Verbandkasten und Erste Hilfe-Maßnahmen

Er ist vorschriftsmäßig in jedem Kofferraum zu finden, gleich neben dem Warndreieck: der Verbandkasten. Die Warnweste, die sich ebenfalls im Fahrzeug befinden muss, sollte griffbereit in Tür oder Handschuhfach liegen. Im Verbandkasten befinden sich Mullbinden, Kompressen, Pflaster, eine Schere speziell für Verbandszeug, ein Dreieckstuch und viele weitere Artikel, die bei einem Unfall für den Ersthelfer wichtig sind. Haben Sie sich den Verbandkasten in Ihrem Kofferraum schon einmal näher angesehen? Neben dem Ablaufdatum steht dort auch eine DIN-Nummer.

Was ist DIN?

DIN steht für Deutsches Institut für Normung und die DIN-Norm ist ein Standard, unter welchem sowohl materielle als auch immaterielle Gegenstände normiert, also vereinheitlicht, sind. Die bekannteste DIN-Norm ist vermutlich DIN 476, besser bekannt als Papierformatnorm.

Welcher Verbandkasten muss in einem Kraftfahrzeug liegen?

DIN 164

Seit dem 01. Januar 2014 gilt eine geänderte DIN-Norm für Verbandkästen für Kraftfahrzeuge- sprich Pkw, Lkw, Busse (bis 22 Sitzplätze ein Verbandkasten, bei mehr als 22 Sitzplätzen sind zwei Erste Hilfe-Koffer mitzuführen), nämlich die DIN 13164.

KFZ-VerbandtascheDa sich nicht nur Technologien, sondern auch die Schulmedizin weiterentwickelt, wurde die bis 2014 geltende Norm überarbeitet und der Verbandkasteninhalt, den aufgrund medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnissen geänderten Anforderungen, angeglichen. Sollten Sie noch einen alten Verbandkasten im Kofferraum liegen haben, ist das in Ordnung, solange er noch nicht abgelaufen und der Ersten Hilfe zweckdienlich ist. Ist er über dem Verfallsdatum, tauschen Sie ihn gegen ein Modell nach DIN 13164 aus, da ein Verbandkasten in jedem Pkw Pflicht ist. Haben Sie dem Verbandkasten oder der Verbandtasche etwas entnommen, z.B. ein Verbandpäckchen oder ein Pflaster, können Sie die entsprechenden . Falls Ihr Verbandkasteninhalt abgelaufen ist, es jedoch noch (glücklicherweise) nicht benutzt wurde, müssen Sie die Materialien nicht gleich in den Abfall werfen, sondern können sie sicherlich noch in Ihrer privaten Hausapotheke unterbringen oder in Ihrem Unternehmen zur Übung bei einem Erste Hilfe-Kurs einsetzen. Einen Verbandkasten können Sie unter anderem hier kaufen.

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Wann haben Sie zuletzt den Inhalt Ihres Verbandkastens überprüft? Folgende Materialien gehören hinein:
  • Schere
  • Fingerkuppenverband
  • Rollenpflaster
  • Dreieckstuch
  • Einmalhandschuhe
  • Vliesstofftuch
  • Pflasterstrips
  • Fingerverband
  • Kompressen
  • Pflaster-Schnellverband
  • Kälte-Sofort-Kompresse
  • Netzverband
  • Reinigungstuch
  • Anleitung zur Ersten Hilfe
  • Schnellverband
  • Rettungsdecke
  • Augenkompresse
  • Verbandtuch
  • Fingerling
  • Verbandpäckchen
  • Kleiderschere
  • Folienbeutel
  • Erste Hilfe-Broschüre

Sollte der Verbandkasten im Fahrzeug fehlen, müssen Sie, laut Bußgeldkatalog, mit einem Bußgeld von 5 Euro rechnen. Der Verbandkasten muss im Fahrzeug jederzeit schnell erreichbar sein, da es bei einem Notfall auf jede Sekunde ankommt. Also besser nicht unter Gepäckstücken vergraben. Außerdem sollte er so abgelegt sein, dass er nicht durch das Fahrzeug fliegen und Sie oder Ihre Mitfahrer verletzen könnte – bei einer Vollbremsung den stabilen Erste Hilfe-Kasten als Geschoss von der Ablage Richtung Frontscheibe abzubekommen, ist sicher das Letzte, was man braucht.

Exkurs

Wussten Sie bereits, dass die Schreibweise von Verbandkasten variiert? Der Duden akzeptiert sowohl Verbandkasten als auch Verbandskasten. Die amtliche Schreibweise nach StVZO §35 jedoch lautet Verbandkasten.

Nicht zu verwechseln mit DIN 157 und DIN 169

Bei den Verbandkästen DIN 13157 und DIN 13169 handelt es sich nicht um Verbandkästen für Kraftfahrzeuge, sondern um solche für Betriebe, Baustellen, Schulen und Tageseinrichtungen für Kinder. Bei Verbandkästen oder Verbandtaschen nach DIN 157 handelt es sich um die „kleinen“ und bei denen nach DIN 169 um die „großen“ Verbandkästen. Der Inhalt des Verbandkastens nach DIN 169 ist umfangreicher und entspricht etwa der doppelten Menge des Inhalts des Kastens nach DIN 157. Die Art und Anzahl der Verbandkästen richtet sich nach der Zahl der Beschäftigten. Für einen mittelständischen Betrieb, ist ein Verbandkasten gemäß DIN 157 vorgeschrieben. Bei einer Mitarbeiterzahl von 51-300 wird ein großer Erste Hilfe-Koffer, DIN 169, benötigt und ab 301 Mitarbeitern zwei solcher Koffer.

Auch die Anzahl der Ersthelfer im Unternehmen richtet sich nach der Anzahl der Mitarbeiter. Ein Ersthelfer ist jemand, der auf Grundlage des §10 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) und §21 Sozialgesetzbuch (SGB ) VII einen mindestens acht Doppelstunden umfassenden Erste Hilfe-Lehrgang erfolgreich absolviert hat. Alle zwei Jahre ist ein Auffrischungskurs von vier Doppelstunden erforderlich.

Vielleicht erinnern Sie sich: Für den Erwerb Ihres Führerscheins Klasse B musste ein Erste Hilfe-Kurs, die sogenannte Grundausbildung, von neun Stunden absolviert werden. Als Führerscheinanwärter lernt man dort die Erstversorgung von Unfallverletzen im Straßenverkehr.

Welche Maßnahmen sind bei einem Unfall zu ergreifen?

Das sollten Sie als Ersthelfer an einem Unfallort tun: Schützen – Melden - Helfen

Schützen

Auch wenn es vielleicht leichter gesagt ist als getan: Bewahren Sie Ruhe und verschaffen Sie sich einen Überblick über die Situation. Falls Sie sich der Unfallstelle in einem Fahrzeug genähert haben, schalten Sie die Warnblinkanlage an und stellen Sie Ihr Fahrzeug in einem angemessenen Abstand zur Unfallstelle (mind. 20 m) ab. Bevor Sie handeln: Eigenschutz geht vor Fremdschutz. Sollte Ihnen etwas zustoßen, können Sie nicht helfen – dann muss auch Ihnen geholfen werden und damit ist niemandem geholfen. Als nächstes ziehen Sie sich eine Warnweste an und sichern die Unfallstelle, indem Sie ein Warndreieck aufstellen. Befinden Sie sich auf einer Autobahn oder Landstraße, klappen Sie das Warndreieck auf, halten es vor Ihrem Körper und laufen bitte hinter der Leitplanke, sofern vorhanden. Der Abstand des aufzustellenden Warndreiecks zur Unfallstelle beträgt auf der/ in der

  • Autobahn 600 m / Landstraße 100 m / Stadt 50 m

Zudem gilt: Stellen Sie das Warndreieck vor Kurven oder Bergkuppen auf.

Melden

Beurteilen Sie die eventuell verletzte Person und wählen den Notruf – Notrufnummer 112.

Die notwendigen Angaben bei einem Notruf:

  • Wo hat sich der Unfall ereignet?
  • Was ist passiert?
  • Wie viele Personen sind betroffen?
  • Welche Verletzungen liegen vor? Ist die verletzte Person ansprechbar? Wie geht es der Person?
  • Warten Sie Rückfragen ab, nicht gleich wieder auflegen!

Helfen

Da Erste Hilfe sehr umfangreich und vielschichtig sein kann, geben wir hier nur einen kurzen Überblick über die ersten Maßnahmen am Betroffenen. Priorität haben dabei jene Maßnahmen, die lebenswichtige Funktionen, wie die Atmung, sichern:

  • Was sehen Sie auf den ersten Blick, wenn Sie sich den Verletzten genau ansehen? Aussehen, Position und Verhalten können Ihnen sehr viel über seinen Zustand verraten.
  • Ist der Betroffene bei Bewusstsein? Wenn die Person nicht auf lautes Ansprechen oder auf ein vorsichtiges, leichtes Rütteln an der Schulter (sofern unverletzt!) reagiert, ist sie höchstwahrscheinlich bewusstlos.
  • Befreien Sie die Atemwege des Betroffenen. Überstrecken Sie vorsichtig den Kopf/ Hals und entfernen Sie ggf. sofort sichtbare behindernde Fremdkörper aus dem Mundraum (z.B. Kaugummi).Prüfen Sie die Atmung: Spüren Sie Ausatemluft an Ihrer Wange? Hören Sie Ausatemgeräusche und sehen Sie, wie sich der Brustkorb hebt und senkt?
  • Atmet der Betroffene normal, bringen Sie ihn in die stabile Seitenlage.
  • Atmet er nicht, führen Sie eine Wiederbelebung durch – so, wie Sie es bei Ihrer Grundausbildung gelernt haben.

Atmet der Betroffene normal und ist er (wieder) ansprechbar, führen Sie eine Ganzkörperkontrolle auf Verletzungen oder Zeichen einer akuten Erkrankung durch. Gibt es Wunden, Schwellungen, Fehlstellungen oder ist die Hautfarbe verändert? Blaue Lippen z.B. können ein Zeichen dafür sein, dass der Betroffene unter Schock steht. Wenn Sie die Wunden entsprechend versorgt haben, (das nötige Utensil befindet sich im Verbandkasten) umhüllen Sie den Betroffenen mit einer Rettungsdecke. So schützen Sie ihn vor Wärmeverlust. Wenn möglich, legen Sie ebenfalls eine Decke unter den Betroffenen, damit auch zum Boden hin eine Wärme-Isolierung gewährleistet wird. Beruhigen Sie den Betroffenen und bleiben Sie bei ihm, bis die Rettungskräfte eingetroffen sind.

Ganz wichtig: Sie leisten bereits Erste Hilfe, wenn Sie den Unfallort sichern, den Notruf verständigen und – sofern dieser ansprechbar ist – den Betroffenen beruhigen.

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