Entzug der Fahrerlaubnis oder Fahrverbot: Wo ist der Unterschied?

Führerscheinentzug und Fahrverbot: Ein Unterschied zwischen beiden Szenarien ist die Dauer des Entzugs des Führerscheins. Doch ist dies bereits der elementare Unterschied? Wir beantworten diese Frage im Beitrag und gehen auf die beiden Konsequenzen genauer ein.

Entzug der Fahrerlaubnis

Wird jemandem die Fahrerlaubnis entzogen, erlischt die Erlaubnis, ein Fahrzeug in Deutschland zu führen. Der Entzug der Fahrerlaubnis kann sowohl als eine verwaltungsrechtliche Maßnahme der Fahrerlaubnisbehörde als auch als eine strafrechtliche Maßregelung (ENtzug der Fahrerlaubnis durch ein Gericht) erfolgen.

Zu einem Entzug der Fahrerlaubnis kann es aus verwaltungsrechtlicher Sicht u.a. in folgenden Fällen kommen (siehe § 2 Abs. 4 StVG):

  • wiederkehrende Ohnmachtsanfälle,
  • unbehandelbare Sehschwäche,
  • schwerer Diabetes,
  • schwere Depressionen,
  • Schizophrenie oder
  • starker Altersabbau.

Weitere Fälle, in denen die Fahrerlaubnis entzogen werden kann, sind das Erreichen der Maximalpunktzahl von acht Punkten in Flensburg oder die fehlende charakteristische Festigkeit einer Person,  z. B. durch wiederholte Straffälligkeit, Drogenkonsum, Trunkenheit im Straßenverkehr oder ein hohes Aggressionspotential.

Die Fahrerlaubnis kann auch im Rahmen einer strafrechtlichen Maßregelung entzogen werden. Grundlage für den Entzug der Fahrerlaubnis ist in diesem Fall Paragraf 69 Strafgesetzbuch (StGB). Demnach kann vom Gericht die Fahrerlaubnis entzogen werden, wenn eine rechtswidrige Tat vorliegt, die während oder im Zusammenhang mit dem Führen eines Kraftfahrzeuges oder unter Verletzung einer Pflicht begangen worden ist. Die Untauglichkeit einer Person wird in Abschnitt 2 des Paragrafen 69 StGB geregelt und umfasst Personen, die folgende Vergehen begangen haben:

  • 315c StGB - Gefährdung des Straßenverkehrs
  • 142 StGB - Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort, obwohl der Täter weiß oder wissen kann, dass bei einem Unfall ein Mensch getötet oder nicht unerheblich verletzt worden ist oder dass an fremden Sachen bedeutender Schaden entstanden ist
  • 323a StGB - Vollrausch, der sich auf eine der drei erstgenannten Taten bezieht

Um die Fahrerlaubnis in Folge eines Entzugs wiederzuerlangen, kann nach einer individuellen Sperrfrist ein schriftlicher Antrag bei der entsprechenden Fahrerlaubnisbehörde gestellt werden. Meist ist die Wiedererlangung der Fahrerlaubnis an verschiedene Bedingungen wie eine medizinisch-psychologische Untersuchung geknüpft.

Warum müssen die Führerscheine der Mitarbeiter kontrolliert werden und was  droht bei Nicht-Erfüllung? Mehr dazu in unserem kostenlosen Merkblatt!

Fahrverbot

Bei einem Fahrverbot muss der Betroffene seinen Führerschein beziehungsweise sämtliche Führerscheindokumente (ggf. existiert ein internationaler Führerschein) in amtliche Verwahrung bei der zuständigen Bußgeldstelle, der Polizei (nicht in jedem Bundesland möglich) oder Staatsanwaltschaft geben und erhält ihn nach Ablauf des Fahrverbotes zurück. Wo Sie den Führerschein abgeben können, steht in der Rechtsmittelbelehrung Ihres Bußgeldbescheids. Sie können den Führerschein persönlich abgeben oder per Einschreiben einschicken. Bei letzterer Variante sollten Sie einen frankierten Rückumschlag beifügen.

Mit der Abgabe des/der Dokumente/s beginnt das Fahrverbot offiziell. Die Fahrerlaubnis selbst bleibt bestehen, doch darf von ihr für die Dauer des Fahrverbots kein Gebrauch gemacht werden – das schließt auch Kraftfahrzeuge wie E-Bikes, Mofas und E-Scooter mit ein. Das bedeutet: Fährt man trotz Fahrverbot, begeht man eine Straftat. Diese wird mindestens mit einer Geldstrafe, wenn nicht sogar mit dem Entzug der Fahrerlaubnis für mindestens sechs Monate oder einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr geahndet.

Sind Sie Ersttäter oder wurde in den vergangenen zwei Jahren kein Fahrverbot verhängt, dürfen Sie den Beginn des Fahrverbots selbst bestimmen. Sie müssen das Fahrverbot jedoch innerhalb der Vier-Monats-Frist nach Rechtskraft des Bußgeldbescheids antreten und können es nicht aufsplitten. Als Wiederholungstäter steht Ihnen diese Möglichkeit nicht offen.

Hierin liegt überdies der elementare Unterschied zum Entzug der Fahrerlaubnis: Während die Fahrerlaubnis selbst bei einem Fahrverbot bestehen bleibt und quasi ausgesetzt wird, wird die bei einem Entzug (wie es der Name bereits sagt) entzogen und muss wiedererlangt werden.

Spezialfall beim Entzug der Fahrerlaubnis: Aufgrund einer Geschwindigkeitsüberschreitung verliert man übrigens ausschließlich die Fahrerlaubnis für die Klasse, mit welcher man die Geschwindigkeitsübertretung verschuldet hat. Die anderen Klassen bleiben davon unberührt.


Ein Fahrverbot kann auf zwei Wege erfolgen:

  • Urteil eines Strafgerichtes: ein Monat bis sechs Monate Fahrverbot
  • Festsetzung im Bußgeldbescheid: ein Monat bis drei Monate Fahrverbot

Mögliche Gründe für ein Fahrverbot sind beispielsweise Geschwindigkeitsüberschreitungen, Fahren unter Alkohol-Einfluss oder das Überfahren einer roten Ampel.

Tatbestand Bußgeld in Euro Punkte in Flensburg Fahrverbot in Monaten
Geschwindigkeitsüberschreitung innerorts 21-25 km/h 80 1 1
Geschwindigkeitsüberschreitung innerorts 26-30 km/h 80 1 1
Verstoß gegen die 0,5-Promille-Grenze 500 2 1
Fahren unter Drogeneinfluss 500 2 1
Qualifizierter Rotlichtverstoß (Rotlicht länger als eine Sekunde) 200 2 1

Das Fahrverbot umgehen?

Wenn Sie das Fahrverbot umgehen wollen, sollten Sie sich unbedingt von einem Anwalt beraten lassen. Sie müssen – je nach Sachlage – zum Beispiel glaubhaft darlegen können, dass Ihre Arbeitsstelle oder wirtschaftliche Existenz durch das Fahrverbot bedroht ist. Doch ist und bleibt es abhängig vom Einzelfall, wie das zuständige Gericht entscheidet.

Führerscheinkontrolle durch Halter nötig

Während beim Verlust der Fahrerlaubnis selbige erlischt und nach Ablauf einer Sperrfrist neu beantragt werden muss, ist ein Fahrverbot ein temporärer Verlust der Fahrerlaubnis. Nach Ablauf des Verbots ist die Fahrerlaubnis automatisch wieder vorhanden. In beiden Fällen müssen Betroffene ihren Führerschein in amtliche Verwahrung geben.
Wird während dieser Zeit durch einen Dienstwagenfahrer ein dienstliches Fahrzeug geführt, liegt Fahren ohne Fahrerlaubnis nach Paragraf 21 Abs. 1 StVG vor. Im eigenen Interesse sollten Fahrzeughalter und Fuhrparkverantwortliche daher regelmäßig die Führerscheine von Dienstwagenfahrern kontrollieren, um dadurch die Halterhaftung wegen Zulassen des Fahrens ohne Fahrerlaubnis mit ihren rechtlichen Konsequenzen zu vermeiden.

 

Über Führerscheinkontrolle informieren

 

Das könnte Sie auch interessieren: 

 

Tipps: Führerscheinkontrolle im Fuhrpark

 

 

Zurück zur Übersicht

Lesezeit

Durchschnittliche Lesezeit: 4 min

Beliebteste Beiträge

Neueste Beiträge

im Blog suchen

    Sie haben Themenwünsche?

    Nehmen Sie an unserer Umfrage teil!