Section Control in Deutschland: Funktionsweise und Datenschutz

Was in anderen europäischen Ländern zum Teil seit vielen Jahren in Betrieb ist, ist jetzt auch in Deutschland gestartet: Nach einer kurzen Testphase, die aufgrund von Verzögerungen und fehlenden Genehmigungen immer wieder verschoben wurde,  ist die nicht ganz unumstrittene Abschnittsmessung oder Section Control auch auf deutschen Straßen zu finden. Spätestens jetzt sollten Fuhrparkverantwortliche ihre Fahrer über die Veränderung im Straßenverkehr informieren.

Section Control Strecke in Niedersachsen jetzt bußgeldpflichtig

Die Abschnittskontrolle soll insbesondere an stark befahrenen Straßen zum Einsatz kommen und zum einen zur Unfallvermeidung beitragen. Untersuchungen in Belgien haben bereits gezeigt, dass die Zahl der Raser und Unfälle dank Section Control abgenommen hat. Zum anderen hofft man, dass sich dadurch der Verkehrsfluss etwas harmonisiert und so die Umweltbelastung gesenkt wird. Neben Belgien und Deutschland gibt es diese Art der Geschwindigkeitsmessung beispielsweise auch in den Niederlanden, Österreich, Polen, Italien, Großbritannien und der Schweiz.

Bislang diente der 2,2 km lange Abschnitt der B6 bei Laatzen (in der Nähe von Hannover) nur als Test für das Messsystem. Seit Mitte Januar 2019 allerdings drohen den täglich rund 15.500 Fahrzeugführern Bußgelder bei Überschreitung der zulässigen Geschwindigkeit. Auch das ist Bestandteil der Erprobungsphase, die noch bis Mitte 2020 läuft. Bei erfolgreichem Abschluss müssen Autofahrer damit rechnen, dass weitere Abschnittsmessungen auf deutschen Straßen folgen. Für einen Regelbetrieb müssen jedoch erst noch die nötigen Rechtsgrundlagen geschaffen werden.

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Funktionsweise von Section Control

Anders als bei herkömmlichen Radarfallen wird bei Section Control eine Durchschnittsgeschwindigkeit über eine längere Strecke, meist zwischen 2 und 5 km, errechnet und überprüft. Dafür werden mindestens am Anfang und am Ende des überwachten Abschnitts Kameras positioniert, die die Fahrzeuge bzw. die KFZ-Kennzeichen erfassen (siehe Info-Grafik).

Streckenradar - Abschnittsmessung

Bild: Infografik "Section Control" (Eigene Darstellung)

Das System ermittelt anschließend, wie viel Zeit ein Fahrer, unter Berücksichtigung der vorgegebenen Geschwindigkeit, durchschnittlich für den überwachten Streckenabschnitt benötigt. Dafür werden Daten vom Anfang bis zum Ende der Abschnittsmessung verschlüsselt zwischengespeichert. Unterschreitet der Fahrer die Zeit, sobald er das Ende der Abschnittsmessung passiert, hat er die maximal zulässige Höchstgeschwindigkeit nicht eingehalten. Seine Daten werden dann endgültig gespeichert und für ein Bußgeldverfahren weiterverarbeitet. 

Sorge um Datenschutz

Auch wenn diese Art der Geschwindigkeitsüberwachung als „fair“ gilt, da keine kurzzeitigen Geschwindigkeitsübertretungen gemessen werden, äußerten Datenschützer bereits ihre Bedenken. Denn bei den Abschnittsmessungen wird eine nicht unerhebliche Menge an Daten generiert und (kurzzeitig) gespeichert. Da die Geschwindigkeit über eine längere Strecke kontrolliert wird, werden nicht nur Daten der Verkehrssünder, sondern aller Verkehrsteilnehmer verarbeitet und gespeichert. Erst wenn keine Geschwindigkeitsübertretung nachgewiesen werden kann, werden die Daten gelöscht. Die Piratenpartei in Niedersachsen, zum Beispiel, hat bereits angekündigt, gegen die Abschnittsmessung beim Verwaltungsgericht Hannover Klage einzureichen. 

Neben datenschutzrechtlichen Zweifeln weisen Experten auch auf die Möglichkeit von Fehlmessungen hin. Sobald eine Messung auf dem Streckenabschnitt fehlerhaft ist, hat das Auswirkungen auf die endgültige Auswertung, wodurch Verkehrssünder beispielsweise ungestraft davonkommen könnten.

Wie bei allen Neuerungen oder Änderungen im Straßenverkehr bzw. im Fuhrparkmanagement sollten Fuhrparkverantwortliche ihre Fahrer frühzeitig über die Abschnittsmessung informieren. Aufkommende Bedenken oder Skepsis beispielsweise bezüglich des Datenschutzes sollten ernst genommen und geklärt werden. Daher ist nicht nur die reine Informationenweitergabe relevant, sondern auch die Art und Weise wie kommuniziert wird. Weitere Tipps  liefert unser Blog-Beitrag „Kommunikation im Fuhrpark“.

 

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