Wer haftet bei einem Unfall auf einem Parkplatz?

In unserem Beitrag zum Thema Parkplätze haben wir geklärt, welche Verkehrsregeln Autofahrer auf Parkplätzen gelten. Wenn die Verkehrsregeln auf Parkplätzen nicht beachtet werden, kann es darüber hinaus schnell zu einem Unfall kommen. Doch wie verhält man sich nach einem Unfall auf einem Parkplatz und wer haftet für den Schaden?

Verkehrsregeln auf Parkplätzen

  • Die StVO gilt in der Regel nicht auf Parkplätzen.
  • Oberstes Gebot ist § 1 der StVO, der gegenseitige Rücksichtnahme von den Verkehrsteilnehmern verlangt.
  • Autofahrer sollten so langsam fahren, dass sie jederzeit anhalten können.

Verhalten nach einem Unfall: Fahrerflucht? – Auf keinen Fall!

Bei Parkplätzen wissen Fahrer zunächst häufig nicht, wem das beschädigte Auto gehört, wenn man beispielsweise ein stehendes Auto gerammt hat. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sich der Unfallverursacher unerlaubt vom Unfallort entfernen darf. Bei jeder Art von Unfall gilt es am Unfallort zu warten, bis sich alle betreffenden Personen am Unfallort eingefunden haben, andernfalls gilt Fahrerflucht und es drohen deftige Strafen.

Ist der geschädigte Fahrzeughalter oder Fahrer nach einer angemessenen Zeit (circa 30 Minuten) immer noch nicht am Unfallwagen aufgetaucht, muss spätestens dann die Polizei verständigt werden. Das bloße Hinterlegen eines Zettels mit den Kontaktdaten reicht dabei nicht aus, da dieser durch äußere Umwelteinflüsse wie Regen unkenntlich gemacht werden könnte – auch dann liegt Unfallflucht vor!

Haftung und Rechtsstreit

Oftmals wird die Schuld bei Unfällen auf Parkplätzen 50:50 geteilt. Droht Fahrzeughalter und Fahrern ein Rechtstreit in Folge eines Unfalls, sollte auf ein Sachverständigengutachten zurückgegriffen oder glaubwürdige Zeugen hinzugezogen werden. Sofern die Zeugen nicht glaubwürdig sind oder die Rechtsschutzversicherung die Kosten des Gutachtens nicht trägt, sollte möglichst von einem Rechtstreit abgesehen werden, um sich Zeit und Ressourcen zu sparen - um die anteilige Haftung kommt man dann kaum mehr herum.

Auch der Einbezug der Versicherung sollte nur dann in Betracht gezogen werden, wenn es sich um erhebliche Schadenszahlungen handelt. Häufige kleinere Schäden, die der Versicherung gemeldet werden, treiben die Schadenquote meist in die Höhe und sorgen dadurch für erhöhte laufende Kosten.

Unfall beim rückwärts Ausparken: Hat der Rückwärtsfahrer immer Schuld?

Beim Ausfahren aus einer Parklücke kommt es hin und wieder zu einem Unfall mit einem vorbeifahrenden Auto. In der Regel haftet der Fahrzeugführer, welcher rückwärts aus der Parklücke herausfährt. Bedingung ist jedoch, dass das vorbeifahrende Fahrzeug einen ausreichenden Sicherheitsabstand eingehalten hat. Wird der Sicherheitsabstand unterschritten, kann es bei einem Unfall auch zu einer Mithaftung des vorbeifahrenden Fahrzeugs kommen. Ähnliches gilt für einen Unfall, bei dem zwei gleichzeitig rückwärtsfahrende Autos miteinander kollidieren. In dem konkreten Fall hat das Amtsgericht Erfurt entschieden, dass beide Beteiligte jeweils die Hälfte des Schadens übernehmen müssen (AG Erfurt, AZ 4 C 148/148).  

 

Parkplatzunfall mit Dienstwagen: Ärger mit dem Vorgesetzten und der Versicherung

Besonders kritisch wird es bei Unfällen mit Firmenfahrzeugen. Grundsätzlich haftet der Fahrzeughalter, der bei Dienstwagen in der Regel der Arbeitgeber ist. Je nachdem, wie fahrlässig gehandelt wurde, kann allerdings eine Mitschuld oder die volle Schuld seitens des Dienstwagenfahrers festgestellt werden und das im Zweifel gerichtlich. Das bedeutet, dass der Arbeitnehmer für einen Teil der Kosten rund um den Unfall aufkommen und beispielsweise die Selbstbeteiligung trägt oder die kompletten Kosten entrichten muss. Letzteres ist beispielsweise der Fall, wenn der Dienstwagenfahrer alkoholisiert mit dem Firmenfahrzeug fährt und einen Unfall verursacht – dann hat er grob fahrlässig gehandelt. In bestimmten Fällen kann es jedoch sein, dass eine Haftungsbegrenzung vom Gericht festgelegt wird, und zwar dann, wenn das Missverhältnis zwischen Verdienst und Schadenhöhe zu groß ist. Diese Entscheidung obliegt jedoch dem zuständigen Gericht; einen festen, gesetzlichen Höchstbetrag gibt es nicht.

Auch mit der Versicherung kann Ärger drohen. Begeht der Fahrer Fahrerflucht, kann es durch die Versicherung zu einer Rückforderung in Höhe von bis zu 5.000 Euro kommen. Bei nachgewiesenem Alkohol- und Drogenkonsum liegt die Summe sogar doppelt so hoch. Zusätzlich droht bei Fahrerflucht die Leistungsfreiheit der Kaskoversicherung bei Schäden am eigenen Fahrzeug.

Worauf ist zu achten?

  • Bei Unfällen auf Parkplätzen kommt es fast immer zu einer geteilten Haftung.
  • Lassen Sie nur hohe Schadensummen von der Versicherung übernehmen und bezahlen Sie kleinere Schäden selbst.
  • Vermeiden Sie einen Rechtstreit, wenn Sie Ihre Position nicht hinreichend beweisen können.
  • Ihre Fahrer sollten vor Ort kein Schuldanerkenntnis einräumen, die Situation und Schäden möglichst fotografieren, Personalien sowie Versicherungskontakt austauschen.

 

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