Steuergeräte-Diagnose von DEKRA: Mehr Sicherheit vor Manipulationen (Interview)

Moderne Fahrzeuge sind heutzutage mit immer mehr Technik ausgestattet, die wiederum Spielraum für Manipulationen bietet. Dies ist insbesondere im Gebrauchtwagenmarkt ein Problem, aber auch im Flotten- und Fuhrparkmanagement können manipulierte Steuergeräte für Probleme sorgen. DEKRA bietet mit seiner Steuergeräte-Diagnose eine neue Leistung an, mit der Hinweise auf Manipulationen einfach und schnell nachgegangen werden kann und die Schäden aufgedeckt werden können.

In unserem heutigen Interview unterhalten wir uns mit Rainer Schwer, Key Account Manager bei DEKRA mit Schwerpunkt auf Leasing- und Fuhrparkmanagementgesellschaften, Autovermieter und Flottenbetreiber sowie mit Ronald Hufnagel, der in der Abteilung Gebrauchtwagenmanagement bei DEKRA die Federführung bei der Entwicklung dieser neuen Dienstleistung hatte.

Hallo Herr Schwer, hallo Herr Hufnagel, wir unterhalten uns heute über die neue Dienstleistung von DEKRA, die Steuergeräte-Diagnose. Können Sie uns kurz zusammenfassen, wie die Idee hierzu entstanden ist und welche Vorteile die neue Leistung für Kunden mit sich bringt?

Hufnagel: DEKRA ist 2014 in die Diagnose von komfort- und sicherheitsrelevanten Steuergeräten eingestiegen. Das war eine Notwendigkeit, weil immer mehr Funktionskomponenten der Fahrzeuge nicht manuell ein- und auszuschalten sind. Mit der Diagnose wird der Ist-Zustand abgerufen, der oberflächlich nicht erkennbar ist. Der Kunde erfährt dadurch, welchen Zustand die Systeme zusätzlich zum optischen Bild des Fahrzeugs signalisieren.

Seit wir damals in die Thematik eingestiegen sind, war uns klar, dass der nächste logische Schritt sein muss, tiefer in die Steuergeräte-Architektur zu schauen, also an Informationen zu kommen, die das Fahrzeug von sich aus bei einer „normalen“ Diagnose nicht meldet. In die Weiterentwicklung – gemeinsam mit AVL DiTest – sind viele Kundenanfragen aus den letzten Jahren eingeflossen.

Der grundlegende Vorteil ist klar: Wir können mit dem Verfahren bestimmte Plausibilitäten überprüfen und Hinweise auf Manipulationen schnell und einfach finden. Dafür war bisher immer ein aufwändiges analytisches Gutachten nötig.

Herr Hufnagel, geben Sie uns einen Überblick darüber, welche Manipulationen über die Steuergeräte-Diagnose erkannt werden können?

Hufnagel: Unter anderem lässt sich mit dem Verfahren etwa überprüfen, ob der Kilometerstand eines Fahrzeugs plausibel ist. Das ist aber nur ein Aspekt des Themas. Es kann auch darum gehen, die Plausibilität einer Fahrzeug-Identifikations-Nummer zu prüfen. Gerade bei gestohlenen Fahrzeugen wird hier oft zu manipulieren versucht. Genauso können Hinweise auf eine Deaktivierung oder einen nicht fachgerechten Austausch von Steuergeräten gefunden werden. Diese Arten von Manipulation können, zum Beispiel bei einem Airbag-Steuergerät, fatale Folgen haben.

Welche Vorteile bietet die Diagnose bei der Untersuchung von Steuergeräten gegenüber herkömmlichen analytischen Gutachten?

Hufnagel: Die Steuergeräte-Diagnose macht das analytische Gutachten nicht überflüssig, aber sie hilft enorm dabei, das Ganze einzugrenzen. Denn wer konkrete Hinweise aus der Diagnose hat, kann fundiert entscheiden, ob das analytische Gutachten, das rechtsverwertbare Erkenntnisse liefert, sich lohnt. Außerdem kann sich das analytische Gutachten gezielt auf die auffälligen Bauteile bzw. Komponenten fokussieren. All das reduziert natürlich den Aufwand.

Herr Schwer, für welche Zielgruppe eignet sich die neue Methode besonders? Ist dies auch für Flottenbetreiber und Fuhrparkmanagement von Relevanz?

Schwer: Das fängt beispielsweise bei Leasinggesellschaften an, die sich bei der Rückgabe von Fahrzeugen für solche Plausibilitäten interessieren. Auch Flotten- und Fuhrparkbetreiber haben wir im Auge, ebenso wie Autohäuser, für die beim Thema Inzahlungnahme natürlich solche Fragen eine Rolle spielen. Und auch für Privatkunden, die einen Gebrauchtwagen kaufen wollen, kann unsere neue Dienstleistung sicher interessant sein.

In welchem konkreten Anwendungsfall würde sich die Diagnose im Fuhrparkmanagement demnach anbieten?

Schwer: Nehmen Sie einen Kauffuhrpark als Beispiel: Wenn der Kilometerstand plausibilisiert wird, schafft das Transparenz und sichert den Käufer ab. Oder nehmen Sie ein Leasing am Ende der Laufzeit: Hier kann die Steuergeräte-Diagnose beispielsweise klären, ob die vereinbarte Laufleistung eingehalten wurde und ob Informationen im System zu finden sind, die auf nicht bekannte Maßnahmen, wie zum Beispiel die Reparatur eines nicht gemeldeten Schadens, hinweisen.

Und für welche Fahrzeugarten bietet sich die Diagnose an? Gibt es Beschränkungen, die berücksichtigt werden müssen?

Hufnagel: Die Steuergeräte-Diagnose funktioniert unabhängig von der Fahrzeugmarke und bei allen Fahrzeugen mit nennenswertem Marktanteil. Bei echten Exoten kann es natürlich schwierig werden. Ebenso bei sehr alten Fahrzeugen. Wir empfehlen die Steuergeräte-Diagnose für Fahrzeuge etwa ab Baujahr 2010. Denn ältere Steuergeräte kommunizieren oft anders und speichern außerdem meist weniger Daten als die in neueren Autos.  

Betrifft die Untersuchung von Steuergeräten ausschließlich Gebrauchtfahrzeuge, oder ist dies auch bei neuwertigen Fahrzeugen sinnvoll?

Hufnagel: Gerade hochwertige Gebrauchte mit entsprechenden Kaufsummen sowie neuwertige Fahrzeuge stehen im Fokus unserer Dienstleistung. Allerdings geht es natürlich genauso darum, den Bestand an „durchschnittlichen Fahrzeugen“ überprüfen zu können.

Vielen Dank für das gemeinsame Interview!

 

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