Prüfen, wechseln und nachfüllen: Frostschutzmittel richtig einsetzen

Mit Beginn der kalten Jahreszeit muss auch das Fahrzeug „winterfest“ gemacht werden. Neben dem Wechsel auf Winterreifen betrifft das insbesondere auch den Frostschutz des Motorkühlmittels. Denn reines Wasser als Kühlmittel reicht bei Minustemperaturen nicht aus und es kann zu Schäden am Fahrzeug führen. Wir fassen die wichtigsten Aspekte rund um den Frostschutz beim Auto zusammen.

Inhaltsverzeichnis: 

Frostschutzmittel: Was ist das und wie funktioniert es?

Frostschutzmittel, oder auch Gefrierschutzmittel genannt, setzt den Gefrierpunkt einer Flüssigkeit herab und verhindert so das Einfrieren der Flüssigkeit. Verantwortlich sind die im Frostschutzmittel enthaltenen Alkohole wie beispielsweise Ethanol, Ethylenglykol, Propylenglykol oder Glyzerin. Nahezu jedes Frostschutzmittel enthält zusätzlich noch Additive. Dabei handelt es sich um Zusatzstoffe, um die Eigenschaft des Mittels zu verbessern.

Frostschutz im Kühlmittel ist besonders wichtig, denn es verhindert Beschädigungen am Kühlsystem (Kühler, Wasserpumpe, Kühlkanäle), Korrosion und Kavitation. Insbesondere die Kavitation kann zu schweren Schäden führen. Dabei handelt es sich um das schlagartige Bilden und Zerfallen kleiner Dampfbläschen im Kühlwasser. Durch den schnellen Auf- und Abbau von Druck entstehen Mini-Explosionen, die zum Absplittern von Metallteilen im Kühlsystem oder der Kühlpumpe führen können.

Sobald Wasser gefriert, verlangsamen sich die Wassermoleküle und sorgen für eine starre Anordnung der Moleküle in Form eines festen Gitters. Das sorgt für kristallähnliche Strukturen, wie man sie beispielsweise von Frost auf Fensterscheiben kennt. Sobald Alkohol zum Wasser hinzugegeben wird, wird die starre Anordnung durchbrochen und es muss ein neues Gitter aus zwei Stoffen gebildet werden. Das geschieht jedoch erst bei erheblich niedrigeren Temperaturen. Frostschutzmittel können den Gefrierpunkt somit auf bis zu minus 52 Grad Celsius herabsetzen. Das entspricht einem Mischverhältnis von zwei Teilen Frostschutzmittel und einem Teil Wasser (2:1). Als ideal wird allerdings das Verhältnis von 1:1 angesehen. Das entspricht in etwa einem Frostschutz bis zu minus 36 Grad Celsius.

Unterschied: Frostschutzmittel und Kühlflüssigkeit

Die Kühlflüssigkeit befindet sich, wie der Name schon sagt, im Kühler eines Fahrzeugs und verhindert eine Überhitzung des Motors. Sie besteht zu einem Großteil aus Wasser. Bei Frostschutzmitteln handelt es sich um ein Additiv, welches der Kühlflüssigkeit beigesetzt wird, um ihren Gefrierpunkt zu senken. Außer dem Frostschutzmittel gibt es noch einige weitere Additive, die der Kühlflüssigkeiten beigemischt werden können. Im Normalfall sind jedoch alle (für einen normalen Betrieb des Fahrzeuges) nötigen Additive in handelsüblichen Frostschutzmitteln enthalten. Um die bestmögliche Funktion des Kühlsystems zu erreichen, ist es wichtig das richtige Mischungsverhältnis von Frostschutzmittel und Kühlflüssigkeit einzuhalten.

Welche Arten von Frostschutzmittel gibt es?

Autofahrer haben die Qual der Wahl, wenn es um das richtige Frostschutzmittel geht, denn es existieren zahlreiche Ausführungen am Markt. Teils haben diese auch unterschiedliche Farben: rot, blau, grün, violett – nahezu die ganze Farbpalette wird abgedeckt. Doch was bedeuten die unterschiedlichen Farben beim Frostschutzmittel eigentlich?

Allgemein unterscheidet man zwei Arten von Frostschutzmitteln: Monoethylen auf Glykolbasis und Monopropylen auf Glykolbasis. Glykole können silikathaltig oder silikatfrei sein. Letztere sind weniger umweltbelastend. Welches Frostschutzmittel für welche Fahrzeuge genutzt werden dürfen, entscheiden die Automobilhersteller. Die unterschiedlichen Farben der Frostschutzmittel sind für sich alleinstehend nicht aussagekräftig. Entscheidend ist letztlich immer die Spezifikation. Tendenziell sind rötliche Frostschutzmittel eher silikatfrei, grüne, gelbe oder blaue Mittel hingegen silikathaltig.

Um auf der sicheren Seite zu sein, sollte man stets den Herstellervorgaben folgen. Nachzulesen sind diese in der Betriebsanleitung des Fahrzeugs. Unter keinen Umständen sollten jedoch Frostschutzmittel verschiedener Spezifikationen und/oder Farben untereinander gemischt werden. Dabei kann es zu unerwünschten chemischen Reaktionen kommen, wodurch der Korrosionsschutz verringert werden kann oder die Kühlwasserpumpe verklebt.

Frostschutz beim Scheibenwasser Pflicht?

Nicht nur für das Kühlsystem des Fahrzeugs wird Frostschutz benötigt, sondern auch für die Scheibenwischanlage. Pflicht ist das Frostschutzmittel für Scheibenwasser allerdings nicht mehr. Von 2006 bis 2013 musste das Scheibenwasser nach Paragraf 2 Abs. 3a der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) Frostschutz enthalten. Dies ist inzwischen wieder gestrichen worden, die Empfehlung gilt aber weiterhin. Außerdem kommt man bei Temperaturen um den Gefrierpunkt ohnehin nicht ohne aus. Frostschutz für die Scheibenwischanlage kann man entweder als Konzentrat zum Selbstmischen kaufen oder als Fertigmischung. Bis zu welcher Temperatur das Frostschutzmittel einsatzfähig und wie das richtige Mischverhältnis ist, können Sie der Verpackung entnehmen.

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Stand des Frostschutzmittels im Auto überprüfen: So geht’s

Grundsätzlich gilt, dass das Überprüfen des Frostschutzmittels bzw. der Kühlflüssigkeit nur bei kaltem Motor vorgenommen werden darf. Der Füllstand des Kühlmittels lässt sich in der Regel direkt am Ausgleichsbehälter für das Kühlmittel ablesen. Dieser sollte sich stets zwischen der Mindest- und Maximalmarkierung bewegen. Sobald der Mindestfüllstand unterschritten wird, muss Flüssigkeit im richtigen Mischverhältnis nachgefüllt werden.

Es empfiehlt sich jedoch auch, die Konzentration des Frostschutzes zu überprüfen. Dafür gibt es spezielle Frostschutzprüfgeräte, beispielsweise eine Kühlwasserspindel oder einen Refraktometer. Mit Letzterem können transparente Flüssigkeiten oder Materialien gemessen werden. Das Einsatzgebiet des Messgeräts erstreckt sich weit über den Fahrzeugbereich hinaus. So wird es unter anderem auch in der Augenheil- oder Steinkunde eingesetzt. Ein Refraktometer kann beispielsweise an Tankstellen oder Geschäften für Kfz-Zubehör erworben werden. Mit einer Pipette entnimmt man ein wenig der Kühlflüssigkeit samt enthaltenem Frostschutz und gibt es auf den Träger des Messgerätes. Anhand der Skala lässt sich dann ablesen, wie hoch die Frostsicherheit ist. Der Wert sollte bei mindestens minus 25 Grad Celsius liegen; als optimal gilt ein Frostschutz um minus 34 Grad Celsius. 

Wechseln und nachfüllen der Kühlflüssigkeit

Genaue Angaben, wie das Frostschutzmittel nachgefüllt oder gewechselt wird, können Sie der Betriebsanleitung Ihres Fahrzeugs entnehmen. Eines gilt jedoch immer: Der Motor sollte beim Wechsel und beim Nachfüllen immer aus und bereits kalt sein.

Zum Wechsel des Frostschutzes wird der Deckel des Kühlmittelbehälters sowie – wenn vorhanden - die Entlüftungsschraube geöffnet. Auch die Ablaufschraube muss entfernt werden. Dann kann die alte Kühlflüssigkeit abgelassen werden und muss in einem fest verschließbaren Behälter aufgefangen werden.

Das Ablassen des Kühlerfrostschutzes kann von Fahrzeug zu Fahrzeug unterschiedlich und durchaus umständlich sein. Es ist daher ratsam, eine Werkstatt aufzusuchen und dies vom Experten übernehmen zu lassen. Ein Vorteil ist, dass sich die Werkstatt dann auch um die Entsorgung des alten Kühlerfrostschutzes kümmert.

Anschließend muss das Kühlsystems mehrere Male gut durchgespült werden – bestenfalls mit kalkarmem Wasser. Anschließend können Ablauf und Entlüftungsschraube wieder angezogen werden. Erst dann kann neuer Kühlerfrostschutz im richtigen Mischverhältnis eingefüllt werden. Der Motor sollte dann einmal warmlaufen, um zu prüfen, ob noch weitere Flüssigkeit hinzugegeben werden muss. Danach wird der Deckel des Kühlmittelbehälters wieder fest verschlossen. Eine erneute Prüfung des Füllstands ist zuletzt erforderlich.

Achten Sie beim Nachfüllen des Frostschutzmittels stets auf das korrekte Mischverhältnis. Dieses liegt meist bei 50:50 oder 60:40 (Frostschutzmittel:Wasser). Genaue Angaben können Sie der Verpackung entnehmen. Verwenden Sie alternativ ein fertiggemischtes Mittel. Zu viel Frostschutz ist ebenso schädlich für das Fahrzeug wie zu wenig. Dann kann die optimale Kühlleistung nicht mehr gebracht werden und der Motor droht zu überhitzen, was wiederum einen Motorschaden verursachen kann.

Das Diesel-Auto winterfest machen?

Bei Minustemperaturen ist normaler Dieselkraftstoff anfällig und droht zu versulzen. Um das zu verhindern, werden dem Kraftstoff für die kalte Jahreszeit bereits bei der Produktion Additive beigemischt, um das Verstopfen des Kraftstofffilters zu verhindern. Mehr zum Winterdiesel und den Regelungen im europäischen Ausland gibt es in unserem Blogbeitrag.  

Wie oft sollte Frostschutzmittel geprüft und gewechselt werden?

Kühlmittel samt Frostschutz muss in regelmäßigen Abständen geprüft und nachgefüllt oder gewechselt werden. Mindestens erfolgen die Überprüfungen sowie ein eventuelles Nachfüllen oder Wechseln bei der wiederkehrenden Inspektion, aber Sie können dies auch zusätzlich selbst im Blick behalten. Aufgrund der begrenzten Haltbarkeit des Kühlerfrostschutzes raten viele Hersteller zu einem Wechselintervall pro 50.000 Kilometer. Das genaue Intervall je nach Fahrzeugtyp und Hersteller kann man in der jeweiligen Betriebsanleitung nachlesen. Aufgrund der Kavitations-Gefahr empfehlen Experten jedoch den Kühlerfrostschutz spätestens alle drei Jahre auszutauschen.

Eine Überprüfung des Frostschutzmittels sollte zweimal im Jahr, mindestens aber zu Beginn der Winterzeit, erfolgen. Der Füllstand der Kühlflüssigkeit hingegen sollte monatlich, in jedem Fall aber vor längeren Autofahrten, überprüft werden.

Entsorgung der alten Kühlflüssigkeit

Frostschutz- bzw. Kühlmittel enthalten viele hochgiftige Chemikalien und beispielsweise Motoröl-Rückstände. Daher müssen sie als Sondermüll behandelt werden und dürfen keinesfalls über den Hausmüll entsorgt werden. Ebenso wenig dürfen sie einfach in den Abfluss gegossen werden und somit ins Grundwasser gelangen. Für die richtige Entsorgung von Kühlmittel und Frostschutz suchen Sie einen Wertstoffhof auf oder geben Sie es in die mobile Schadstoffsammlung. Aufgefangen in einem wiederverschließbaren Behälter können Sie die Mittel auch bei einer Kfz-Werkstatt abgegeben. Diese erhebt gegebenenfalls eine Gebühr für die Entsorgung.

 

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