beim Dachtransport muss der Baum mit Gurten gesicherten werden. Wie auch beim Transport im Kofferraum reichen Expander hier nicht aus. Verwenden Sie möglichst Spanngurte und zurren Sie sowohl den Baum als auch den Stamm fest.
  4. Befestigen Sie den Baum mittels der Spanngurte an der Dachreling oder dem Dachgepäckträger.
  5. Achten Sie zudem darauf, dass der Baum nicht seitlich oder nach vorne übersteht und Ihnen möglicherweise die Sicht versperrt.

Egal, für welche Variante Sie sich entscheiden: Insbesondere für den Transport auf dem Dach sollten Sie Ihre Fahrweise entsprechend der Ladung anpassen. In Kurven und beim Bremsen sowie Beschleunigen ist besondere Vorsicht geboten. Halten Sie immer genügend Abstand zu Ihrem Vordermann ein.

Transport im Fahrzeuginnenraum

Der Weihnachtsbaum kann darüber hinaus noch im Innenraum des Fahrzeugs, also auf der Rückbank Richtung Fahrerraum - transportiert werden. Diese Methode eignet sich ebenfalls eher bei kleineren Bäumen. Auch hier ist auf eine entsprechende Fixierung durch Spanngurte zu achten. Zudem muss darauf geachtet werden, dass der Baum den Fahrer nicht während der Fahrt behindert oder seine Sicht nach draußen und in die Seitenspiegel verhindert.

Transporter und Anhänger nutzen:

Die einfachsten Möglichkeiten, um einen Baum zu transportieren, sind ein Kleintransporter oder ein Anhänger. Wer keine eigenen hat, kann diese selbstverständlich mieten. Zu berücksichtigen sind hier allerdings die Kosten, die durchaus höher ausfallen können, als der Weihnachtsbaum selbst kostet. Der Vorteil ist, dass die Fahrzeugtypen ausreichend Platz für den Baum haben und dieser nicht während der Fahrt stört. Allerdings dürfen auch hier Zurrgurte und somit eine ordnungsgemäße Sicherung nicht fehlen. Um einen Kleintransporter und/ oder Anhänger nutzen zu können, sind mitunter weitere Führerscheinklassen notwendig. Eine Übersicht für welchen Fahrzeugtyp welche Führerscheinklasse erworben werden muss, haben wir in unserem Beitrag zusammengestellt.

Transport mit dem (Lasten-)Rad & ÖPNV

Wer kein Auto hat und/ oder generell mit dem Rad oder ÖPNV unterwegs ist, kann den Weihnachtsbaum auch damit transportieren. Insbesondere in Großstädten besitzt nicht jeder Haushalt ein eigenes Fahrzeug oder möchte beim städtischen Verkehr kein Fahrzeug für den Transport mieten. Beim Fahrrad ist, ähnlich wie beim Fahrzeug, darauf zu achten, dass der Baum entsprechend gesichert und geschnürt ist. Die Sicht muss frei bleiben und die Verkehrssicherheit darf nicht gefährdet werden. Auf dem Gepäckträger transportiert, ist zudem darauf zu achten, dass der Baum nicht mehr als einen Meter links und rechts vom Gepäckträger aus übersteht. Die Variante kommt folglich eher nur bei kleineren Bäumen infrage. Deutlich einfacher und sicherer ist der Transport mit dem Lastenrad, welches nicht so schnell ins Schlingern gerät.

Wer seinen Baum in Bus oder Bahn transportieren möchte, sollte Stoßzeiten vermeiden. Zudem sollte berücksichtigt werden, dass manche Verkehrsbetriebe für sperrige Ladung wie einen Baum ein eigenes Ticket verlangen.

Falsche Beladung: Dieses Bußgeld droht

Wird die Tanne nicht richtig gesichert, droht ein saftiges Bußgeld und der Weihnachtsbaumkauf wird zu einem teuren Vergnügen. Dabei reicht es schon aus, wenn Sie von der Polizei erwischt werden. Häufige Vergehen im Zusammenhang mit dem Weihnachtsbaumtransport im Überblick:

Vergehen

Strafe/ Bußgelder

Ladung bzw. der Baum ist höher und breiter als zulässig.

20 Euro

Die rote Warnfahne zur Ladungskennzeichnung fehlt

25 Euro

Der Baum ist nicht verkehrssicher verstaut.

35 Euro

Der Baum ist nicht verkehrssicher verstaut, wodurch andere Verkehrsteilnehmer gefährdet wurden.

60 Euro und ein Punkt

Der Baum ist nicht verkehrssicher verstaut und es kommt zu einem Unfall.

75 Euro und ein Punkt

Den Weihnachtsbaum richtig entsorgen

Nach dem Weihnachtsfest stellt sich meist die Frage, wo und wie der Baum wieder entsorgt werden kann. Auch hier gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Wer nicht gerade einen Bauernhof mit Eseln oder anderen Tieren hat, die den Weihnachtsbaum kurzerhand verspeisen, der muss auf andere Wege zurückgreifen. In den meisten Kommunen wird der Weihnachtsbaum kostenlos abgeholt und entsorgt. Im Abfallkalender ist in der Regel ein fester Termin hinterlegt, an dem die Abholung stattfindet. Hier also nur daran denken, den Baum rechtzeitig vor die Tür beziehungsweise an die Straße zu legen. Sie können den Baum selbstverständlich auch in die Biotonne werfen. Da der Baum meist wesentlich größer als die Tonne ist, muss der Baum zunächst zerkleinert werden. In ländlicheren Regionen ist es zudem üblich, den Baum für den hauseigenen Kompost zu nutzen.

Weihnachtsbäume können übrigens auch samt Topf gemietet werden. Das ist meist etwas teurer als einen Baum zu kaufen, weil die Vorbereitung und der Transport aufwendiger sind. Denn der Baum wird so vorbereitet, dass er nach den Feiertagen wieder eingepflanzt werden kann. Demnach muss man mit dem Baum auch zu Hause vielleicht etwas pfleglicher umgehen als mit einem gekauften Baum, der zum neuen Jahresbeginn entsorgt wird. Dafür kann der zuvor geschmückte Weihnachtsbaum weiterleben.

Wahrscheinlich haben Sie längst einen Baum für das Weihnachtsfest besorgt, oder?

 

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