3 Technologien zur elektronischen Führerscheinkontrolle im Vergleich

Jedes Unternehmen, das seinen Mitarbeitern Dienstfahrzeuge zur Verfügung stellt, muss die Führerscheine dieser Mitarbeiter regelmäßig kontrollieren. Nun stehen Arbeitgeber vor der Wahl, wie sie bei der Kontrolle der Führerscheine vorgehen sollen. Für die meisten Fuhrparks ist die Einführung einer elektronischen Führerscheinkontrolle lohnenswert, weil dadurch aufwendige Prozesse und Papierchaos vermieden werden können. Doch welche Technologien zur Führerscheinkontrolle stehen zur Auswahl und wodurch unterscheiden sie sich?

Auf die Schnelle:

Systeme zur elektronischen Führerscheinkontrolle müssen sicher sein, ansonsten drohen dem Halter im Streitfall hohe Haftungsrisiken. Führerscheinkontrollsysteme, die auf den Technologien QR-Code und Barcode basieren, sind nur dann sicher, wenn zusätzlich eine dritte Person den Führerschein des Fahrers kontrolliert. Bequem und effizient ist für Fahrer und Fuhrparkmanagement eine Kontrolle über RFID-Chips. Mit dieser Technologie können Fahrer ihren Führerschein rein elektronisch kontrollieren lassen. Warum dies so ist? Weiterlesen!

 

Anbieter für die elektronische Führerscheinkontrolle nutzen derzeit zwei verschiedene Vorgehensweisen zur Überprüfung eines Führerscheins:

  1. Die Führerscheinkontrolle erfolgt über das Smartphone des Mitarbeiters anhand optischer Merkmale. In diesem Fall wird kein Identifikationsmedium auf dem Führerschein angebracht (siehe LapID Driver App).
  2. Die Kontrolle wird mit Hilfe eines auf dem Führerschein aufgebrachten Identifikationsmediums durchgeführt. Dabei handelt es sich um drei verschiedene Identifikationsmedien, auf die wir im Folgenden eingehen: QR-Codes, Barcodes und RFID-Chips.

Die Technologien

Nur auf einer App basierende Führerscheinkontrollen sind auf dem Vormarsch. Dennoch nutzen viele Unternehmen weiterhin Prüfungen mit Identifikationsmedien. Dies hat vor allem folgende Gründe:

  • Für diese Führerscheinkontrollmethode benötigt der Fahrer kein Smartphone.
  • Die Identifikationsmedien können universell bei jedem Führerscheintyp (auch bei alten rosafarbenen und grauen Papierführerscheinen) eingesetzt werden.

Grundsätzlich gilt für alle Identifikationsmedien, dass diese erstmalig von einer autorisierten Person angebracht werden und sich beim Ablösen zerstören müssen. 

QR-Codes und Barcodes mit Lesestation, Scanner oder Apps

QR-Code BeispielEin QR-Code (Abkürzung für Quick Response) ist ein zweidimensionaler grafischer Code, bei dem Informationen durch die Anordnung weißer und schwarzer oder farbiger Quadrate dargestellt werden. Beispielhaft sehen Sie hier die Zahl 1234567 als QR-Code. 

Barcode Beispiel

Bei Barcodes (auch Strichcodes genannt) werden Informationen über verschieden breite, parallele Striche und Lücken codiert. Auch hier haben wir die Zahl 1234567 dargestellt. 

Barcodes und QR-Codes können über optische Lesegeräte wie Barcodescanner an Kassen oder über spezielle Apps ausgelesen werden.

Zur Durchführung der Führerscheinkontrolle wird bei diesen Methoden ein Aufkleber mit einem aufgedruckten Barcode oder QR-Code auf den Führerschein geklebt. Dieser enthält als Information eine Zeichenfolge, die einem Fahrer zugeordnet ist. Wird der Führerschein mit QR-Code oder Barcode an einer Lesestation oder einem Kassenscanner gescannt, oder per App ausgelesen, erfolgt ein Abgleich der Zeichenfolge mit den in einer Datenbank hinterlegten Informationen. Ist diese Zeichenfolge identisch, ist die Führerscheinkontrolle bestanden.

RFID-Chips mit Stationen

LapID SiegelAuf einem RFID-Chip (Abkürzung für Radio Frequency Identification) können Informationen (z.B. Zeichenfolgen) verschlüsselt hinterlegt werden. Zum Auslesen werden die Informationen von einem Lesegerät dekodiert und auf Echtheit geprüft. 

Der RFID-Chip wird auf dem Führerschein angebracht. Auf dem Chip ist die Seriennummer des Chips gespeichert, welche dem Fahrer zugeordnet ist. Hält der Fahrer seinen Führerschein an ein Lesegerät, wird die Seriennummer abgeglichen. Ist diese im System hinterlegt, ist die Führerscheinkontrolle bestanden.

Der Technologievergleich

Um die genannten Technologien miteinander zu vergleichen, stellt sich zunächst die Frage, warum Fuhrparkverantwortliche überhaupt eine elektronische Führerscheinkontrolle einführen:

  1. Sie möchten das Haftungsrisiko als Fahrzeughalter minimieren.
  2. Sie möchten, dass die Führerscheinkontrolle nicht ortsgebunden ist und außerhalb des Firmensitzes stattfinden kann.
  3. Sie möchten, dass die Verwaltung der Führerscheinkontrolle nicht durch Vorgesetzte oder das Fuhrparkmanagement erfolgen muss.
  4. Sie möchten, dass Fahrer automatisch an Termine erinnert und die Prüfungen lückenlos dokumentiert werden.

Bei Kontrollen über QR-Codes oder Barcodes profitiert das Fuhrparkmanagement zwar von automatisierten Terminerinnerungen und einer automatischen Dokumentation, die Kontrolle selbst sollte hier aber weiterhin durch eine unabhängige dritte Person erfolgen, um rechtlich abgesichert zu sein. Nur bei der Technologie mit einem RFID-Chip werden sämtliche Anforderungen auch ohne Sichtkontrolle erfüllt.

Warum ist dies so?

QR-Codes und Barcodes lassen sich sehr leicht duplizieren. Die einfachste Methode, einen QR-Code oder Barcode zu duplizieren, ist diesen mit dem Smartphone zu fotografieren.

Alternativ gibt es zahlreiche kostenlos verfügbare Apps und Webseiten, mit denen QR-Codes decodiert und leicht neu erstellt werden können. Ein Fahrer muss dazu lediglich die Zeichenfolge im QR-Code oder Barcode mit einem der genannten Tools auslesen (z. B. 1234567). Mittels der App oder Website lässt sich daraufhin ein neuer identischer QR-Code oder Barcode generieren.

Ein QR-Code- oder Barcode-Scanner kann ein Duplikat technologisch nicht von einem Original unterscheiden. Nutzt der Fahrer den duplizierten Code auf einem anderen Trägermedium als dem Führerschein, wird eine erfolgreiche elektronische Führerscheinkontrolle nur vorgetäuscht. Denn diese Scanner reagieren nur auf den Code, nicht aber auf den Führerschein. Fuhrparkleiter können sich bei diesen Methoden also nicht darauf verlassen, dass Fahrer zum Zeitpunkt der Kontrolle tatsächlich einen gültigen Führerschein besitzen. Die Scanner registrieren nicht, auf welchem „Trägermedium“ sich der Code befindet. Nur wenn eine geschulte dritte Person die Kontrolle durchführt, z.B. ein damit beauftragter Dienstleister oder interner Mitarbeiter, kann ein Fuhrparkleiter sicher sein, dass sich der Code auch wirklich auf einem gültigen Führerschein befindet.

Mit einem RFID-Chip hingegen kann die rechtssichere Führerscheinkontrolle durch den Fahrer selbst initiiert werden. Die Duplizierung eines RFID-Chips ist ein komplexer Prozess, der technisches Verständnis sowie eine spezielle Hardware erfordert. Sind RFID-Chips zusätzlich verschlüsselt, sind sie technisch gegen eine Duplikation geschützt.

Die Einbindung einer dritten Person ist bei einer Führerscheinkontrolle mittels RFID-Chip daher nicht mehr erforderlich. Den Part des „unabhängigen Dritten“ übernimmt die RFID-Technik in Kombination mit dem Kartenlesegerät. 

Warum ist die Wahl der Technologie für Ihre Haftung relevant?

Wenn ein Dienstfahrzeugnutzer ohne eine gültige Fahrerlaubnis unterwegs ist und die Führerscheinkontrolle nicht mit der nötigen Sorgfalt durchgeführt wurde, haften Geschäftsführung und Fuhrparkmanager persönlich und es drohen Geld- und/oder Freiheitsstrafen bis zu 12 Monaten.[1] Ebenso droht in diesen Fällen der Verlust oder die Einschränkung des Versicherungsschutzes.[2]

Umgeht ein Fahrer wie oben beschrieben die Führerscheinkontrolle auf Basis von QR-Codes oder Barcodes, begeht er zwar eine Täuschung, die für ihn arbeitsrechtliche Konsequenzen haben kann. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass der Halter des Fahrzeugs straffrei bleibt. Es drohen weiterhin Haftungsrisiken nach § 21 Abs. 1 Nr. 2 StVG und § 130 OWiG: Denn wer ein System zur Führerscheinkontrolle einführt, bei dem ein Dienstfahrzeugnutzer ohne größeren Aufwand und ohne technische Fachkenntnisse eine ordnungsgemäße Führerscheinkontrolle vortäuschen kann, hat im Zweifel nicht vorschriftsmäßig und fachlich delegiert. Denn dass Barcodes und QR-Codes leicht duplizierbar sind, ist kein Geheimwissen.

Rechtlich basiert das Haftungsrisiko darauf, dass eine elektronische Führerscheinkontrolle so sicher sein sollte, wie eine Sichtkontrolle des Original-Führerscheins. Denn die elektronische Kontrolle ist rechtlich gesehen nichts anderes als ein Ersatz für die manuelle Kontrolle des Führerscheins. Eine Führerscheinkontrolle, die lediglich auf einer Kopie eines Barcodes oder QR-Codes basiert, genügt nicht zum Nachweis der Fahrerlaubnis.[3] So ein elektronisches Kontrollsystem ist leicht zu umgehen. Obwohl in diesen Fällen im Fuhrpark ein System zur Führerscheinkontrolle im Einsatz ist, kann dies im Streitfall zu einem Problem für den Halter werden.

Obwohl in diesen Fällen im Fuhrpark ein System zur Führerscheinkontrolle im Einsatz ist, kann dies im Streitfall zu einem Problem für den Halter werden.

Warum müssen die Führerscheine der Mitarbeiter kontrolliert werden und was  droht bei Nicht-Erfüllung? Mehr dazu in unserem kostenlosen Merkblatt!

Fazit

Führen Arbeitgeber eine elektronische Führerscheinkontrolle ein, möchten sie ihre Haftungsrisiken als Fahrzeughalter minimieren. Zudem sollen Fahrer die Führerscheinkontrolle möglichst orts- und zeitunabhängig vornehmen können und damit das Fuhrparkmanagement wesentlich entlasten.

Methode

Schutz vor Duplikaten

Sollte Fahrer Kontrolle selbst initiieren/vornehmen?

Rechtssicherheit

RFID-Chip

Ja

Ja

Ja

Barcode

Nein

Nein[4]

Eingeschränkt (nur ja bei Sichtkontrolle)[5]

QR-Code

Nein

Nein

Eingeschränkt (nur ja bei Sichtkontrolle)

 

Entscheiden Sie sich für ein System, bei dem die Führerscheinkontrolle auf QR-Codes oder Barcodes basiert, sollte der Führerschein des Fahrers durch eine geschulte dritte Person kontrolliert werden, damit Sie als Fuhrparkverantwortlicher rechtlich auf der sicheren Seite sind.

Doch dann geht der größte Mehrwert einer elektronischen Führerscheinkontrolle verloren: Ein Fahrer kann die Führerscheinkontrolle nicht orts- und zeitunabhängig vornehmen, ohne Abteilungsleiter, Pförtner oder sonstige berechtigte Personen in diesen Prozess einbinden zu müssen. Komfortabel wird dieses Vorgehen erst, wenn flächendeckende Sichtkontrollen von Führerscheinen als Dienstleistung eingekauft werden können, z.B. über geschulte Mitarbeiter eines Tankstellennetzes.

Bei der Führerscheinkontrolle mit dem LapID RFID-Siegel hingegen wird der Kontrollprozess komplett technisch und rechtssicher durch ein Lesegerät übernommen. Sie als Fuhrparkverantwortlicher sind so auf der sicheren Seite.

Lesen Sie hier mehr zu den Vorteilen und dem Ablauf der LapID-Führerscheinkontrolle.

 

Über Führerscheinkontrolle informieren

 

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[1] Siehe § 21 Abs. 1 Nr. 2 StVG, Abs. 2 Nr. 1 und Nr. 3 StVG

[2] Siehe § 28 Abs. 2 VVG bzw. § 2 b AKB

[3] Siehe SVR – Zeitschrift für die Praxis des Verkehrsjuristen 4/2008, S. 124.

[4]  und [5]  Es gibt auch Hologramm-Barcodes, die den „Einbau“ spezifischer Erkennungsmerkmale ermöglichen, die nur durch das menschliche Auge verifiziert werden können. Diese sollen die geschulte dritte Person bei einer Sichtkontrolle zusätzlich dabei unterstützen, gefälschte Barcodes zu identifizieren.

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