Die Pkw-Maut in Deutschland und den Nachbarländern

In unseren europäischen Nachbarländern ist die Pkw-Maut schon lange Pflicht und auch in Deutschland ist die Mauteinführung für Herbst 2020 geplant. Doch was ist genau unter einer Maut zu verstehen und wie grenzt sich diese von der Vignette ab? Wir geben einen Überblick über die Pkw-Maut, den Unterschied in unseren europäischen Nachbarländern und werfen einen Blick auf die deutschen Pläne zur Maut.

Maut: Definition

Das Wort Maut ist ein aus dem Althochdeutschen abgeleiteter Begriff, der auf Zollabgaben im Rahmen des Wegezolls zurückzuführen ist. Die Maut ist dabei eine Straßenbenutzungsgebühr, die sich auf die gefahrene Strecke auf einer bestimmten Autobahn oder Straße bezieht. In vielen Ländern sind insbesondere Brücken und Tunnel oder andere Verkehrsbauwesen mautpflichtig. Zum einen, weil es sich hierbei um viel befahrene Strecken handelt, zum anderen, um die Instandhaltungskosten zu decken bzw. einen Beitrag hierzu zu leisten. Ein weiterer Effekt, der durch die Einführung von Mautsystemen erreicht werden soll, ist die Reduzierung von Staus bzw. die effizientere Nutzung der Verkehrswege. Wer diese nicht zwingend nutzen muss, wird durch Mautgebühren davon abgehalten. Damit einhergehend entsteht gleichzeitig auch eine Entlastung der Umwelt, beispielsweise durch den Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel.

Abzugrenzen von der Maut ist die Vignette, die insbesondere in deutschen Nachbarländern zum Einsatz kommt. Hierbei handelt es sich nicht um eine Gebühr für gefahrene Kilometer, sondern um eine zeitlich begrenzte Erlaubnis zum Befahren der Autobahn. Diese gilt unabhängig von der Kilometeranzahl für den Zeitraum, für den Sie erworben wurde.

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Wo gilt die Maut in Europa

In vielen Ländern Europas die Maut bereits eingeführt- nachfolgend eine Übersicht, in welchen Ländern die Maut und in welchen Ländern eine Vignettenpflicht herrscht:

Mautgebühren in Europa:

  • Frankreich
  • Italien
  • Kroatien
  • Norwegen
  • Portugal
  • Serbien
  • Spanien
  • Polen

Vignettenpflicht in Europa:

  • Bulgarien ab 11€ / Tag
  • Tschechien ab 12€ / 10 Tage
  • Österreich ab 5€ / 10 Tage
  • Rumänien ab 3€ / 7 Tage
  • Schweiz ab 36,50€ / Jahr
  • Slowenien ab 15€ / 7 Tage
  • Ungarn ab 5€ / 10 Tage

Die angegebenen Preise basieren auf Gebühren für Pkw-Vignetten und sind die niedrigste Einheit, die im jeweiligen Land bezogen werden kann (Schwankungen aufgrund der Umrechnungskurse möglich, weitere Gebühren ggf. ebenfalls möglich). Die Mautgebühren werden nicht aufgeführt, da diese abhängig von der gefahrenen Strecke sind und je nach Streckenabschnitt in der Gebührenhöhe variieren. Eine genaue Übersicht, welche Strecken und Verkehrsbauwerke im europäischen Ausland maut- oder vignettenpflichtig sind, hat das ZDF zusammengestellt. In dieser Übersicht ist ebenfalls enthalten, wie hoch die Kosten für die befahrenen Strecken sind.

Maut in EuropaQuelle: Augsburger Allgemeine

Tipps vor Reisebeginn

Informieren Sie sich stets vor der Reise ins Ausland, ob und in welchem Umfang Mautgebühren beziehungsweise Straßenbenutzungsgebühren anfallen, denn gerade bei der Grenzüberschreitung von einem nicht mautpflichtigen Teil in einen mautpflichtigen Teil kann es sonst teuer werden. Für Wohnwagen, Fahrzeuge mit Anhängern oder Wohnmobile gelten gegebenenfalls noch einmal gesonderte Regelungen, diese sind ebenfalls zu beachten. Überlegen Sie sich zum Reisebeginn auch, wie lange und wie viel Sie auf mautpflichtigen Strecken unterwegs sein werden. In manchen Fällen lohnt sich eine Jahresgebühr oder Jahresvignette. Fährt man allerdings nur kurz durch ein mautpflichtiges Land oder passiert nur gelegentlich Autobahnen, sind bei Vignetten Zeittarife in der Regel günstiger. Um dies zu ermitteln, sind Mautrechner hilfreich. Google Maps bietet beispielsweise den Service der Kennzeichnung von mautpflichtigen Strecken.

Um die Abwicklung der Mautgebühren zu beschleunigen, hat der ADAC eine Übersicht hilfreicher Tipps zusammengestellt: Tipps für eine schnelle und stressfreie Mautabwicklung

Deutsche Pläne zur Mauteinführung

In Deutschland wird die Pkw-Maut durch § 16 Infrastrukturabgabengesetz (IngrAG) geregelt. Eingeführt wurde die Regelung zur Maut formal bereits zum 01. Januar 2016. Eine Erhebung der Maut erfolgt allerdings erst, wenn das dazu erforderliche System einsatzbereit ist. Verkehrsminister Andreas Scheuer rechnet damit, dass dieses System im Herbst 2020 einsatzbereit ist und der finanzielle und wirtschaftliche Rahmen, der durch den Bundestag vorgegeben wurde, eingehalten wird. Ebenso ist Ende 2018 der Zuschlag an ein deutsch-österreichisches Konsortium vergeben worden, welches die Erhebung der Maut steuert.

Die Pkw-Maut in Deutschland soll dabei wie folgt gestaltet werden:

  • Für Inländer gilt die Mautpflicht auf Autobahnen und Bundesstraßen. Das umfasst insgesamt ca. 52.000 Kilometer. Die hierbei entstehenden Gebühren werden als Jahresmaut vom Konto des Verursachers abgebucht. Diese richten sich nach Größe und Umweltfreundlichkeit des Motors. Durch die Mehrbelastung durch Mautgebühren soll die Kfz-Steuer sinken. Über die Führung eines Fahrtenbuchs kann nachgewiesen werden, ob Autobahnen oder Bundesstraßen genutzt wurden. Ist dies nicht der Fall, kann die Maut zurückerstattet werden. Die Höhe soll hierbei bei maximal 130€ pro Vignette liegen.
  • Für Pkw-Fahrer aus dem Ausland soll diese nur auf Autobahnen gelten. Für Fahrer aus dem Ausland gibt es sowohl die Jahresmaut als auch Kurztarife für 10 Tage oder zwei Monate. Die Kosten richten sich ebenfalls nach der Art des Fahrzeugs und dessen Umweltfreundlichkeit. Die Kosten für Kurztarife sollen ab 2,5€ pro 10 Tage beginnen.

Mautpflichtig sind neben Pkw in Deutschland dann auch Wohnmobile. Ausgeschlossen sind hingegen Motorräder, Elektrofahrzeuge und Wagen für Behinderte sowie Krankenwagen. Die Kontrolle der Mautzahler soll über das Nummernschild mittels eines elektronischen Kennzeichenabgleichs erfolgen. Die erfassten Daten werden direkt danach wieder gelöscht.

Stand Januar 2019

Der größte Knackpunkt, neben der Einführung eines Kontrollsystems, ist die offene Entscheidung des EuGH. Österreich und die Niederlande hatten gegen die Einführung einer Pkw-Maut in Deutschland geklagt, da diese nach aktueller Lage eine Diskriminierung ausländischer Pkw-Fahrer darstellen würde. Durch die mit der Einführung der Maut einhergehende Steuerentlastung bei der Kfz-Versicherung werden die Zusatzkosten faktisch nur von Fahrern aus dem Ausland getragen, für Inländer hingegen entstehen keine Mehrkosten. Die Entscheidung der EuGH-Richter wird für das Frühjahr 2019 erwartet. Bis dahin ist offen, wie die genaue Ausgestaltung der Pkw-Maut in Deutschland aussieht.

Lkw Maut in Deutschland

Für Lkw gilt die Maut bereits seit dem 19. Juli 2011. Geregelt wird sie durch das Bundesfernstraßenmautgesetz. Betroffen hiervon sind alle in- und ausländischen Kraftfahrzeuge oder Fahrzeugkombinationen mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mindestens 7,5 Tonnen, die für den Güterkraftverkehr bestimmt sind oder dafür verwendet werden. Mautpflichtig sind alle Autobahnen einschließlich Tank- und Rastanlagen sowie alle Bundesstraßen (auch innerorts). Die Kosten liegen hierbei pro gefahrenem Kilometer abhängig von der jeweiligen Schadstoffklasse und Art des Fahrzeugs zwischen 9,3 Cent und 26,1 Cent. Die Gebühren haben sich zum Jahresbeginn noch einmal erhöht.

Entscheidung des EuGH Juni 2019: Die deutsche Pkw-Maut verstößt gegen EU-Recht

Der Europäische Gerichtshof hat der Klage Österreichs stattgegeben, die Abgabe ist gegenüber ausländischen Fahrzeughaltern mittelbar diskriminierend und damit nicht mit EU-Recht vereinbar. Diskriminierend deswegen, weil die wirtschaftliche Last so gut wie ausschließlich auf den Fahrern der anderen EU-Staaten liegen würde und die deutschen Fahrzeughalter in mindestens gleicher Höhe über die Kfz-Steuer entlastet würden.

 

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