Was tun gegen Heuschnupfen während der Autofahrt?

Vor allem bei Tätigkeiten, bei denen man sich über eine längere Zeit konzentrieren muss, ist es sehr lästig, wenn man dabei eine triefende Nase, juckende Augen und womöglich noch Atemprobleme hat. Fünfzehn Prozent der deutschen Bevölkerung leiden regelmäßig unter den beschriebenen Symptomen, dem Heuschnupfen. Legt man in der Heuschnupfensaison längere Strecken mit dem Auto zurück, kann die Fahrt durch die Symptome stark erschwert werden. Es gibt zwar Abhilfe, beispielsweise in Form von Medikamenten, doch manchmal kann man sich auch mit einigen Tricks selbst helfen. Wir verraten Ihnen, was Sie gegen Heuschnupfen während der Autofahrt tun können.

Inhaltsverzeichnis:

Heuschnupfen ist keine Lappalie

Es beginnt immer früher und hält in vielen Fällen auch länger an: Der Pollenflug. Milde Winter führen dazu, dass manche Pflanzen ihre Pollen bereits früher als erwartet auf die Reise schicken – zum Verdruss vieler Allergiker. Nicht nur heimische, sondern auch eingewanderte Pflanzenarten, die zum Trend in deutschen Gärten werden und teilweise im Winter blühen, sorgen dafür, dass man als Allergiker das ganze Jahr über auf der Hut sein muss. Die erkältungsähnlichen Symptome können die Fahrtüchtigkeit stark einschränken, da sie die Konzentration und Reaktionszeit beeinträchtigen. Lungenärzte der Deutschen Lungenstiftung (DLS) warnen, dass die Fahrtüchtigkeit genauso stark eingeschränkt ist, wie nach dem Alkoholgenuss mit 0,5 bis 0,65 Promille im Blut. Dies ergab eine Studie aus England, in der 102 Autofahrer in einem Fahrsimulator untersucht wurden. Zwar ist ein Infekt nicht mit einer Allergie gleichzusetzen, doch was starke Heuschnupfensymptome betrifft, sollte uns allen bewusst sein, dass das Führen eines Fahrzeugs mit einer schweren Erkältung oder unter Medikamenteneinfluss eine Ordnungswidrigkeit darstellt. Wenn Ihnen nicht bewusst ist, welche Nebenwirkungen die Präparate gegen Ihren Heuschnupfen haben, schauen Sie auf dem Beipackzettel nach und lassen Sie sich gegebenenfalls ein anderes Medikament verschreiben oder empfehlen. Oft machen diese Medikamente nämlich müde.

Sind Ihre Symptome nicht allzu stark, können Sie einiges tun, um Ihre Autofahrt erträglich zu gestalten. Die im Folgenden angesprochenen Tipps ersetzen keinen Arztbesuch oder die gegebenenfalls nötige Einnahme von Medikamenten. Unterschätzen Sie bitte nicht das Risiko während der Fahrt.

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Maßnahmen vor Fahrtantritt

Ist der Innenraum sauber, sind die Fenster zu?

Ihre erste Amtshandlung vor Fahrtantritt sollte sein, alle Fenster und falls vorhanden das Schiebedach im Fahrzeug zu schließen und, falls nötig, die Oberflächen (Armaturen, Sitze) zu wischen beziehungsweise abzusaugen. Am besten Sie reinigen den Fahrzeuginnenraum regelmäßig, damit die Allergieauslöser keine Chance haben. Da Pollen jedoch auch an Jacken und Gepäckstücken ins Fahrzeug gelangen können, ist es ratsam, diese in den Kofferraum zu legen. Sicher ist sicher.

Tragen Sie eine Sonnenbrille

Da bei vielen Allergikern die (juckenden) Augen gereizt sind, wird das Tragen einer Sonnenbrille empfohlen. Gerade im Frühling und Sommer, wenn sich die Sonne fast den ganzen Tag blicken lässt, kann eine Sonnenbrille auf einer längeren Strecke sehr helfen, da Ihre Augen so nicht noch zusätzlich gereizt werden.

Pollenfilter – schon vorhanden oder besteht noch Installationsbedarf?

Autos haben heute serienmäßig einen Pollenfilter, in der Regel bestehend aus drei bis vier Lagen Textilvlies, eingebaut. Der Pollenfilter verhindert, wie der Name schon sagt, dass Pollen, aber auch Stäube, Gase und sogar Gerüche, in den Innenraum des Fahrzeugs gelangen. Sollten Sie jedoch ein älteres Modell ohne Pollenfilter fahren, kann man diesen nachrüsten.

Unterschiedliche Innenraumfilter

Es gibt Partikelfilter sowie Kombifilter mit Aktivkohlen. Partikelfilter filtern Ruß, Staub und Partikel aus der Luft. Kombifilter haben eine zusätzliche Schicht aus Aktivkohle und filtern zusätzlich noch Gerüche und Abgase aus der Luft. Übrigens: Bei BMW sagt man statt Pollenfilter Microfilter, weitere Synonyme sind Innenraum- und Kabinenluftfilter.

 
Ein funktionierender Filter ist deswegen so wichtig, weil Pollenallergiker ein hohes Risiko eingehen, wenn sie sich hinters Steuer setzen. Wieso? Wir haben bereits über den Mikro- oder Sekundenschlaf berichtet und dass die Strecke beträchtlich ist, die man während eines wenige Sekunden andauernden Wegnickens zurücklegt. Reagiert man allergisch mit Niesen auf Pollen, die sich im Fahrzeuginnenraum befinden, schließt man reflexartig für einen Moment die Augen – eben wie beim Sekundenschlaf. So kann man bereits bei einer Geschwindigkeit von 50 km/ h innerorts 14 Meter blind zurücklegen, wenn man für ein paar Sekunden die Augen schließt. Um einen Unfall zu verursachen, reichen diese 14 Meter allemal.

Es wird empfohlen, den Innenraumfilter regelmäßig auszutauschen: Etwa alle 12 bis 24 Monate beziehungsweise je nach Kilometerstand. Wird der Filter nicht regelmäßig gewechselt und reinigt er die Luft nicht mehr, können sich Schimmelsporen und Bakterien darin festsetzen – ein regelrechter Filterkuchen aus Schadstoffen entsteht mit der Zeit an den Lamellen des Filters. Der Wechsel des Pollenfilters dauert etwa 30 Minuten und die Kosten sind abhängig vom Fahrzeugmodell. Bei einem Kia Picanto (SA), 1.1 EX belaufen sie sich auf etwa 15 Euro, während man für einen BMW 1er (E81/ E87, 116i) etwa 60 Euro investieren muss.

Hinweis auf verstopften Pollenfilter

Liegt etwa zwei Wochen, nachdem Sie die Scheibeninnenseiten Ihres Fahrzeugs sauber gewischt haben ein schmutziger Film über diesen, ist dies ein Indiz für einen verstopften Pollenfilter.


Am besten Sie schauen im Serviceheft Ihres Fahrzeugs nach oder informieren sich bei Ihrem Autohändler nach dem empfohlenen Wartungsintervall für Ihr Fahrzeug. Generell empfiehlt sich ein Wechsel des Innenraumfilters zum Frühjahr mit dem stärker werdenden Pollenflug und zum Herbst/ Winter hin, da sich aufgrund der höheren Luftfeuchtigkeit schneller Schimmel bildet. Ein funktionstüchtiger Filter wirkt sich nicht allein positiv auf Pollen-Allergiker aus, sondern sorgt generell für das Wohlbefinden aller im Fahrzeuginnenraum. Gute Luft fördert zudem die Konzentration und man wird nicht so schnell müde.

Ein funktionierender Innenraumfilter spart Geld

Bei gutem Luftdurchsatz der Klimaanlage oder Heizung spart man Kraftstoff, da für die Kühlung oder Erwärmung der Innenraumluft nicht viel Energie benötigt wird. Das schont wiederum die Umwelt.

Unfall aufgrund der Allergie: Bußgeld und Entfall des Versicherungsschutzes?

In Paragraf 1 der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) steht:

  • „Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.
  • Wer am Verkehr teilnimmt hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen vermeidbar, behindert oder belästigt wird.“

Sollten Sie während der Fahrt also merken, dass eine Niesattacke bevorsteht, fahren Sie, wenn möglich, rechts ran und halten Sie an. Wenn Ihre Nase nicht mehr kribbelt und das Niesen nachlässt, fahren Sie vorsichtig weiter und wahren den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand zum Fahrzeug vor Ihnen – das gilt natürlich nicht allein für Allergiker. Kommt es infolge einer Niesattacke zu einem Unfall, werden etwaige entstandene Kosten in der Regel durch die Versicherungen getragen.  Die Kfz-Haftpflichtversicherung zahlt Personenschäden, die Vollkaskoversicherung übernimmt Schäden am eigenen Fahrzeug und die private Unfallversicherung kommt für körperliche Folgeschäden auf. Dennoch sollten Sie, vor allem als Allergiker, darauf achten, dass ein Pollenfilter eingebaut ist, dieser funktionstüchtig ist und regelmäßig gewartet wird. Andernfalls kann die Versicherung Ihnen möglicherweise vorwerfen, dass Sie den Unfall fahrlässig selbst verschuldet haben, weil Sie sich nicht um den Pollenfilter gekümmert haben. Ist dem nicht so, kann die Versicherung unter Umständen den Regress verweigern.

Bei einem Unfall aufgrund von Fahruntüchtigkeit durch Medikamenteneinnahme kann die Fahrt als Trunkenheitsfahrt bewertet und entsprechend geahndet werden. In diesem Fall sind Versicherungen hingegen oft nicht bereit, die Kosten zu tragen.

Da, wie oben bereits erläutert, eine Erkältung bzw. starke allergisch-bedingte Symptome den Auswirkungen von etwa 0,5 Promille im Blut gleichkommen, wird hier nach einem Unfall in der Regel ebenfalls nach dem Tatbestand der Trunkenheit (s. Bundeseinheitlicher Tatbestandkatalog Stand 01.11.2017, S. 453, TBNR 424606) geurteilt: Bei Trunkenheit am Steuer drohen ein Bußgeld in Höhe von 500 Euro, 2 Punkte im Verkehrszentralregister und 1 Monat Fahrverbot.

Fazit: Auf das Autofahren verzichten?

Auch wenn unsere Tipps Abhilfe schaffen, ist es sicher eine Überlegung wert, bei starken Reaktionen auf die Allergieauslöser nicht selbst zu fahren, sondern sich zu schonen und statt mit dem eigenen Fahrzeug auf die öffentlichen Verkehrsmittel auszuweichen oder sich fahren zu lassen – oder, wenn möglich, im Homeoffice zu bleiben. Kommen Sie weiterhin gut und sicher durch die Heuschnupfen-Saison!

Gut zu wissen – nicht nur für Autofahrer: Welche Pollen sind heute in der Luft?

Mithilfe diverser Websites oder Apps können Sie sich über den aktuellen und vorhersagbaren Pollenflug an Ihrem Standort informieren. Wir haben einige Apps zusammengestellt:

  • Deutscher Wetterdienst „Pollenflug App“ (Links zum Download für Android, iOS)
  • Klara (Links zum Download für Android, iOS)
  • Hexal „Pollenflug-Vorhersage“ für Android, für iOS
  • Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst „Pollen“ für Android, für iOS
  • Techniker Krankenkasse „Husteblume“ für Android, für iOS (App auch für Nicht-Mitglieder nutzbar)

 


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