RDE und WLTP im Zusammenhang mit der Kfz-Steuer

Seit 2017 gilt für neue Fahrzeugtypen das WLTP-Verfahren. Dabei handelt es sich um ein Messverfahren zur Bestimmung des Kraftstoffverbrauchs und der Abgasemissionen. Gemeinsam mit dem Prüfverfahren RDE sorgen die Tests für realistischere Prüfergebnisse. In Deutschland hat das allerdings zu einer deutlichen Erhöhung der Kfz-Steuer von Neuwagen geführt, wie ein Bericht des Bundesfinanzministeriums herausstellt. Wir erklären den Zusammenhang und stellen die Messverfahren WLTP und RDE vor.

WLTP – Was ist das und wie funktioniert es?

Das Akronym WLTP steht für Worldwide Harmonized Light Duty Test Procedure und beschreibt ein weltweit standardisiertes Verfahren zur Messung von Abgaswerten. Bis 2017 wurde dafür noch standardmäßig das NEFZ-Verfahren angewandt. Der NEFZ-Test fand jedoch unter Laborbedingungen statt und entsprach daher nicht den realen Gegebenheiten im Straßenverkehr. Das sollte sich mit dem neuen Messverfahren ändern. Der WLTP-Test findet zwar weiterhin im Labor statt, jedoch unter realistischeren Gegebenheiten. Dafür sind einige Anpassungen am Verfahren vorgenommen worden. Der Test ist mit 30 Minuten zehn Minuten länger als der vorherige Test und die simulierte Fahrstrecke mit 23 km doppelt so lang. Seit September 2017 gilt das Messverfahren für neue Fahrzeugtypen, seit 2018 für alle neu zugelassenen Pkw. Seit dem 1. September 2019 gilt WLTP für alle neu zugelassenen Fahrzeuge inklusive aller leichten Nutzfahrzeuge (z. B. Kleinbus bis 3,5 t).

Der WLTP-Test wird anhand verschiedener Parameter des Fahrzeugs durchgeführt. Dazu gehören unter anderem:

  • Kraftstoffverbrauch beim (Kalt-) Start
  • Reifendruck
  • Umgebungstemperatur
  • Gewicht des Fahrzeugs
  • Fahrwiderstand
  • Verschiedene Fahrgeschwindigkeiten (bis max. 130 km/h – Richtgeschwindigkeit auf deutschen Autobahnen – bei NEFZ nur bis max. 120 km/h)
  • Einfluss von Sonderausstattung

Der Test läuft in drei sogenannten WLTC-Zyklen (Worldwide harmonized Light vehicles Test Cycle) ab. Die realistischeren Bedingungen beim WLTP-Verfahren sorgen in den meisten Fällen dazu, dass die CO2-Emissionswerte höher ausfallen als beim alten Prüfverfahren. Als Basis für den Test dienen Fahrerwerte von mehr als 750.000 km aus 14 verschiedenen Ländern.

Sie möchten sicherstellen, dass Ihr Fuhrpark alle gesetzlichen Anforderungen  erfüllt und Sie arbeitsschutzrechtlich im Unternehmen abgesichert sind? Nutzen  Sie die Chance, Ihre Prozesse rechtssicher und digital zu gestalten und  vereinbaren Sie jetzt Ihr persönliches Beratungsgespräch.

Wie realitätsnah ist WLTP?

Das WLTP-Testverfahren bietet zwar realitätsnähere Ergebnisse, hat jedoch seine Grenzen: Es können nicht alle Faktoren, die den Kraftstoffverbrauch beeinflussen, erfasst werden. Dazu zählen beispielsweise der individuelle Fahrstil, die geografischen Bedingungen der Strecke oder die individuelle Beladung. Aber auch die klimatischen Gegebenheiten oder der zusätzliche Energieverbrauch durch eine Sitzheizung oder Klimaanlage können Einfluss auf die Ergebnisse nehmen. Auch wenn die technologischen Entwicklungen immer besser werden, wird der WLTP-Test weiterhin bei ausgeschalteter Klimaanlage durchgeführt.

Tests im Straßenverkehr: RDE

Ergänzend zum WLTP-Test wurde das RDE-Verfahren eingeführt. RDE steht für Real Driving Emissions. Damit werden die Emissionen beim praktischen Fahrbetrieb im Straßenverkehr gemessen. Berücksichtigt werden die Beschleunigung, Steigungen, Stop-and-Go und hohe Geschwindigkeiten. Dafür wird das Fahrzeug auf freier Strecke beschleunigt und abgebremst.

Auch dem RDE-Testverfahren liegen Vorgaben zugrunde, die eingehalten werden müssen. Dazu zählen:

  • Die Messfahrt geht über eine Dauer von 90-120 Minuten.
  • Die Strecke besteht zu gleichen Teilen aus Abschnitten in der Stadt, auf der Landstraße und der Autobahn.
  • Die Außentemperaturen liegen zwischen Minus 7 und Plus 35 Grad.

Mit Hilfe eines Abgasgerätes (PEMS-Messgerät - Portable Emissions Measurement System) werden Partikelzahl und Stickoxidkonzentration direkt am Auspuff gemessen. Diese werden dann mit den Laborwerten unter WLTP-Bedingungen verglichen und so reale Werte ermittelt. Seit 2020 gilt die zweite Phase von RDE. Die EU hatte mit Einführung des Verfahrens Konformitätsfaktoren festgelegt. Hintergrund ist, dass es zu Messungenauigkeiten bei Tests unter realen Bedingungen aufgrund von physikalischen Gesetzmäßigkeiten kommen kann. Die Konformitätsfaktoren halten fest, in welchem Umfang das Fahrzeug im Vergleich zur Untersuchung maximal abweichend emittieren darf. Im Jahr 2017 betrug dieser Wert noch 2,1. Mit Beginn der zweiten Phase beträgt der Faktor nur noch 1,5 – das Fahrzeug darf also maximal 1,5 Mal so viel emittieren wie im Labor.

Die Messverfahren RDE und WLTP verschaffen Kunden mehr Klarheit und Zuverlässigkeit. Zudem fördert es den Austausch von schadstoffreichen Fahrzeugen gegen neue, schadstoffarme Euro-6-Fahrzeuge. Das wirkt sich wiederum positiv auf die Luftqualität aus.

WLTP gilt auch für Elektrofahrzeuge und Co. – RDE nicht

Neben neu zugelassenen Verbrennerfahrzeugen wird der WLTP-Test auch bei Hybrid, Plug-in-Hybrid-, Elektro- und Brennstoffzellenautos durchgeführt. Hier stehen dann die nominelle elektrische Reichweite und der Energie- bzw. bei Brennstoffzellenautos der Wasserstoffverbrauch im Fokus. Ein RDE-Test ist bei elektrisch oder wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen nicht notwendig, da diese Fahrzeuge im Straßenverkehr keine Schadstoffe und CO2 ausstoßen.

Höhere Kfz-Steuer dank WLTP

Mit der Einführung der realitätsnäheren und strengeren Messungen nach WLTP-Verfahren ist die Kfz-Steuer für deutsche Autofahrer angestiegen. Das geht aus einem Bericht vom Bundesfinanzministerium hervor, welches unter anderem dem Redaktionsnetzwerk Deutschland vorliegt. Grund für die Mehrkosten ist, dass die Kfz-Steuer an den CO2-Ausstoß pro Kilometer gekoppelt ist. Dem Bericht zufolge betrug die durchschnittliche erhobene Steuer für Neufahrzeuge im Herbst 2017 noch rund 150 Euro. Zwei Jahre später ist die Steuer bereits auf 210 Euro angestiegen. Das ist ein Anstieg von 40 Prozent.

Im Laufe des Jahres 2020 sind die Kosten für die Kfz-Steuer wieder auf durchschnittlich 201 Euro gesunken. Das liegt nach Meinungen des Finanzministeriums an den höheren Zulassungen von Neufahrzeugen mit alternativen Antriebsarten. Auch künftig sollen klimafreundliche Mobilitätslösungen begünstigt werden. Die Kfz-Steuer soll noch stärker am CO2-Ausstoß – und somit an dem WLTP - ausgerichtet werden.

Ab dem 01. Januar 2021 werden gestaffelte Steuersätze eingeführt. Bisher gilt bei der Besteuerung von umweltbelastenden Pkw für CO2-Werte oberhalb von 95 g/km ein einheitlicher Steuersatz von 2 Euro je g/km. Dieser wird auf 4 Euro je g/km erhöht. Das entspricht der derzeitigen Stufe 6 (über 195 g/km). Im gleichen Zug soll es weiterhin Steuervergünstigungen für E-Fahrzeuge geben.

Das Stufenmodell der Kfz-Steuer im Überblick (ab 2021):

CO2-Ausstoß Steuer-Aufschlag
über 95 g/km bis zu 115 g/km wie bisher 2,00 Euro je Gramm
über 115 g/km bis zu 135 g/km 2,20 Euro je Gramm
über 135 g/km bis zu 155 g/km 2,50 Euro je Gramm
über 155 g/km bis zu 175 g/km 2,90 Euro je Gramm
über 175 g/km bis zu 195 g/km 3,40 Euro je Gramm
über 195 g/km 4,00 Euro je Gramm

 

 

Ich möchte mehr Informationen zu LapID

 


Anna Lena Otto

Mehr Raum für das Wesentliche  Digitalisieren Sie Ihre Complicance-Aufgaben mit dem Marktführer. Dabei stehen  wir Ihnen ab dem ersten Tag mit unserer persönlichen Beratung zur Seite. Kontaktieren Sie uns






    Schreiben Sie den ersten Kommentar: