eCall: Automatisches Notrufsystem fürs Auto

Bereits seit dem Jahr 2018 ist das Notrufsystem eCall (kurz für „emergency call“) für alle neu zugelassenen Fahrzeuge in der EU Pflicht. Hintergrund ist, dass Verletzte im Straßenverkehr schneller versorgt werden können und so der jährlich hohen Zahl an Verkehrstoten entgegengewirkt werden kann. Wie es funktioniert, welche Vorteile es mit sich bringt und welche Bedeutung es für das Fuhrparkmanagement hat, lesen Sie hier.

Jährlich tausende Verkehrstote

Im Jahr 2018 kamen mehr als 25.000 Menschen auf europäischen Straßen ums Leben und rund 130.000 Personen wurden schwer verletzt. Zwar sinkt die Zahl der jährlichen Verkehrsopfer immer weiter, jedoch nicht schnell genug. Die EU hatte sich zum Ziel gesetzt, tödliche Unfälle im Straßenverkehr bis zu diesem Jahr im Vergleich zum Jahr 2010 zu halbieren. Mit Hilfe von Fahrsystemen wie dem eCall-Notrufsystem sollen die Straßen jetzt noch sicherer werden. Hauptursache für die meisten Unfälle ist bislang immer noch menschliches Versagen.

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Das eCall-System

Kommt es mit einem Fahrzeug zu einem schweren Unfall, kann das elektronische System automatisch einen Notruf absetzen. Dies ist dank eingebauter Crash-Sensoren und der Steuerung des Airbags möglich. Das System greift jedoch nur, wenn der Airbag des Fahrzeugs ausgelöst wird. Kleinere Unfälle werden nicht erfasst. Ein zusätzlicher SOS-Knopf kann allerdings bei medizinischen Notfällen per Hand bedient werden, wodurch ebenfalls ein Notruf abgesetzt wird. Es sollte davon abgesehen werden, den SOS-Knopf bei technischen Pannen zu betätigen. In diesen Fällen kann der Pannendienst helfen und die Leitungen bleiben frei für medizinische Notfälle. Denn wird der Knopf manuell oder automatisch ausgelöst, wird die europaweite Notrufnummer 112 über den Mobilfunk gewählt. In diesem Moment aktivieren sich im Fahrzeug Mikrofon und Lautsprecher, damit die Notrufzentrale direkt Kontakt zu den Betroffenen aufnehmen kann.

eCall Notrufsystem

Über Satellitenverbindungen werden unter anderem Informationen wie Standort, die Fahrtrichtung und Identifikationsnummer des Fahrzeugs sowie die Uhrzeit des Unfalls an eine nahegelegene Rettungsstation gesendet. Eine Freisprecheinrichtung ermöglicht zudem die Kommunikation zwischen Rettungskräften und Verletzten, sofern diese dazu in der Lage sind. Das System benötigt somit neben der Verbindung zur Freisprechanlage und den Airbags auch GPS- und Galileo-Ortungsdaten, eine Mobilfunkantenne sowie eine eingebaute SIM-Karte.

Datenschutz bei Notrufsystemen: Welche Daten werden übermittelt?

Besonders Datenschützer kritisieren, dass die Systeme zahlreiche Informationen sammeln und speichern. Aus diesem Grund muss eCall die Möglichkeit bieten, alle Daten vollständig und dauerhaft löschen zu können. Dies hatte die EU zuvor beschlossen. Die über das Notrufsystem erfassten Daten sollen ausschließlich bei einem Unfall freigegeben werden. Aus diesem Grund gilt eCall auch als „schlafendes System“.

In der Verordnung des Europäischen Parlaments heißt es dazu weiter: „Der Mindestdatensatz muss gelöscht werden, sobald er für den Zweck, für den er erhoben wurde, nicht mehr erforderlich ist (Art. 6 neuer Abs. 2a).“

Auch die Weitergabe von Daten an Dritte seitens der Rettungsstellen ist nur bei ausdrücklicher Zustimmung der betroffenen Personen erlaubt. Der ADAC warnt indes davor, dass ähnliche herstellerbezogene Systeme häufig zunächst eine „private Notrufzentrale“ anwählen, welche dann erst die zuständige Rettungsstelle kontaktiert. Dabei können entscheidende Minuten bei der Lebensrettung verloren gehen. Eigene Systeme von Herstellern können künftig jedoch lediglich zusätzlich eingebaut werden – sie dürfen das eCall-System nicht ersetzen.

Für gewöhnlich übermitteln Notrufsysteme wie eCall folgende Daten:

  • Unfallort und Zeitpunkt
  • Fahrtrichtung und Fahrzeugposition des Wagens
  • die 17-stellige Fahrzeugidentifizierungsnummer (FIN)
  • Fahrzeugklasse und Antriebsart (herkömmliche Antriebe wie Benziner und Diesel oder E-Fahrzeug)
  • Anzahl der Personen im Fahrzeug
  • Auslöseart des Notrufs: automatisch oder manuell

eCall keine Pflicht bei älteren Modellen, aber empfehlenswert

Eine Nachrüstung des europäischen Notrufsystems in älteren Fahrzeugmodellen ist nicht verpflichtend. Stattdessen kann aber auf vergleichbare Modelle wie Unfallmeldestecker zurückgegriffen werden. Dieser Stecker wird von vielen Versicherungen oder Werkstattketten angeboten und benötigt meist nur den Zigarettenanzünder-Anschluss (12 V-Steckdose) oder eine OBD-Schnittstelle sowie ein Smartphone, auf welchem die entsprechende Unfallmelde-App installiert wird. Sobald der Stecker einen Unfall erkennt, werden wichtige Informationen via Bluetooth an die Unfallmelde-App geschickt, die wiederum den Notruf auslöst. Auch hier lässt sich der Notruf manuell auslösen. Sofern keine Störungen während der Fahrt vorliegen, sollen die Systeme keine Daten speichern. Für die Nutzung des Unfallmeldesteckers fallen meist sowohl ein einmaliger Kaufpreis als auch eine monatliche Gebühr an. Wer das Notrufsystem eCall dennoch nachrüsten möchte, muss mit Kosten in Höhe von mehreren Hundert Euro rechnen.

Bedeutung für das Fuhrparkmanagement

 

Mit zunehmender Digitalisierung sind der richtige Umgang mit persönlichen Daten und die Einhaltung des Datenschutzes umso wichtiger. Fuhrparkmanager sollten daher immer und insbesondere bei digitalen oder automatisierten Lösungen genau darauf achten, ob datenschutzrechtliche Anforderungen erfüllt werden. Dass diese Anforderungen erfüllt sind, können beispielsweise Zertifizierungen nachweisen. Unabhängig von der Verwendung von Notrufsystemen sollten Fuhrparkverantwortliche zudem sicherstellen, dass Dienstwagennutzer wissen, was im Falle eines Unfalls zu tun ist. Dies kann ganz einfach mittels einer regelmäßigen (digitalen) Fahrerunterweisung abgedeckt werden.

Weiterführende Informationen zum Thema „Unfall und regelmäßige Unterweisungen“:

2019: Über 6 Prozent weniger Verkehrstote

Auch auf deutschen Straßen sinkt die Zahl der Verkehrsopfer immer weiter, weshalb Deutschland im europäischen Vergleich unter dem Durchschnitt der Verkehrstoten pro Millionen liegt. Im Jahr 2019 sank die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland auf 3.059. Das sind 6,6 Prozent mehr als 2018. Gleichzeitig stieg jedoch die Zahl der aufgenommenen Unfälle auf rund 2,7 Millionen Unfälle. Bei annähernd 90 Prozent der Unfälle handelte es sich um Sachschäden.

 

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